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Aus dem Wintermantel in die indische Tarnkleidung - Melanie auf Projekt in Mumbai

Controlling bei Bosch Rexroth in Indien (Quelle: freeimages, subhadipin)

Quelle: freeimages.com, subhadipin

Vorbereitung auf das nächste Projekt: Indische Kleidung als Tarnung kaufen und lernen, wie man Mittagessen auch ohne Hindi-Kenntnisse bestellt. Denn Melanie ist gerade in ihr Auslandsprojekt in Indien gestartet. Für das Management-Start-Up-Programm von Roche ist sie in Mumbai im Einsatz und analysiert die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung - was auch dazu führt, dass sie sich mit indischen Heiratsanzeigen beschäftigt.

Seit Sommer 2009 bin ich bei Roche Diagnostics in Mannheim Trainee im Management-Start-Up-Programm (MSU). Das ist ein Führungskräftenachwuchsprogramm, das den Teilnehmern zwei Jahre lang die Möglichkeit gibt, durch Projekte Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen zu sammeln. Ich selbst bin MSU-Trainee im Projektmanagement und habe in den vergangenen anderthalb Jahren im Bereich Personal gearbeitet und im Site Development ein Konzept für einen Site-Business-Plan entwickelt.

Ein wichtiger Teil des MSU-Programms bei Roche ist ein Auslandsprojekt, um internationale Arbeitserfahrung zu sammeln und die kulturellen Unterschiede innerhalb der Roche-Gruppe kennen zu lernen. Schließlich beinhaltet die Arbeit bei einem so großen globalen Konzern wie Roche immer mehr auch Arbeit über Ländergrenzen hinweg – da ist diese Art von Erfahrung unbezahlbar. Deshalb geht jeder der MSU-Trainees für bis zu drei Monate zu einer Roche-Niederlassung ins Ausland und lernt die Arbeitsweise der Leute dort kennen, während er oder sie ein Projekt durchführt.

"Warum nach Indien, da kennst du dich doch gar nicht aus?" – "Eben!"

Die Möglichkeit, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten, bietet natürlich viel tiefere Einblicke in das "richtige" Leben vor Ort, als ein Urlaub das jemals könnte. Deshalb wollte ich unbedingt in ein Land, das ich noch nicht kannte, um diese Chance auch voll zu nutzen. "USA? Danke, aber das kenne ich doch schon… gibt es nicht vielleicht etwas in Asien für mich?" Als dann das Angebot kam, knapp drei Monate nach Mumbai, Indien, zu gehen, sagte ich sofort zu.

Erste Eindrücke: Nicht jedes Klischee ist falsch

Mit dickem Wintermantel geht es im Januar in Frankfurt zum Flughafen. Dass der die nächsten drei Monate unbenutzt im Schrank hängen wird, ist klar! Bei meiner Ankunft mitten in der Nacht in Mumbai schlägt mir gleich die die feuchtwarme Luft der tropischen Nacht entgegen – zusammen mit einer Vielzahl der nicht nur angenehmen Gerüche, für die Mumbai geradezu berüchtigt ist.

Und schon am Gepäckband bekomme ich den ersten Vorgeschmack davon, dass Indien durchaus manchen (nicht allen!) Klischees entsprechen könnte. Trauben von Menschen um das Gepäckförderband, dicht an dicht, alle auch gleich direkt mit Gepäckwagen, den man dann später aber wegen des Gedränges da sowieso nicht rausbugsieren kann. Wer nach vorne will, muss sich durchschubsen. Aber Eile wäre ohnehin umsonst – die Koffer kommen in homöopathischen Dosen, der Strom fällt aus, das Gepäckband steht. Der Haufen Koffer, die plötzlich alle auf einmal auf dem Band liegen, verkeilt sich, das Gepäckband steht wieder. Und was krabbelt denn da? Ach, eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen…

Ein indisches Outfit zur Tarnung

Die ersten zwei Tage kann ich mit Entdeckungstour verbringen, da ich direkt vor einem Wochenende angekommen bin. Mein erster Einkauf: Ein indisches Outfit. Erstens, weil es bei den Temperaturen viel angenehmer ist als westliche Kleidung, und auch, weil ich damit nicht ganz so viel angestarrt werde wie sonst.

Hier gibt es zwar vergleichsweise viele Weiße, aber die fallen neben den vielen Millionen Indern wohl nicht besonders ins Gewicht, weshalb ich mit meiner hellen Haut und der westlichen Kleidung wie eine Jahrmarktsattraktion Blicke auf mich ziehe. Und während die Männer hier meist westlich gekleidet sind, sind die Frauen äußerst farbenfroh und glitzerig in traditioneller Kleidung unterwegs. In meinen neuen Salwar Kameez gewandet falle ich schon ein bisschen weniger auf!

Ihr erwartet hoffentlich nicht, dass ich mir 50 Namen auf einmal merken kann?!

Erster Arbeitstag: Zum Glück kann ich zu Fuß ins Büro gehen, das ist in Mumbai echter Luxus! Wobei auch der Fußweg seine Tücken hat, schließlich muss man sich durchschlängeln durch das Gewühl von Autos, LKWs, Bussen, Rikschas, Motorrädern, Fußgängern, Fahrrädern, Ochsenkarren, Straßenhunden, Ziegen, Hühnern und vereinzelt wirklich auch Kühen, die sich alle in ohrenbetäubendem Lärm kreuz und quer ihren Weg durch die Schlaglöcher bahnen.

Die Kollegen empfangen mich sehr nett, sind ausgesprochen hilfsbereit und nehmen sich viel Zeit, alles zu erklären, bei Bedarf auch mehrfach: Sowohl das Business hier als auch Indien und seine Kultur im Allgemeinen. Und das ist auch nötig, sogar beim Mittagessen-Bestellen brauche ich Hilfe. Was isst man in welcher Kombination? Und wie sage ich das dem Mann am Telefon, der kein Englisch spricht, dafür aber seine Antworten auf Hindi immer wieder wiederholt, wohl in der Hoffnung, dass ich ihn dann verstehe?

Sehr fürsorglich sind die Kollegen auch: Ich habe schon am Wochenende ein Handy gebracht bekommen und werde darauf immer mal wieder angerufen - wohl um zu prüfen, ob ich noch lebe? Das mag daran liegen, dass die Kollegen (etwas erschrocken) gehört haben, dass ich am Wochenende in Mumbai auf eigene Faust  losgezogen war. Gleich am ersten Tag werden mir ungefähr 50 Leute vorgestellt. Die Gesichter merken ist kein Problem, aber die Namen… Das ist aber auch nicht ganz so einfach bei Namen wie Kinshuk, Vishnu, Sheweta.

Allmählich wird auch meine Vorstellung von dem HR-Projekt klarer, für das ich hergekommen bin. Ich soll die Ergebnisse einer Umfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeiter in einem Roche-Geschäftsbereich untersuchen und korrigierende Maßnahmen für die Themen erarbeiten, in denen ich Verbesserungsbedarf sehe. Das verspricht spannend zu werden, verbinden sich doch in Indien unerhört hohe Zahlen in zweierlei Hinsicht: Der Gesundheitsmarkt wächst in dem boomenden Schwellenland rasant, aber auch der "War for Talent" um qualifizierte Arbeitskräfte tobt.

Das große Angebot an verfügbaren Jobs und der Fokus der Angestellten auf individuelle Karriereentwicklung zeigt sich in eher geringer Loyalität zum Unternehmen. Deshalb ist die Fluktuation im Vergleich zu deutschen Verhältnissen enorm.

Auch auffällig: Alle sind sehr jung. Die meisten sind zwischen 25 und 35, Kollegen über 50 gibt es kaum. Das hat wohl, erklärt man mir, damit zu tun, dass unser Standort in Indien erst ungefähr sechs Jahre lang besteht. Außerdem liegt das Durchschnittsalter der indischen Bevölkerung bei gerade mal 25 Jahren. Und drei der sechs Leute in meiner Abteilung hier heiraten dieses Jahr – alle drei Ehen sind von der Familie arrangiert, was hier nach wie vor völlig normal ist. Wer sich lustige, original indische, durch die Familien aufgegebene und nach Religion, Bildungs- oder Familienstand sortierte Heiratsannoncen angucken will: www.shadi.com oder www.communitymatrimony.com oder oder oder….

Im zweiten Teil ihres Tagebuch berichtet Melanie von den Unterschieden zwischen deutscher und indischer Arbeitsweise. Im dritten Teil geht es um ihre Interview-Reise durch Indien.

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Willst du mehr über unseren Partner Roche erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

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