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Die schwedische Angst vor Konflikten (Teil 2)

Zurechtweisung vom Chef (Quelle: fotolia, Autor: olly)

© olly - Fotolia.com

Was tun, wenn man die Erstellung eines Tools managen soll, die schwedischen Kollegen aber keine Zeit haben und Konflikten lieber aus dem Weg gehen? Katharina übt sich in Stockholm in schwedisch-deutscher Diplomatie und stellt dabei fest, dass Schweden sogar noch lieber planen als Deutsche.

Nach und nach lerne ich alle Facetten, Verbindungen und Auswirkungen meines Projekts kennen, und so macht die Arbeit daran immer noch mehr Spaß. Es ist gut, zu sehen, wie man mit seiner Arbeit echten Mehrwert schafft und auch für sich selbst viel mitnimmt! Ich entwickle ein Tool, das einen Überblick darüber gibt, welche Tests die Kunden mit den Geräten von Roche durchführen. Dieses "Channel Filling" oder "Channel Monitoring Tool" entpuppt sich als echtes Allround-Talent. 

Konfliktscheue macht die Ressourcenplanung schwierig

Nachdem die Projektplanungsphase abgeschlossen war, musste ich zunächst einige Überzeugungsarbeit leisten, um mir die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung zu sichern. Dabei habe ich schnell eine Besonderheit der schwedischen Kultur am eigenen Leib beziehungsweise am Projekt erfahren: "Der Schwede" trägt ungern Konflikte aus und bemüht sich so sehr um Konsens, dass verbindliche Zusagen oft schwer zu bekommen sind. Durch Beobachtung fand ich heraus, wie man trotzdem ans Ziel kommt. Jetzt wähle ich eine Herangehensweise, die gespickt ist mit Diplomatie und kleineren Anfragen, die wiederum zu häppchenweisen Zusagen führen.

Für mich etwas gewöhnungsbedürftig, heißt das also, dass man sich als Projektleiter zwar Deadlines gegenübersieht, die Zusagen von den beteiligten Kollegen jedoch erst nach und nach erwirken kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass Schweden nicht gerne planen – vielmehr ist es so, dass mein Projekt nun "ungeplant" für die Projektmitglieder dazwischenkommt und sie daher "spontan" keine Zusagen machen können. Und während ich nun in Deutschland ausdiskutieren würde, wer wie viel Zeit investieren kann oder muss, werden solche Konfliktsituationen hier vermieden und kaum toleriert.

Neue Führungserfahrung und Begeisterung für die eierlegende Wollmilchsau

Für mich ist es daher eine Führungsaufgabe der ganz besonderen Art. Während ich selbst verbindliche Ziele habe, muss ich die nötige Unterstützung ständig neu verhandeln und das Team geschickt ohne Konfliktgespräche dem Zeitplan gemäß steuern. Und dadurch lerne ich jeden Tag eine Menge!

So war ich stolz, dass ich bei der Zwischenpräsentation nach sechs Wochen das "Pilot-Tool" für den ersten Geschäftsbereich präsentieren konnte. Es hat mich richtig motiviert, zu sehen, wie begeistert alle von diesem Tool sind! Ich bekam sehr positive Rückmeldungen nicht nur vom Außendienst und den Regionalleitern, sondern auch von Management und Finance. Es ist außergewöhnlich, dass man mit einem Tool so viele unterschiedliche Bedürfnisse abdecken kann.

Und dann durfte ich Detektivin sein

Nachdem der Pilotreport für den größten Geschäftsbereich nun vorlag, begann echte Detektivarbeit. Denn ein Tool, das Daten aus den Systemen nutzt, bildet nie zu 100 Prozent die Realität ab. Da jedoch monatlich automatisierte Updates vorgenommen werden sollen, ist es notwendig, hier einen guten Kompromiss zu finden.

Zunächst einmal mussten wir uns also ein genaueres Bild verschaffen, wie gut sich unser Report mit der Wirklichkeit deckt. Dafür ist die Mitarbeit der Regionalleiter essentiell. Und so habe ich viel Zeit am Telefon verbracht, Fehler und Verbesserungsvorschläge gesammelt und anschließend tief in den Daten gegraben, um zu verstehen, woher die Fehler kommen. Erfreulicherweise waren die "Regeln", nach denen das Tool arbeitet, bereits so gut, dass wir uns entschieden haben, sie unverändert beizubehalten. Da die vorhandenen Fehler einfach zu beheben waren, konnte ich mich zügig dem nächsten Geschäftsbereich zuwenden.

So sehen schwedische Kunden aus

Neben meiner eigentlichen Projektarbeit hatte ich die Möglichkeit, Kollegen bei einigen Kundenbesuchen zu begleiten. Diese habe ich natürlich begeistert genutzt. Im Großen und Ganzen entspricht das schwedische Gesundheitssystem und Marktumfeld zwar dem deutschen, aber durch mein erstes Projekt im Außendienst in Deutschland konnte ich doch einige Unterschiede entdecken und hinterfragen. Außerdem habe ich mich sehr darüber gefreut, einen mir noch völlig unbekannten Bereich im Labor kennenzulernen: die Gewebediagnostik.

Und was machen Stadt und Frühling?

Ich habe mich verliebt. Und wie dieses Gefühl es so an sich hat, beschränkt sich die Sicht auf all das Positive – Frühlingsgefühle eben. Ich liebe diese Stadt, die viel mehr aus Grün und Blau als aus Grau zu bestehen scheint. Und so genieße ich jedes Wochenende hier in vollen Zügen, die meisten davon mit Freunden und meinem Freund, die es alle zu einem Besuch hierher zieht. Und wenn ich doch mal alleine bin, genieße ich sonnige Stunden an meinem Lieblingsplatz auf einem Steg mitten in der Stadt, mit einem Buch und Blick auf Promenade, Wasser, Ausflugsboote, Touristen und Stockholmer.

Freiluft für Museumsmuffel

So viel Natur es in Stockholm auch gibt, und auch wenn man Hasen und Rehen in der Stadt beobachten kann - um Rentiere und Elche zu sehen, muss man dann doch in den Zoo. Nur dass selbst der Zoo hier naturnaher wirkt und eigentlich auch gar keiner ist. Vielmehr befindet er sich auf einer Insel mitten in der Stadt und ist Teil eines Freilichtmuseums namens "Skansen". Dort finden sich neben Tieren originale Bauernhäuser aus ganz Schweden, die hier hergebracht und den schwedischen Regionen entsprechend von Süd nach Nord wieder aufgebaut wurden. In einem alten Handwerkerviertel kann man außerdem Glasbläsern, Buchbindern, Töpfern und Bäckern bei ihrer Arbeit zusehen – und die entstandenen Werke gleich kaufen. So macht Museum Spaß!

Södermalm, Gamla Stan, Norrmalm und Östermalm: Stockholm hat viele Gesichter

Neben meiner Begeisterung für Wasser und Natur in der Stadt genieße ich es immer wieder, meine Besucher mit den unterschiedlichen Vierteln und ihrer Atmosphäre zu verblüffen. Tatsächlich ist Stockholm so klein, dass man mit guten Schuhen an einem Tag die unterschiedlichsten Eindrücke sammeln kann. Und natürlich kommen wir unterwegs vorbei an all den Lieblingsplätzen, Lieblingseisdielen, Lieblingscafés, Lieblingsläden, Lieblingssaftbars und Lieblingsrestaurants, die ich gesammelt habe. Und somit ist für mich die wichtigste Sehenswürdigkeit in Stockholm das Gefühl, das jeder Stadtteil vermittelt.

Wen das nicht begeistert, den erfreue ich mit Korintkakor (eher wegen des Namens als wegen des Geschmacks, denn das sind natürlich Rosinenkekse), Kanelbullar (Zimtschnecken mit viel Kardamom), Blaubeerkuchen und der schwedischen Variante des Karottenkuchens. Wer keine Zuckerschnute ist, der genießt zum Beispiel Räucherlachs, den es hier in viel mehr Varianten gibt, als ich es für möglich gehalten hätte.

Sowohl Arbeit als auch Freizeit haben sich inzwischen also richtig gut eingependelt, und so fliegt die Zeit noch mehr, als sie es sonst schon tut. Da muss ich an "Ferien auf Saltkrokan" von Astrid Lindgren denken, wo der Vater an Mittsommer wehmütig sagt: "Bald ist sie vorbei, die schöne Zeit!"

Im ersten Teil berichtet Katharina von ihrer Ankunft in Stockholm.

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