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"Die Erlebnisse mit meiner Tochter kann mir keiner mehr nehmen"

Kind Mädchen Tocher (Quelle: freeimages.com, royalshot)

Quelle: freeimages.com, royalshot

Gleichberechtigung geht auch anders: Immer mehr Männer möchten die ersten Lebensmonate ihres Kindes stärker miterleben. Aber wie reagieren die Kollegen, wenn man als Vater Elternzeit nimmt? Worauf muss man bei der Planung achten? Das verraten zwei Roche-Väter im Interview - und berichten vom schönsten Moment ihrer Elternzeit.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Elternzeit zu nehmen?

Ich kannte das Thema Elternzeit bereits aus den Medien. Als klar war, dass wir Nachwuchs erwarten, habe ich mich dann genauer informiert. Dass ich mich letztendlich für die Elternzeit entschieden habe, hat auch mit Gesprächen mit meinem Vater und anderen aus dieser Generation zu tun. Sie haben mir erzählt, wie sehr sie im Nachhinein bedauern, zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben. Ich möchte an der Erziehung und Bildung meines Kindes Anteil haben - deswegen habe ich Elternzeit genommen.

Wie lange waren Sie daheim?

Ich war drei Monate in Elternzeit - der Großteil der Väter, die Elternzeit nehmen, sind meist zwei Monate daheim. Dabei darf man den finanziellen Aspekt nicht unterschätzen. Wenn man in Elternzeit ist, bekommt man 67 Prozent seines Netto-Gehalts, allerdings maximal 1.800 Euro. Meine Frau war 12 Monate in Elternzeit, einen davon konnten wir gemeinsam daheim verbringen. Ich habe also zwei Monate größtenteils allein für meine Tochter gesorgt.

Wie war das?

Am Anfang zugegebenermaßen sehr schwierig. Es war sehr gut, dass ich einen Monat Zeit hatte, mich einzugewöhnen. Daheim für ein Kind zu sorgen ist genauso stressig und belastend wie der Arbeitsalltag im Büro. Ich behaupte, jeder bekommt das hin, man sollte keine Angst davor haben. Und man wird viel schneller "entlohnt", das eigene Kind gibt einem so viel zurück. Mir fällt keine Situation während meiner Elternzeit ein, in der ich den Geschäftsalltag vorgezogen hätte.

Was haben Sie mit Ihrer Tochter unternommen?

Wir waren so oft es ging draußen - das hat mir auch gesundheitlich sehr gut getan. Wir sind spazieren und schwimmen gegangen, das liebt meine Tochter. Und immer, wenn es die Zeit zugelassen hat, haben wir die Großeltern besucht, die etwas weiter entfernt wohnen. Außerdem hatte ich viel Kontakt zu anderen Eltern und habe neue Freundschaften geschlossen.

Wie haben Ihr Chef und die Kollegen reagiert?

Mein Chef hat selbst zwei Kinder, er ist ein Familien-Mensch und hat meine Entscheidung begrüßt. Und da wir neben dem Support hauptsächlich Projektarbeit machen, konnte er mein Fehlen auch sehr gut einplanen. Unter den Kollegen gab es schon ein wenig Neid, vor allem bei den jungen, die selbst noch keine Kinder haben. Sie denken dann, dass man so eine Art zusätzlichen Urlaub nimmt. Und die Kollegen mit älteren Kindern bedauern, dass es die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen, nicht schon früher gab.

Anscheinend hat Ihnen die Elternzeit so gut gefallen, dass Sie nun wieder daheim sind?

Ja, seit dem 1. Juni bin ich wieder in Elternzeit. Damit habe ich meine Frau unterstützt, da sie gern wieder Vollzeit arbeiten wollte. Ich arbeite zehn Monate lang in Teilzeit, während meine Tochter in der Kita ist. Die restliche Zeit betreue ich sie. Ich bin sogar international unterwegs. Das funktioniert meistens ganz gut, weil sich meine Projekte zeitlich sehr gut planen lassen.

Haben Sie Sorge, dass die Elternzeit einen "Karriereknick" nach sich ziehen könnte?

Ich muss zugeben, dass ich mir diese Frage schon oft gestellt habe. Inzwischen denke ich mir: Wenn es Auswirkungen haben sollte, dann muss ich diese nun mal auf mich nehmen. Für mich ist auch Kindererziehung eine Art Karriere beziehungsweise Entwicklung, weil das gar nicht so einfach ist. Und die Erlebnisse mit meiner Tochter kann mir keiner mehr nehmen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Elternzeit?

Ich fand es schön, dabei zu sein, als meine Tochter sich in der Kinderkrippe eingewöhnt hat. Ich konnte sie dabei begleiten und es ihr leichter machen. Das war ein wichtiger Entwicklungsschritt in ihrem Leben, und ich habe täglich ihre Reaktionen und Entwicklungen miterleben können.

Wie halten Sie Anschluss an Ihre Abteilung?

Meine Kollegen und ich verstehen uns gut, daher treffen wir uns auch privat und tauschen uns aus. Das macht das Anschlusshalten natürlich leichter. Klar, es ist wirklich wichtig, sich auf dem Laufenden zu halten, denn es gibt ständig Neuigkeiten bei Roche und in meiner Abteilung. Während meiner ersten Elternzeit musste ich meinen Laptop nicht abgeben, dadurch hatte ich immer Zugriff auf das Roche-Netzwerk, das hat auch geholfen. Außerdem ist auch meine Frau bei Roche - das war fürs Anschlusshalten natürlich auch praktisch.

Wieso sind Sie in Elternzeit gegangen?

Ich musste eigentlich gar nicht überlegen, das war für mich selbstverständlich. Ich habe zwei Monate Elternzeit genommen, als mein erster Sohn ein Jahr alt war. Die Elternzeit war wirklich eine sehr wertvolle Erfahrung. Zeit mit meiner Familie ist für mich ein wichtiger Ausgleich zum Arbeitsleben. Vor Kurzem wurde mein zweiter Sohn geboren.

Wie haben Ihr Chef und die Kollegen reagiert?

Ich habe meiner Vorgesetzten früh gesagt, dass ich Elternzeit nehmen möchte. Es gab keine Widerstände oder Ablehnung. Der eine oder andere Kollege hat vielleicht erst einmal etwas seltsam geschaut, als ich mein Vorhaben schilderte. Aber genau diese Kollegen meinten danach: "Gut, dass du die Gelegenheit genutzt und Elternzeit genommen hast". Wenn man die Elternzeit früh abspricht und Projekte entsprechend organisiert, sollte es wirklich kein Problem sein.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Elternzeit?

Eigentlich gab es tausend schöne Momente. Es war beispielsweise schön, gemeinsam mit den anderen Eltern und Kindern auf dem Spielplatz zu sein. Dort konnte man sich austauschen und intensiv die neuen Anforderungen erleben und erlernen. Ich fand es auch gut, einen Einblick zu bekommen, was meine Frau eigentlich den ganzen Tag bei der Kinderbetreuung leistet.

Was müsste man ändern, damit noch mehr Männer Elternzeit nehmen?

Ich glaube, es ändert sich gerade schon einiges. Ich möchte Väter wirklich dazu ermutigen, diese einmalige Chance zu nutzen. Man muss natürlich das Selbstvertrauen haben, die Entscheidung für die Elternzeit auch gegen Widerstände zu verteidigen - nicht alle Firmen machen es einem da so leicht wie Roche. Aber ein Unternehmen, das sich in den heutigen Zeiten der Unterstützung von Familien verschließt, gräbt sich selbst das Wasser ab. Wenn man früh plant, rechtzeitig mit den Vorgesetzten spricht und konsequent ist, dann kann man meines Erachtens die zweimonatige Elternzeit problemlos machen.

Was haben Sie aus Ihrer ersten Elternzeit gelernt, was Sie beim zweiten Mal anders machen möchten?

Ich habe den Fehler gemacht, dass ich vermeintlich wichtige Termine auch in der Elternzeit wahrgenommen habe. Das würde ich beim zweiten Mal anders machen, denn diese Termine lenken ab und durchbrechen die familiäre Atmosphäre. Ich würde eine zweite Elternzeit gelassener angehen. Und es gab wirklich herausfordernde Momente, zum Beispiel, wenn das Baby einfach nicht schlafen will oder schreit und die Mutter gerade einkaufen ist... Mit der Erfahrung vom ersten Kind steckt man das beim zweiten Mal bestimmt viel entspannter weg.

Wie sah Ihre Planung für die Phase nach der Elternzeit aus?

Meine Frau ist dann mit 60 Prozent wieder in den Job eingestiegen und konnte zwei Tage davon im Home-Office arbeiten; glücklicherweise hat sie diesbezüglich auch einen flexiblen Arbeitgeber. Unser Sohn war in der Kita und ist mittlerweile im Kindergarten. Roche möchte ja auch weiterhin attraktiv bleiben für Arbeitnehmer und baut sein Angebot zur Kinderbetreuung gegenwärtig aus. Am Standort Grenzach wird gerade eine Kita gebaut, außerdem gibt es subventionierte Ferienprogramme für Kinder. Damit setzt Roche ein Zeichen und macht deutlich, dass sich das Unternehmen verstärkt um das Thema Vereinbarkeit von Job und Familie bemüht.

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