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Im Großraumlabor an Stammzellen forschen

Labor Chemie (Quelle: freeimages.com, ninci)

Quelle: freeimages.com, ninci

Nach der Promotion stehen viele vor der Entscheidung: an der Uni bleiben oder in die Industrie wechseln? Maike und Mathias haben sich für die Industrie entschieden und als Postdoc bei Roche Diagnostics angefangen. Dort forschen sie an Leukämie und Stammzellen. Ich habe sie im Labor besucht und mir erklären lassen, warum man auch für die Arbeit mit Mäusen erst einmal einen Computer braucht.

Live vom "Postdoc-Fellowship-Programm" bei Roche

Ins Penzberger Werk von Roche Diagnostics kann man nicht einfach hineinspazieren. Am Empfang müssen Besucher erst einmal erklären, was sie hier tun, wo sie herkommen und zu wem sie wollen. Fotografieren ist natürlich auch strengstens verboten. Wer alle Kriterien erfüllt und nicht der Industriespionage verdächtigt wird, darf rein. Abgeholt wird man als Besucher außerdem. Zum Glück, denn das Gelände von Roche ist auf den ersten Blick alles andere als klein und übersichtlich.

Warten auf die Mäuse

Jetzt geht's erst mal ins Labor. Dort sieht es eigentlich so aus, wie ich es mir vorgestellt habe – nur ohne Tiere, die kommen nämlich erst später. "Wer mit Tieren arbeiten will, muss sich das erst mal von den Behörden genehmigen lassen. Deshalb sitze ich bisher die meiste Zeit am Computer und schreibe Anträge. Wenn ich dann meine Mäuse habe, geht es mit der richtigen Arbeit los", erklärt Maike.

Und was passiert, wenn die richtige Arbeit dann los geht? "Meine Aufgabe ist es, Tiermodelle für die Krebserkankungen des Blutsystems (Leukämien) zu entwickeln. Es gibt viele verschiedene Formen der Leukämie, aber nur wenige Möglichkeiten, diese im Labor zu modellieren. Wir versuchen, an Mäusen die verschiedenen Typen nachzubilden. Wenn diese Modelle ähnlich den menschlichen Leukämien sind, dann können wir in Zukunft daran neue und spezifische Wirkstoffe testen und validieren. Durch solche verbesserten Modelle erhoffen wir, dass die Vorhersage solcher präklinischer Tests deutlich besser ist und die Medikamenten-Tests im Menschen erfolgreicher verlaufen."

Weiße Kittel neben Reagenzgläsern

Die Postdocs bei Roche arbeiten in Großraumlabors. Jeder hat seinen eigenen Schreibtisch, daneben sind die Arbeitsplätze: Pipetten stehen neben Reagenzgläsern, an der Wand hängen weiße Kittel, und auf den Plätzen liegen Pinzetten und Petri-Schalen. Die Stimmung ist ruhig und konzentriert. Das ist aber auch nicht immer so: "Wir sind so etwa 20 Leute hier in der Abteilung, da kann es schon mal etwas lauter werden", beschreibt Maike die Laboratmosphäre.

Um die anderen nicht länger bei ihrer Arbeit zu stören, geht's weiter in die Cafeteria auf dem Roche-Gelände. Auf der Terrasse bei einem Cappuccino lässt es sich aushalten. Aber was fasziniert Maike eigentlich so an ihrem Forschungsgebiet? "Ich habe mich schon während meines Studiums für das Blutsystem interessiert und Praktika in diesem Bereich gemacht. So war ich dann schon recht früh auf die Zellbiologie der Blutkomponenten fokussiert. In meiner Doktorarbeit habe ich mich dann auf die Leukämieforschung spezialisiert. Ich finde, das ist ein superspannendes Gebiet und es sind gibt einen großen Bedarf an besseren Behandlungsmöglichkeiten. Und dass ich hier bei Roche genau auf diesem Gebiet weiterforschen darf, ist super."

Geld spielt keine ganz so große Rolle

Obwohl viele Doktoranden auch nach der Promotion an der Uni bleiben, hat sich Maike bewusst für einen Einstieg in der Industrie entschieden. Auch wenn man bei Roche meist weitere Wege gehen muss und mehr Regeln zu beachten sind als an der Uni, bringt das Arbeiten bei Roche vor allem auch viele Vorteile mit sich, erzählt Maike: "Hier bei Roche können wir unsere Experimente viel freier planen. Geld spielt keine ganz so große Rolle. Uns stehen sehr gute Ressourcen zur Verfügung – maschinell und technisch haben wir alles vor Ort und können so sehr schnell zu Ergebnissen kommen."

Interview mit Postdoc Mathias

Kannst du in einfachen Worten erklären, an was du gerade forschst?

Mein Projekt hier ist vor allem bioinformatischer Natur und beschäftigt sich mit der genetischen Stabilität von Stammzellen in der Differenzierung. Ziel des Projektes ist eine personalisierte Medizin, in der die Zellen eines kranken Menschen, der beispielsweise einen Herzinfarkt erlitten hat, entnommen, umprogrammiert und wieder zurück in den Körper transplantiert werden. Damit erhoffen wir uns eine wesentlich bessere Genesung des Patienten. Allerdings ist nicht geklärt, wie sich die entnommenen Stammzellen während dieses Prozesses verändern. Deshalb beobachte ich entnommene Stammzellen und stelle fest, ob diese beispielsweise krebserregender sind. Diese Zellen könnten dann natürlich nicht verwendet werden, um einen kranken Menschen zu heilen.

Warum hast du dich für Roche und gegen die Uni entschieden?

Für mich war das keine Entscheidung für oder gegen Roche oder die Uni. Ich habe mich für eine interessante Stellenausschreibung und ein interessantes Projekt entschieden. In der Stellenausschreibung von Roche war außerdem die Rede von einer Kooperation mit der Universität in Jerusalem, das fand ich spannend. Zudem hat Roche einen wirklich sehr guten Ruf als Arbeitgeber.

Hast du denn die Möglichkeit, auch selbst ins Ausland zu gehen?

Ja, vor kurzem war ich bereits für vier Wochen in Jerusalem. Ich habe dort meinen Mentor in seinem Labor besucht und ihn persönlich kennengelernt.

Wie läuft das Mentorensystem bei Roche? Wie viele Mentees hat ein Mentor?

Bei Roche hat jeder Mentor einen Mentee. Da die Mentoren aber alle von der Uni kommen, haben sie dort ja auch noch ihre Schützlinge. Und es bleiben auch meist für die sehr spezialisierten Projekte nicht viele Mentoren übrig. Denn der Mentor muss ja ebenfalls auf das Projektthema spezialisiert sein. Und da wir hier wirklich Grundlagenforschung betreiben, gibt es nicht so viele Leute weltweit, die in Frage kommen. 

Wie lange dauern die Projekte bei Roche?

Die Postdoc-Projekte bei Roche sind immer auf zwei Jahre ausgelegt, aber mit der Option, auf drei Jahre zu verlängern.

Welche Tipps kannst du anderen Bewerbern mitgeben?

Wirklich verallgemeinern kann man das meiner Meinung nach nicht. Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Bewerber die richtigen Universitäten und Programme vorweisen können und ein internationales Profil mitbringen. Aber ich zum Beispiel war auch nie im Ausland und wurde trotzdem genommen. Allerdings sollten die Kandidaten auf jeden Fall offen sein und irgendetwas interessantes in ihrem Lebenslauf haben - das ist viel wichtiger als ein perfekter CV. Und man sollte sich als Bewerber mit dem Unternehmen Roche auseinandergesetzt haben. Allen, die noch studieren, kann ich außerdem ans Herz legen, im Studium schon so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen, dass heißt Praktika machen, zu Vorträgen gehen und sich immer gut über die Branche informieren.

Wie lange dauert es eigentlich, bis eine erforschte Methode Einzug in die praktische Medizin findet?

Das kann eine ganze Weile dauern, kommt aber natürlich auch auf das jeweilige Projekt an. Ich bin mit meinen Stammzellen noch sehr weit weg davon – wir sind ja erst mal in der Grundlagenforschung. Im Groben kann man damit rechnen, dass man in etwa zwei Jahre an Modellen Wirkstoffe testet – Wirkstoffe und Modelle wurden dabei jeweils schon von anderen Leuten vorbereitet. Dann werden die Wirkstoffe ein weiteres Jahr in der Präklinik getestet, dann beginnen die Testphasen am Menschen. Aber wie gesagt, es kommt vor allem auf das Projekt an. Es gibt andere, die sind viel näher am Menschen.

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