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Was raten Sie neuen Führungskräften für ihren ersten Tag?

Man darf am Anfang nicht zu sehr in den Action-Modus verfallen. Vielmehr sollte man erst einmal die Erwartungshaltungen abstecken und herausfinden: Wie funktioniert mein Team? Was ist die gemeinsame Geschichte meiner Mitarbeitenden? Was brauchen sie, um ihre Aufgaben optimal erfüllen zu können? Was passiert auf der zwischenmenschlichen Ebene? Dafür ist es sehr wichtig, am Anfang einfach da zu sein, zuzuhören, Eindrücke aufzunehmen und dem Team nicht gleich seinen Stempel aufzudrücken. Man ist jetzt keine One-Man-Show mehr, sondern Facilitator, Prozessbegleiter.

Soft Skills wie etwa Einfühlungsvermögen sind also entscheidend für eine erfolgreiche Führungskarriere?

Meiner Erfahrung nach ist Führung allein auf Basis von fachlicher Kompetenz nicht mehr das Maß aller Dinge. Durch die Diversifizierung der Aufgaben und die Komplexität unserer Branche kann man gar nicht mehr in allem der Experte sein. Deswegen werden Soft-Skill-Faktoren wie Einfühlungsvermögen und Interesse am Menschen immer wesentlicher. Roche achtet darauf auch bei der Besetzung von Führungspositionen beziehungsweise arbeitet mit Führungskräften an diesen Kompetenzen – denn man kann sie sich definitiv aneignen.

Wie wurden Sie in Ihre neue Position eingearbeitet?

Ein wesentlicher Punkt ist die Unterstützung durch den Vorgesetzten – und damit meine ich nicht nur die fachlichen Themen. Auch wenn es um die Unternehmenskultur ging, also darum, "wie Roche Grenzach tickt", konnte ich jederzeit auf die Unterstützung meiner Chefin zählen.

Neue Mitarbeiter bei Roche bekommen im Rahmen des Buddy-Systems außerdem einen Mentor zur Seite gestellt – auch wenn sie selbst Führungsverantwortung innehaben. Mit meinem Mentor konnte ich informell und vertrauensvoll Themen besprechen, denen ich in meiner neuen Position begegnet bin. Darüber hinaus gibt es auf allen Hierarchieebenen – vom Produktmanager über den Marketing Director bis zum Franchise Lead – Plattformen, auf denen wir unser Wissen teilen und uns persönlich austauschen. Wir Marketing-Direktoren sitzen zum Beispiel regelmäßig im Marketing Director's Meeting zusammen. Dort diskutieren wir natürlich fachliche Themen, beratschlagen uns aber auch informell.

Was empfinden Sie als den größten Unterschied zwischen einer Mitarbeiter- und einer Führungsstelle?

Als Mitarbeiter habe ich mich auf Strukturen und Prozesse konzentriert. Als Führungskraft konzentriere ich mich auf Menschen. Das bedeutet konkret, Verantwortung auf das Team aufzuteilen und den Team-Mitgliedern Raum zu geben, auf Basis ihrer Kompetenz zu wachsen und zu lernen. Genau dieser Schritt ist oft auch der schwerste, wenn man von einer Managerposition direkt in eine Führungsposition wechselt.

Ich investiere in meinem Arbeitsalltag viel Zeit in Personalentwicklung. Ich frage mich, was die Kompetenzen und Interessen meiner Produktmanager sind, wo mein Team sich weiterentwickeln will. Dann erarbeite ich mit meinen Mitarbeitern gemeinsam, welche Fortbildungen und Projekte sie für ihre Entwicklung nutzen können.

Gab es Lektüre oder bestimmte Ratschläge oder Leitsätze, die Ihnen im ersten Jahr besonders nützlich waren?

Ich kann jedem Fredmund Maliks "Führen, Leisten, Leben" als Lektüre ans Herz legen, aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit erfahrenen Kollegen. 

Für mich war es besonders prägend, als mir eine andere Führungskraft einmal sagte, wie wichtig es ist, sich nicht auf die Schwächen der Mitarbeiter zu konzentrieren, sondern auf ihre Stärken. Dieser Satz ist so etwas wie mein Mantra geworden, denn ich glaube fest daran, dass es produktiver ist, Energie auf den Ausbau der Stärken zu verwenden statt auf die Kompensation der Schwächen.

Eine Führungsposition bringt viel Verantwortung für Menschen und Projekte mit sich: Wie gelingt es Ihnen, trotzdem auch einmal abzuschalten?

Gerade zu Beginn einer Führungsposition spürt man wie gesagt die Ansprüche des Teams. Deshalb ist Regenerationszeit ein wichtiges Thema, das man auch bewusst einplanen muss. Mir ist zum Beispiel das Wochenende heilig. Da bleibt das Firmenhandy in der Aktentasche, denn ich brauche diese Zeit, um Energie für die neue Woche zu schöpfen. Ich setze nicht auf eine besondere, ausgefallene Entspannungstechnik, sondern verbringe einfach bewusst Zeit mit meinem Partner. Letztlich zieht jeder seine Kraft aus anderen Dingen. Wichtig ist nur, sich Zeit dafür zu nehmen.

An welchen Moment aus Ihren ersten zwölf Monaten als Führungskraft erinnern Sie sich besonders gerne?

Als ich meine neue Position antrat, war ich erst einmal sehr im Hören-Modus. Ich wollte erfahren, wer diese Menschen in meinem Team sind und was sie gerne tun. Dafür habe ich mir viel Zeit genommen. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob das der richtige Ansatz ist. Nach sechs Monaten habe ich mich deswegen mit meinem Team zusammengesetzt und Feedback eingeholt. Die Rückmeldung an mich war dann: "Ach Lukas, bleib einfach so, wie du bist!" Das war wirklich ein schöner Moment! Ich habe da gemerkt, dass ich mir keine groben Schnitzer geleistet habe und dass alles gut gegangen ist – auf fachlicher und auf emotionaler Seite. 

Welchen Rat geben Sie einem e-fellow mit auf den Weg, der gerade seine erste Führungsposition antritt?

Zwei Dinge empfinde ich als besonders wichtig. Erstens: eine positive Einstellung! Ich würde immer dafür plädieren, dem Team mit einem ganz, ganz großen Stück Vertrauen entgegenzutreten und davon auszugehen, dass die Mitarbeiter gut sind und wissen, was sie tun. Das ist für mich erfolgsversprechender als anfängliche Skepsis, denn eine Führungskraft prägt eine Team-Kultur ganz wesentlich. Wenn die Führungskraft Vertrauen ausstrahlt, prägt das auch, wie das Team miteinander arbeitet. Der Einfluss, den man in dieser Hinsicht als Chef hat, wird oft unterschätzt.

Das zweite ist ein ehrliches, gesundes Interesse an den Menschen. Wir sind alle keine Maschinen oder Zahnräder im Getriebe. Ob auf einer Hierarchieebene oder über Ebenen hinweg: Am Ende arbeiten Menschen zusammen, die auch als solche wahrgenommen werden wollen. Dafür muss man sich Zeit nehmen. Und das ist hier bei Roche möglich.

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