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Stress-Tests zum Beruf machen

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Stress-Tests sind spätestens seit der Finanzkrise in aller Munde. Für die Risikomanager der Erste Bank sind sie Alltag. Bereichsleiterin Alexandra Habeler-Drabek berichtet im Interview, warum ihre Abteilung besonders für Mathematiker und Physiker so interessant ist.

Frau Habeler-Drabek, Sie leiten den Unternehmensbereich "Enterprise-wide Risk Management". Was macht dieser Bereich?

Mein Bereich umfasst drei Abteilungen, berichtet direkt an den CRO der Erste Group und kümmert sich, wie der Name schon vermuten lässt, um ein die gesamte Bankgruppe umfassendes Management von Risiken, also von Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken, Marktrisiken und Geschäftsrisiken etwa. Eine zentrale Frage ist dabei: Welche Kapitalausstattung der Bank ist angemessen, um diesen Risiken begegnen zu können?

Was ist aus Ihrer Sicht das Reizvollste an der Arbeit in Ihrer Abteilung?

Zum einen sicherlich die übergreifende Sicht auf die Risiken und damit die Beteiligung an der gesamten Bankstrategie. Mit übergreifend meine ich einerseits länderübergreifend: Wir sind ja für die gesamte Erste Group zuständig, inklusive der Tochterbanken in anderen Ländern. Zum anderen abteilungsübergreifend, da wir eng mit anderen Bereichen und dem Vorstand zusammenarbeiten müssen, um unsere Risikostrategien zu entwickeln. Eine der interessantesten Aufgaben dabei ist das Stress-Testing. Sie haben vielleicht von dem EU-weiten EBA-Stresstest gehört, da war mein Bereich intensiv involviert. Von solchen Stress-Tests machen wir viele, sowohl Bank-interne als auch solche, die von der Aufsicht vorgegeben werden.

Welche Studiengänge suchen Sie für solche Aufgaben?

Wir haben sehr viele "Quants", also Mathematiker und Physiker. Diese berechnen zum Beispiel die verschiedenen Simulationen in den Stress-Szenarien. Die zweitstärkste Gruppe sind Ökonomen, wir haben aber auch ein paar BWLer im Team. Die Mitarbeiter sind außerordentlich jung - das Durchschnittsalter liegt hier, würde ich sagen, maximal bei Anfang 30.

Gibt es weitere Fähigkeiten, die für die Tätigkeit in Ihrer Abteilung entscheidend sind?

Man sollte keine Scheu vor Gesetzestexten haben. Es gibt einfach sehr viele gesetzliche Bestimmungen und regulatorische Standards, an die wir uns halten müssen. Es gibt in meinem Bereich zwar keine Juristen, aber man muss schon eine Affinität für solche Texte mitbringen.

Mit welchen Soft Skills können Bewerber bei Ihnen punkten?

Meine Mitarbeiter kommen aus zehn verschiedenen Nationen, wir sprechen daher alle Englisch miteinander. Abgesehen von den Englischkenntnissen sind Kommunikationsstärke und interkulturelle Kompetenz damit Voraussetzung. Nicht nur wegen der Kommunikation im Team: Man hat auch mit den Kollegen der Tochterbanken in anderen Ländern zu tun. Bei uns ist das vor allem Zentral- und Osteuropa, also zum Beispiel Tschechien, Rumänien oder Ungarn. Kommunikative Fähigkeiten sind außerdem wichtig, weil wir nicht nur mit Modellen und Simulationen arbeiten - das könnte man auch gut alleine am Computer machen, wir müssen diese Ergebnisse auch übersetzen in eine Geschäfts- und Banksteuerung und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen präsentieren.

Sie sprachen von den Tochterbanken in anderen Ländern. Da würde sich doch ein Auslandsaufenthalt anbieten?

Tatsächlich kommt es im Zuge einer Job-Rotation oft vor, dass ein Mitarbeiter für eine begrenzte Zeit ins Ausland geht oder ganz zu einer der Tochterbanken wechselt.

Wie sehen die konkreten Einstiegsmöglichkeiten aus - als Student oder Absolvent?

Praktikanten sind bei uns willkommen, auch, weil sich die Aufgaben im "Enterprise-wide Risk Management" sehr gut für ein Praktikum eignen: Man kann in der begrenzten Zeit von sechs Monaten ein Thema umfassend von Anfang bis Ende begleiten, natürlich unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen. Spezielles Vorwissen ist dafür nicht unbedingt nötig. Das Gleiche gilt für Teilnehmer aus dem Traineeprogramm, welches ein Jahr dauert. Hier hat man danach sogar schon einen festen Platz in der Abteilung. Der klassische Direkteinstieg ist aber mit ein wenig Berufserfahrung genauso möglich.

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