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"Als Chefin kann ich festlegen, in welche Richtung es gehen soll"

Wie reagieren Mitarbeiter auf eine junge Frau auf neue Chefin? Teamleiterin Aleksandra Melke hat mit 27 ihre erste Führungsposition übernommen und an ihrem ersten Tag den ein oder anderen überraschten Blick auf sich gezogen.

Was macht einen guten Chef aus?

Ich finde es wichtig, dass ein Vorgesetzter eine Vorbildfunktion einnimmt. Man kann nichts einfordern, was man nicht einhält. Außerdem ist es wichtig, dass man gute Leistungen der Mitarbeiter anerkennt und lobt, andererseits aber auch Kritik offen äußert. Insgesamt halte ich einen offenen und respektvollen Umgang für sehr wichtig. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass jeder auf seine eigene Art arbeitet. Wichtig ist es, klare Entscheidungen zu treffen und dann dabei zu bleiben. In jedem Fall muss ein guter Chef für seine Mitarbeiter da sein und sie unterstützen.

Füllen Frauen eine Führungsposition anders aus als Männer?

Nun, man sagt ja manchmal, dass Frauen besser zuhören können als Männer. Aber ich hatte auch schon männliche Vorgesetzte, die prima zuhören können. Ich würde auch nicht sagen, dass Frauen für bestimmte Positionen besser geeignet sind als Männer oder umgekehrt - ich denke, das hängt eher vom Charakter ab als vom Geschlecht. Ich kann nicht sagen, dass ich Vorteile habe gegenüber einem Mann, aber auch keine Nachteile.

Sind die Kollegen erstaunt über eine junge Frau als Chefin?

Ich habe da eine lustige Erfahrung gemacht. Ich war 27 und trat eine neue Stelle als Teamleiterin von 45 Mitarbeitern an. Alle waren deutlich älter als ich und hatten bisher nur männliche Vorgesetzte gehabt. Mein Team war fest davon überzeugt, dass auch der neue Chef ein Mann sein würde. An meinem ersten Tag traf ich im Aufzug zufällig schon auf zwei meiner künftigen Mitarbeiter, die aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wer ich war. Es war Weiberfastnacht und die beiden Kolleginnen freuten sich schon: "Dem neuen Chef schneiden wir gleich mal die Krawatte ab!". Eine von beiden hatte schon eine Schere dabei. Als ich dann im Meeting als neue Chefin vorgestellt wurde, fielen ein paar Kinnladen. Am Anfang war das schon manchmal schwierig: Keiner war an einen jungen Chef gewöhnt, und dann "auch noch" eine Frau. Aber ich habe meinen Mitarbeitern zugehört, mich ihrer Fragen und Probleme angenommen, und dann hat die Zusammenarbeit gut geklappt.

Was schätzen Sie am Chefsein?

Sehr ansprechend finde ich, dass ich Probleme gemeinsam mit meinen Mitarbeitern lösen kann, und dass ich ihnen helfen kann, wenn sie nicht weiterkommen. Was mich außerdem reizt: Als Chefin kann ich festlegen, in welche Richtung es mit meinem Team gehen soll, ich kann die großen Linien bestimmen.

Wie unterstützt Roche Sie in Ihrer Führungsposition?

Ich kann viele Kurse und Seminare belegen. Dabei üben wir Unterschiedliches: Konfliktlösung im Team, adressatengerechte Kommunikation, Projektleitung über Abteilungsgrenzen hinaus, wie gibt man die Strategie vor? Außerdem unterstützt mich mein Vorgesetzter bei Fragen und Problemen. Und wir haben gute Ansprechpartner in der Personalabteilung, die uns zu Themen wie Elternzeit, Arbeitsverträgen und Arbeitsrecht beraten.

Im Interview verrät Roche-Mitarbeiterin Susanne Arbogast, ob man Führungsqualitäten lernen kann.

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