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Best Practice Sharing war gestern

Fehler, Panne [Quelle: unsplash.com, Autor: Estée Janssens]

Quelle: unsplash.com, Estée Janssens

Dass man aus Fehlern klug wird, weiß schon der Volksmund. Levin Böhlig, Senior Product Manager bei Roche Pharma in Grenzach, hat diesen Spruch ernstgenommen und gemeinsam mit einer Kollegin "failed" ins Leben gerufen – ein Event, bei dem Marketing-Mitarbeiter ausgerechnet ihre gescheiterten Projekte vorstellen. Im Interview erzählt er, wie dieses etwas andere Best-Practice Sharing abläuft und warum man gerade aus den größten Flops am meisten lernt.

Levin, was verbirgt sich hinter "failed" und dem Titel dieses Beitrags?

Best Practices zu teilen ist in unserer Marketing-Community schon lange Standard. Doch das allein reicht nicht aus: Im stark umkämpften Markt müssen wir neue Wege bestreiten, um konkurrenzfähig zu sein.

Neues auszuprobieren, das geht nicht, ohne das Risiko des Scheiterns in Kauf zu nehmen. Mit unserer Veranstaltung "failed – das etwas andere Best-Practice Sharing" möchten wir den Kollegen Mut machen, innovative Ansätze auszuprobieren. Und das auch dann, wenn der Erfolg nicht hundertprozentig zu garantieren ist. Scheitern ist erlaubt – es ist nur wichtig, diese zu teilen und gemeinsam daraus zu lernen.

Du bist zusammen mit Nadja Thomas einer der Initiatoren der Veranstaltungsreihe – wie kam es dazu?

Nadja und ich haben vor einiger Zeit einen Vortrag zu Fuckup-Nights gehört und waren beide sofort begeistert. Die einfache Idee dahinter: Unternehmer erzählen von ihren Misserfolgen. So wird die Angst reduziert, selbst etwas auszuprobieren und es ist möglich, aus den Fehlern zu lernen. Das Format war so spannend und gleichzeitig unterhaltsam, dass wir dachten: So eine "failed-Veranstaltung" brauchen wir bei uns im Marketing auch!

Von der Idee bis zur Umsetzung – wie schwer war es, euer Konzept zu realisieren?

Tatsächlich war es gar nicht so kompliziert! Bei uns im Marketing herrscht eine große Offenheit gegenüber neuen Ideen und Ansätzen. Nach Rücksprache mit unseren Marketing-Verantwortlichen hatten wir das Okay, ein Konzept auf- und einen Piloten mit zwei Terminen umzusetzen. Bei der Ausgestaltung des Konzeptes wurde uns vollkommen freie Hand gelassen. Wir konnten das Pilotprojekt so gestalten, wie wir es für richtig hielten. Das Vertrauen in unsere Fähigkeiten scheint sich gelohnt zu haben – mittlerweile ist das Event fest im Marketing Excellence Curriculum verankert.

Wir haben viel über die Theorie gesprochen. Wie laufen die Events in der Praxis ab?

Die failed-Events finden meist am Spätnachmittag oder gegen Abend statt und dauern etwa zwei bis drei Stunden. Eingeladen sind alle Mitarbeiter des Marketings und der medizinischen Abteilung hier am Standort Grenzach. Bisher haben pro Veranstaltung etwa 25 bis 30 Kollegen teilgenommen.

Der Ablauf der Events ist immer ähnlich: In der Regel werden zwei "gescheiterte" Projekte vorgestellt und danach in der Gruppe diskutiert. Jeder Vortragende hat dazu zehn Minuten Zeit. PowerPoint-Schlachten versuchen wir zu vermeiden, stattdessen bevorzugen wir den freien Vortrag. Das zwingt dazu, die Inhalte auf das Wesentliche zu reduzieren und unnötige Komplexität zu vermeiden. Der Vortragende bringt außerdem ein paar Fragen mit, die die Diskussion anregen sollen. Je fünf bis sechs Kollegen sammeln sich dafür an Stehtischen, tauschen sich über Vortrag und Fragen aus und dokumentieren Erkenntnisse und Learnings auf Metaplankarten. Diese wiederum werden zum Schluss mit dem Plenum geteilt und als weiterer Diskussionsanreiz genutzt.

Mit dem Ende der Veranstaltung muss die Diskussion aber nicht aufhören. Wir haben eine interne Community, in der auch nach Ablauf der Veranstaltung Fragen gestellt und "Fails" geteilt werden können.

Man spürt deine Begeisterung für dieses Event. Was ist dir daran besonders wichtig?

"failed" ist mehr als ein Event, sondern fördert Werte, die mir wichtig sind und für die auch Roche steht: den Mut, etwas auszuprobieren – aber auch offen über die Dinge im Alltag zu sprechen, die nicht so glatt gelaufen sind. Es ist schade, wenn vier Abteilungen am gleichen Problem scheitern müssen, nur weil die erste Gruppe nicht bereit war, ihre Erfahrungen zu teilen.

Wichtig ist mir auch, dass es in der Veranstaltung nicht darum geht, jemanden bloßzustellen oder gute Ratschläge zu verteilen. Stattdessen möchten wir die Zeit dazu nutzen, auf das gescheiterte Projekt zu schauen und gemeinsam im Team neue Ideen und Lösungen zu entwickeln.

Deine Kollegen sollen ihre "Fails" auf der Veranstaltung teilen – aber was ist mit deinen Fails?

Eine sehr gute Frage! Bevor Nadja und ich die Kollegen mit unserem Konzept konfrontiert haben, war uns klar: Das wollen und müssen wir am eigenen Leib erleben. Ganz im Sinne einer unserer failed-Regeln "Besiege Dein Ego" haben wir auf dem ersten Event jeder einen unserer eigenen "Fails" präsentiert. Das Wagnis hat sich gelohnt: Die Resonanz der Gruppe war sehr gut und die Diskussion extrem wertvoll. Eine sehr bereichernde Erfahrung, zu der ich jedem nur raten kann.

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