EDHEC Nice

Nizza 1
Hafen, Schlossberg und Strandpromenade

EDHEC Business School

Nizza 3
Campus: der Blick aus dem 4. Stock (Quelle: Torben Schmitt)

Einordnung in die französische Hochschullandschaft

Die EDHEC Business School (École de Hautes Études de Commerciales du Nord) wurde im Jahr 1906 als Teil der Katholischen Universität in Lille gegründet und ist seit dem Jahr 1958 eine eigenständige Uni. Im Jahr 1991 wurde schließlich eine „Filiale“ in Nizza gegründet, an der mittlerweile die identischen Studienprogramme wie in Lille angeboten werden. Mit diesem Schritt hatte man versucht, sich ein zweites Standbein in einer sehr dynamischen und zu der Stadt Lille komplementären Wirtschafts- und Technologieregion zu schaffen. In der Tat liegt der in den siebziger Jahren gegründete Technologiepark Sophia-Antipolis, der auch als „Europäisches Silicon Valley“ bezeichnet wird, nur ca. 20 Autominuten vom Campus entfernt.

Die EDHEC gehört zu den „Grandes Écoles“ in Frankreich und ist somit eine der verhältnismäßig wenigen „Elite-Hochschulen“. Der Aufnahmeprozess vollzieht sich in Form eines für deutsche Studenten unbekannten zweijährigen Vorbereitungskurses, den sogenannten „classes préparatoires“. Diese sehr stressige und arbeitsintensive Zeit, die auch mit einem starken Konkurrenzkampf unter den Studenten und einem insgesamt sehr hohen Leistungsdruck verbunden ist, mündet in einer Abschlussprüfung, einem sogenannten „Concours“, nach dem über die Aufnahme an den jeweiligen „Grande Écoles“ entschieden wird. In den letzten Jahren hat jedoch ein zweiter Weg, die Voraussetzungen für ein Studium an einer „Grande École“ zu erfüllen, immer mehr an Bedeutung gewonnen. Anstelle sich in den zweijährigen „classes préparatoires“ zu behaupten, fangen viele Studenten mit einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Studium an einer „fac d’économie“ oder einer „fac de droit“ an, erwerben nach drei oder vier Jahren ihren ersten Abschluss, die sogenannte „Maîtrise“, und können sich somit als „AST2“ (Admission sur Titres en deuxième année) für die Aufnahme im zweiten Studienjahr einer „Grande École“ bewerben. Sie „verlieren“ dadurch im Vergleich höchstens ein Jahr und ersparen sich die nervenaufreibende Zeit der „classes préparatoires“.

Die EDHEC rangiert in nationalen Rankings unter den ersten vier oder fünf Plätzen und schneidet auch international erstaunlich gut ab. Darüber hinaus gehört sie zu dem einen Prozent der Business Schools weltweit, die von jeder der drei wichtigsten Bewertungsinstitutionen akkreditiert wurde und somit die sogenannte „Triple Crown“ hält (EQUIS, AACSB, AMBA).

In wieweit diese hervorragenden Auszeichnungen mit dem Niveau der Lehre zu vereinbaren sind und ob sich eine deutsche Universität wie die in Bayreuth vor der EDHEC verstecken muss, werde ich im Abschnitt "Unterricht" ein wenig herauszuarbeiten versuchen.

Der Campus in Nizza

Die Uni liegt mit Blick über das Rollfeld des Flughafens zum Meer hin am westlichen Rand der Stadt und ist mit Verlaub von überschaubarer Größe. Mit insgesamt nicht mehr als vielleicht 400 Studenten ist sie immer noch der kleine Bruder des größeren Campus in Lille, auf dem mehr als 1500 Studenten die Vorlesungen verfolgen. Neben dem Anfang der 90er Jahre erbauten alten Gebäude (gängiger Name 79 - soixante-dix-neuf) wurde vor wenigen Jahren ein zweiter, sehr ansehnlicher Komplex fertig gestellt (gängiger Name 400 - quatre cent). Insgesamt ist die Uni, so wie es sich für eine ausgezeichnete Business School gehört, gut mit allerlei EDV, „wireless-LAN Hotspots“ und Kopierern ausgestattet. Lediglich die Bibliothek, die nicht mehr ist als ein Klassenraum mit einigen Bücherregalen, fällt überraschend klein aus. Gleichwohl findet man diverse, internationale Journals und Zeitschriften, die zur Lektüre einladen.

Um die Orientierung zu Beginn des Aufenthaltes ein klein wenig zu erleichtern, hier ein kleiner Querschnitt durch das Gebäude 79.

  • Erdgeschoss: Empfang; Klassenräume und Auditorium (im Gebäude 400)
  • 1. Stock: Vorlesungsräume und Aufenthaltsräume für Gastdozenten
  • 2. Stock: Cafétéria (leckere Croissants und Cafés, aber kein richtiges Mittagessen) Die meisten Studenten holen sich aus den umliegenden Bäckereien oder Bistros ein überbackenes Baguette (Panini) oder einen Américain (Baguette mit Pommes und Rindfleisch, für mich sehr gewöhnungsbedürftig); Bibliothek mit Computerarbeitsplätzen; Fotokopierer.
  • 3. Stock: Büros der verschiedenen Ansprechpartner, z.B. „International Office“; Briefkasten der „Scolarité“ für die Abgabe von Assignments; Klassenräume.
  • 4. Stock: Vorlesungsräume; „Pigeonhole“ oder „casier“, d.h. ein Fach für jeden Studenten, in das regelmäßig unterrichtsrelevante Dokumente gelegt werden.
  • 5. Stock: Klassenräume der ESPEME Studenten
  • 6. Stock: Computerräume mit Druckern und Fotokopierern
  • 7. Stock: Studentenorganisationen

Im neuerbauten Teil finden vor allem die Veranstaltungen der Masterstudenten statt, jedoch bietet es sich durchaus an, von dem großzügigen Raumangebot Gebrauch zu machen, wenn man beispielsweise eine Gruppenpräsentation vorzubereiten hat.

Studieren an der EDHEC

Studienprogramme

Welches Kriterium bei der Bewertung einer Business School mit Sicherheit eine große Rolle spielt, ist das Angebot an unterschiedlichen Studienprogrammen. Die EDHEC bietet tatsächlich eine weite Bandbreite von Abschlüssen an, welche ich im Folgenden überblicksweise erwähnen möchte.

Neben dem „klassischen“ „Grande École“ Programm in französischer Sprache, ein insgesamt dreijähriger Bachelor Studiengang, der im letzten Jahr durch eine zwölfmonatiges Praktikum vollendet wird (dem sogenannten „année de césure“) bietet sich für die Studenten auch die Möglichkeit, die identischen Fächer in englischer Sprache zu belegen, den sogenannten „English Track“. Auch Erasmus-Austauschstudenten steht diese Wahl frei, wobei ich jedem deutschen Studenten empfehlen würde, sich das französische Programm zuzutrauen! Das Leistungsniveau wird niemanden überfordern, es bleibt noch ausreichend Zeit, an seinen sprachlichen Defiziten zu arbeiten und es bleibt die beste und einfachste Möglichkeit, auch mit den französischen Studenten in Kontakt zu kommen. Aber dazu später mehr.

Gleichzeitig unterscheidet sich dieser „English“ oder auch „Intercontinental Track“ dadurch, dass die Studenten schon zwischen dem ersten und zweiten Studienjahr für zweimal drei Monate ins Ausland gehen, und zwar in zwei unterschiedliche Kulturräume, wie z.B. Nordamerika und Asien.

Neben dem „Grande École“ Programm finden sich im fünften Stock des alten Gebäudes die „ESPEME“ Studenten. Ihren Abschluss könnte man am ehesten mit einem deutschen Fachhochschulabschluss vergleichen. Ohne die „classes préparatoires“ durchlaufen zu haben, können sich französische Studenten direkt nach ihrem Abitur oder auch Fachabitur für die „ESPEME“ bewerben. Das Studium gliedert sich in zwei jeweils zweijährige Abschnitte, an deren Ende ebenfalls eine ausgedehnte Praktikazeit eingefordert wird und sie sich in unterschiedlichen Bereichen spezialisieren können.

Im neuen Gebäude finden schließlich die „MSc-Studenten“ Platz, die eines der fünf englischsprachigen Masterprogramme absolvieren. Markenzeichen und Aushängeschild der EDHEC in Europa und sogar weltweit ist der „Master in Risk and Asset Management“, aber auch der in „Finance“, „Marketing Management“, „Strategic Management“ und der „Master in European Business“ haben einen guten Ruf.


Unterricht

Als deutscher Austauschstudent im zweiten Jahr des französischen „Grande École“ Programms (auch „filière classique“ genannt) ist mir der Einstieg an der EDHEC zum Glück relativ leicht gefallen. Das wohl Komplizierteste am ganzen Uni-Alltag war der am Anfang wöchentlich neu gestaltete Stundenplan, auf dem die einzelnen Vorlesungen und „TDs“ (Übungen) an immer neuen Wochentagen und Zeiten auftauchten. Der Unterricht selber lässt sich insgesamt sehr gut verfolgen. Die meisten Professoren sprechen in einem gut verständlichen Tempo und durch die meistens schon vor der Veranstaltung auf „Blackboard“ zugänglichen Folien konnte ich mich am Anfang allein auf das Verständnis konzentrieren.

Das Gesamtpensum eines Trimesters besteht aus ca. acht Kursen, die jeweils (laut Plan) in 15 Trimesterwochenstunden abgehalten werden. Hinsichtlich der Frage, wie viele Kurse man sich als Ausländer zutrauen kann, fällt mir eine allgemeine Antwort schwer. Ich habe im Durchschnitt fünf Kurse pro Trimester belegt und war allein was die Uni betrifft lange nicht so ausgelastet wie zu meiner Zeit in Bayreuth. Es hängt natürlich immer davon ab, inwiefern man die Kurse für sein Studium in Deutschland benötigt und welchen Stellenwert die Vorlesungen in der Erfahrung „Auslandsaufenthalt in Südfrankreich“ haben. Für mich hat es sich gelohnt, die zusätzliche Freizeit auch für gezieltes Vokabellernen einzusetzen, da einem die französische Sprache bekanntlich nicht einfach so entgegenfliegt.

Unser Jahrgang umfasste nicht mehr als 70 Leute, die sich für die Übungen in insgesamt drei Gruppen (A-C) aufteilten. Dadurch kam man tatsächlich in den Luxus, mit ca. 25 Studenten einem Professor gegenüberzusitzen, wobei selbst diese kleine Gruppe selten vollständig war. Wie sich das für Business Schools im Allgemeinen gehört, liegt der Schwerpunkt auf dem praxisbezogenen Arbeiten, d.h. dem Lösen von Fallstudien. Oft ging den Übungen lediglich eine Vorlesung voraus, die den groben Rahmen des Faches zu skizzieren versuchte und nur sehr selten detaillierte Kenntnisse vermittelte. Insofern würde ich einmal zu behaupten wagen, dass zum Lösen der einzelnen „Case Studies“ in erster Linie logischer Menschenverstand von Nöten war und weniger das intensive Studium wirtschaftswissenschaftlicher Literatur.

An dieser Stelle lässt sich natürlich die Grundsatzfrage diskutieren, in wiefern das Verhältnis zwischen Theorie und Praxisarbeit in einem modernen BWL-Studiengang ausgestaltet sein sollte. Ich will mich dazu nur folgendermaßen äußern. Das lernintensive Grundstudium in Bayreuth, das neben den betriebswirtschaftlichen Fächern auch weitergehende Einblicke in die VWL und die Rechtswissenschaft geben konnte, hat mir in seiner grundsätzlichen Ausrichtung sehr geholfen. Natürlich lässt sich argumentieren, dass viele vor allem volkswirtschaftliche Inhalte im späteren Beruf nur von untergeordnetem Nutzen sind, jedoch bin ich der Meinung, dass gerade ein gesamtwirtschaftliches Verständnis in der so dynamischen Wirtschaftsordnung des 21. Jahrhunderts eine wichtige Entscheidungshilfe sein kann. Kurzum, auch in der BWL lohnt es sich, erstens einen gewissen Überblick über die wichtigste Literatur zu bekommen und zweitens auch über seinen eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Insofern könnte ich zum Fazit kommen, dass eine Mischung beider Studienkonzepte eine ziemlich gute Ausbildung gewähren könnte. Das, was an den meisten deutschen Hochschulen immer noch zu wenig praktiziert wird, nämlich Studenten praxisbezogene Projektarbeit anzubieten und dabei Präsentationstechniken und Redekompetenz einzuüben, müsste mit dem Generalistenkonzept der Uni Bayreuth verbunden werden, welche laut eigenem Programm keine „Schmalspur-BWLer“ ausbilden möchte, sondern neugierige, breitinteressierte „Ökonomen Bayreuther Prägung“.

Meine französischen Kommilitonen

Wenn man den Klischees über deutsche und französische Studenten Glauben schenkt, dann unterscheidet sich der Franzose vom Deutschen zunächst wohl durch seine Lässigkeit, seine Unpünktlichkeit und den Hang zum Chaotischen. Und wie das mit den Klischees nun mal so ist, so findet sich überall ein Fünkchen Wahrheit.

Einschränkend und vorausgehend soll gesagt sein, dass die Studenten der EDHEC nicht unbedingt ein repräsentatives Bild der französischen Studentenschaft abgeben würden, einmal weil sie fast alle aus wohlhabenden, oft Pariser Familien stammen und zweitens weil die EDHEC kaum als eine klassische französische Uni bezeichnet werden kann. Dennoch gibt es wohl manche französische Eigenarten, die man auch an der zwei Kilometer entfernten „Université de Nice“ entdecken könnte.

Aber zurück zur EDHEC. Nachdem sich die französischen Studenten in den „classes préparatoires“ aufgerieben haben und zwei Jahre lang weitgehend auf ihr „soziales Leben“ verzichten mussten, holen sie diese Zeit nach der Aufnahme an einer „Grande École“ großzügig nach. Tatsächlich herrscht bei fast allen Studenten die Meinung, dass ein Student an der EDHEC bereits „das Gröbste“ hinter sich hat und das Gütesiegel sowie das ausgezeichnete Kontaktnetzwerk einer solch angesehenen Uni ausreicht, um eine ambitionierte Managerlaufbahn einzuschlagen. Deutlich wird diese Einstellung in erster Linie im Uni-Alltag. Übungen dauern in der Regel eineinhalb Stunden, wobei der letzte Franzose bis eine halbe Stunde nach Unterrichtsbeginn eintrudelt. Daraufhin wird normalerweise der Laptop auf den Tisch gelegt (meistens das einzige „Gepäckstück“ eines EDHEC-Studenten) und sich mit dem allerorts empfangbaren W-LAN Netzwerk verbunden. Wenn nicht gerade wieder eine Fallstudie bearbeitet wird, sprechen die meist äußerst geduldigen Professoren gegen eine Wand von Laptops und eine sich munter unterhaltende Studentenschaft. Wenn ich mich an den ein oder anderen Jura-Dozent aus Bayreuth erinnere, so musste ich doch einige Male schmunzeln, wenn ich mir überlegte, was bei gleichem Verhalten im H 15 losgewesen wäre..

Insgesamt habe ich es als etwas schade empfunden, dass die französischen Studenten zwar sehr offen und freundlich waren, man jedoch nicht den Eindruck hatte, dass sie sich sehr für die Austauschstudenten interessierten. Das verwundert nur sehr wenig, wenn man einen Blick auf die Kontakte der Franzosen untereinander wirft. Der große Vorteil einer solch kleinen Arbeitsgruppe wie der während der „TDs“ besteht für mich vor allem darin, dass es sehr leicht fällt, auf andere Leute zuzugehen, neue Freunde kennenzulernen und Bekanntschaften zu knüpfen, nicht so an der EDHEC. Selbst in meiner Gruppe C (ca. 25 Studenten) gab es Franzosen, die noch nie ein Wort miteinander gewechselt hatten, geschweige denn mehr vom anderen erfahren haben als deren Namen und deren Herkunft. Für mich war es ziemlich unverständlich, dass die Pariser fast nur mit Parisern zusammengearbeitet haben und die „AST2ler“ mehr oder weniger unter sich geblieben sind. Natürlich gab es Ausnahmen, und davon auch nicht zu knapp, aber diese Tendenz ist dennoch nicht zu leugnen.

Ich habe mich während der ersten Unterrichtsstunden einer Projektgruppe von Pariser Studenten angeschlossen, die auch erst im zweiten Jahr an die EDHEC gekommen sind. Alle waren ziemlich nett und hilfsbereit, aber es hat doch mehrere Monate gedauert, bis ich den ein oder anderen zu meinen Kumpels zählen konnte, jedenfalls war dies auch mit großer Geduld und Ausdauer verbunden und passierte nicht gerade über Nacht.

Gerade weil es deutlich einfacher war, mit den anderen Austauschstudenten „warm zu werden“, ist die Gefahr ziemlich groß, einfach unter sich zu bleiben und sich nicht weiter um die Franzosen zu kümmern. Da jedoch ein solches Verhalten kaum der Vorstellung entsprechen kann, ein Jahr in Frankreich zu leben, die Menschen und ihre Kultur kennenzulernen und dabei auch noch Französisch zu lernen, darf man den Kopf nicht so schnell hängen lassen und muss weiter auf neue Leute zugehen. Am Ende wird man dankbar sein, sich diese Mühe gemacht zu haben und viel mehr aus einer solchen Auslandserfahrung mitnehmen können, als mit deutschen und spanischen Kumpels in englischen Pubs gefeiert zu haben.

Studentenorganisationen

Überblick

Im Unterschied zu deutschen Universitäten haben die Studentenorganisationen an der EDHEC einen noch größeren Stellenwert. Das erkennt man allein daran, dass der gesamte siebte Stock allein den verschiedenen Vereinigungen zur Verfügung steht. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Studenten mehr Zeit in die Arbeit in den Organisationen investieren als für die normalen Unifächer zu arbeiten. In der Tat kommt diesem Engagement insofern eine zentrale Rolle zu, dass für die eigenen Karrierechancen ein Präsidentschafts- oder auch Vizeposten fast schon zum Pflichtprogramm gehört. Jedenfalls bietet die Vielzahl der „Associations“ eine sehr gute Möglichkeit, noch mehr mit den französischen Studenten in Kontakt zu kommen oder an interessanten Projekten mitzuarbeiten.

Da sich jeder neue Austauschstudent am besten selbst ein Bild davon machen sollte, für welche Vereinigung er sich am meisten interessiert, werde ich nur über die Organisationen berichten, bei denen ich auch selbst mitgewirkt habe.

AIDE EDHEC

Wie der Name bereits erahnen lässt, hat sich „AIDE EDHEC“ wohltätigen Projekten verschrieben und stellt dabei eine ganze Menge auf die Beine. Neben ihrem Engagement gegen Landmienen oder Gewalt gegen Tiere organisiert „AIDE EDHEC“ jeden Nachmittag einen Nachhilfeunterricht für Kinder aus dem benachbarten „Quartier des Moulins“. In dem relativ armen Stadtteil haben wir so vor allem Kindern mit ausländischer Herkunft ein wenig bei den Hausaufgaben unter die Arme greifen können.

Ein großes Event, dass von „AIDE EDHEC“ mitorganisiert wird und alljährlich in Frankreich stattfindet, ist das „Téléthon“. Nach amerikanischem Vorbild fahren jedes Jahr im Dezember mehrere hundert Studenten von unterschiedlichen Universitäten mit dem Fahrrad quer durchs Land um Geld für die Behandlung von genetisch bedingten Kinderkrankheiten einzusammeln. Mit einer Gruppe von ca. 80 Studenten aus Lyon, Grenoble und Nizza ging unsere Fahrt zunächst an der Küste entlang bis nach Fréjus, von dort aus weiter über Arles und Nîmes bis nach Orange und am vierten Tag schließlich von Grenoble nach Lyon. Natürlich saß man nicht permanent im Sattel und ist die 800 km lange Strecke allein abgefahren. Die Leute, die nicht gerade mit dem Fahrrad oder den Kleinbussen unterwegs waren, sind mit dem Bus von Stadt zu Stadt gefahren und haben dort in den Innenstädten die Menschen angesprochen. Für mich war es insofern eine recht aufregende Erfahrung, da ich einem Franzosen aus Südfrankreich auch erstmal erklären musste, warum ich ihm als deutscher Student für das „Téléthon“ Geld abnehmen konnte.

Abgesehen von den Strapazen der Fahrerei und dem sagenhaft schlechten Wetter war das „Téléthon“ für mich eine super Erfahrung, die ich jedem Austauschstudenten nur weiterempfehlen kann.

NICE VISIT

Erst kurz nach Beginn meines ersten Trimesters an der EDHEC gegründet, kümmert sich „NICE VISIT“ darum, den neuen Austauschstudenten das Einleben in Nizza zu erleichtern und organisiert hierbei verschiedene Abendessen oder Ausflüge zu bekannten Orten an der Küste. Anfang des Jahres haben wir beispielsweise ein internationales Abendessen organisiert, für das jeder etwas Typisches aus seinem Heimatland zubereiten sollte. Es wurde ein ziemlich cooler Abend, an dem viele neue Bekanntschaften geknüpft worden sind. Zum Ende des dritten Trimesters sind darüber hinaus Ausflüge nach Grasse, Cannes und Monaco geplant.


Ankunft / Organisation

Unterkunft

Nizza, eine Stadt mit ca. 350.000 Einwohnern, ist wie die allermeisten Orte an der Côte d’Azur nicht der günstigste Platz zum wohnen und umso mehr lohnt es sich, rechtzeitig die nötigen Kontakte zu knüpfen und sich schon mal umzuschauen. Ich selbst konnte mir im Vorhinein kein wirklich gutes Bild über die Wohnungssituation machen und habe relativ vorschnell ein Zimmer in einer privaten Studentenresidenz, dem „Petit Louvre“, gemietet. Für einen Pauschalpreis von 470 € (ohne Abzug des CAF, siehe 2) stand mir ab September 2006 ein ca. 12 m2 großes Studio samt Bad, Dusche und Küchenzeile zur Verfügung, welches zwar sehr sauber und auch frisch renoviert war, in dem allerdings jeder „Handgriff sitzen“ musste. Nachdem ich mich endgültig entschieden hatte, ein ganzes Jahr in Nizza zu bleiben, habe ich mich auch hinsichtlich einer neuen Wohnung umgehört und schließlich eine sehr nette WG gefunden. Ab März 2007 habe ich so mit einem französischen Mädchen aus meinem Jahrgang in einer ca. 60 m2 großen Wohnung in der Nähe des Hafens gewohnt und dafür nicht mehr als 260 € (auch ohne Abzug des CAF) bezahlt. In Anbetracht dieser großen Bandbreite der Mietpreise sollte man sich tatsächlich nicht für die erstbeste Wohnung entscheiden.

Grundsätzlich bieten sich aus meiner Sicht nur zwei wirkliche Varianten an. Entweder entscheidet man sich für einen Platz in der von der EDHEC angebotenen Studentenresidenz „Van Gogh“ (www.adele.org) oder man versucht durch frühzeitige Kontaktaufnahme mit französischen oder ausländischen EDHEC-Studenten eine WG zu gründen.

Die genannte Studentenresidenz liegt nur ca. 5 Fußminuten von der EDHEC entfernt und bietet sehr großzügige Zimmer mit Balkon oder Terrasse für einen Preis von 300 - 400 € (ohne Abzug des CAF). Der einzige Nachteil, von einem sehr unhöflichen Portier mal abgesehen, besteht darin, ein ganzes Stück von der Innenstadt entfernt zu sein. So wie die EDHEC liegt die „Résidence Van Gogh“ ganz im Westen der Stadt und ist ca. 5 km vom Stadtzentrum entfernt. Tagsüber kann man diese Strecke ohne Probleme mit dem Bus überbrücken (Fahrzeit ca. 35 min.), nach 21 Uhr verkehrt dieser allerdings nur sehr unregelmäßig. Gleichwohl würde ich jedem raten, ganz unabhängig von der Wahl einer Wohnung, sein Fahrrad mitzunehmen oder sich dort eins zu beschaffen. Über die „Promenade des Anglais“, die über einen eigenen Fahrradstreifen verfügt, kann man ohne Probleme von der Uni aus in die Innenstadt fahren und nebenbei eine wunderbare Aussicht über die „Baie des Anges“ und die Halbinsel „Cap Ferrat“ genießen.

Die aus meiner Sicht beste Alternative bleibt eine WG mit Studenten aus unterschiedlichen Ländern und Sprachräumen. Dafür würde ich mich schon sehr frühzeitig bei Frau Andrea Butterweck (andrea.butterweck@edhec.edu), der deutschen Vorsitzenden des International Office, melden und fragen, inwieweit Sie einen Kontakt zwischen EDHEC- und Erasmusstudenten herstellen kann. Ab den Monaten Mai/Juni suchen relativ viele französische Studenten neue Mitbewohner oder Nachmieter für ihre Wohnungen, so dass die Chance ziemlich gut ist, über diesen Weg seine neue Wohnung zu finden.

Als allgemeine Tendenz lässt sich festhalten, dass die Mietpreise deutlich ansteigen, je weiter man sich Richtung Innenstadt bewegt, wobei auch diese Wohnungen durch zwei oder drei weitere Mitbewohner bezahlbar werden.

CAF

Wie oben bereits erwähnt relativieren sich die hohen Wohnungsmieten ein wenig, sobald man einen Teil der Miete in Form des französischen Wohngeldes CAF – Caisse d’Allocations Familiales zurückerstattet bekommt. Grundsätzlich gibt es dabei auch keine Schwierigkeiten oder Restriktionen. Sobald man seine Wohnung bezogen hat, kann man sich mit den folgenden Unterlagen an Frau Virginie Creyx (virginie.creyx@edhec.edu) wenden, die sich um alle praktischen Anliegen der Studenten kümmert.

Nötig sind:

  • Kopie des Personalausweises / Reisepasses
  • R.I.B (Relevé d’Identité Bancaire), Bezeichnung für eine Auflistung der Kontodaten
  • ausgefülltes und vom Vermieter unterschriebenes Formblatt der CAF (Nachweis der Unterkunft)
  • ausgefülltes Formblatt der CAF, in dem man seine Einkunftssituation darlegt

Die beiden zuletzt genannten Formblätter erhält man direkt von Frau Virginie Creyx, die sich um alles weitere kümmert und den Antrag von der Uni aus einsendet. Im Normalfall erhält man ca. zwei Wochen später Auskunft über die Höhe seiner Bezüge (in Abhängigkeit der Höhe der Miete pro Quadratmeter bis zu 160 €).

Wohnraumversicherung

Sollte man sich für eine private Wohnung entscheiden, d.h. nicht in eine Studentenresidenz ziehen, so ist der Abschluss einer Wohnraumversicherung verpflichtend. Gängige Adressen hierfür sind:

  • MEP (Mutuelle des Etudiants de Provence), 36, rue de la Buffa, Nice
  • La Mutuelle des Etudiants, 107, rue de France, Nice

Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich vor der Abfahrt über die Leistungen seiner Krankenversicherung zu informieren und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung für den Frankreichaufenthalt abzuschließen. Dieser Versicherungsnachweis muss früher oder später bei der EDHEC eingereicht werden.

Bankkonto

Die Eröffnung eines französischen Bankkontos ist allein schon für den Antrag bei der CAF notwendig, aber auch sonst sehr von Vorteil. Die großen französischen Banken (Société Générale, Crédit Agricole, Caisse d’Épargne oder BNP Paribas) haben fast alle ein kostenloses Angebot für Studenten (zumindest für eine Laufzeit von einem Jahr) oder sogar eine Vereinbarung mit der EDHEC abgeschlossen. Ich habe mich für die BNP Paribas entschieden und würde auch jedem Studenten diese Bank empfehlen. Neben dem kostenlosen Girokonto erhält man ein Sparbuch mit einem Bruttozins von 4% (Maximaler Depotwert: 1.600€). Darüber hinaus lässt sich über das Online-Banking Portal problemlos Geld zwischen den beiden Konten hin- und hertransferieren.

Wichtig: Für die Kontoeröffnung ist neben dem Nachweis einer Unterkunft (Kopie des Mietvertrages / Bestätigung des Vermieters) und einer Kopie des Personalausweises auch eine schriftliche Bestätigung der Immatrikulation an der EDHEC notwendig.

Transport

Seit mehr als vier Jahren baut Nizza mittlerweile an seinem „Tramway“ (Straßenbahn) und nach unendlich vielen Baustopps und Problemen wird man dieses Prestigeprojekt voraussichtlich im Herbst 2007 abschließen. Ich durfte folglich ein Jahr lang den Fortschritt oder auch den Stillstand auf dieser Großbaustelle bestaunen und wünsche jedem mir nachfolgenden eine etwas lärmfreiere und einfachere Verkehrsführung. Abgesehen von der fraglichen Brauchbarkeit einer relativ überschaubaren Straßenbahntrasse reiht sich der Tramway in eine Reihe von städtebautechnischen Maßnahmen ein, die der Stadt ein noch freundlicheres Gesicht verleihen sollen.

Was für Studenten der EDHEC jedoch von größerer Bedeutung sein wird, sind die Busverbindungen zwischen Uni und Innenstadt. Die Linien 9, 10 und 23 fahren direkt vor der EDHEC ab und halten entweder am Busbahnhof nähe Innenstadt (Linie 9, 10, Haltestelle Gare Routière) oder am Hauptbahnhof von Nizza (Linie 23, Haltestelle SNCF Gare de Nice Ville). Da sie fast über die gesamte Strecke über einen eigenen Busstreifen verfügen, gibt es im Normalfall auch kaum Verzögerungen und man kommt in einer guten halben Stunde von A nach B. Darüber hinaus verkehrt die Linie 52 zwischen „Gare Routière“ und Flughafen und benötigt dafür nur knapp zwanzig Minuten. Allerdings bietet sich diese Verbindung nur in Richtung EDHEC an, wo man an der Station „Lavallière“ in Reichweite des „Hintereingangs“ der Uni auf der Flughafenseite aussteigt.

Keiner versteht warum, aber die Busfahrpreise sind erstaunlich günstig. Vermutlich stark subventioniert durch das Land kostet eine einfache Fahrt nur 1,30 €. Dieser Preis erscheint umso verblüffender, sobald man bemerkt, dass man für diesen Tarif weit über die Stadtgrenzen von Nizza hinaus fahren kann, beispielsweise bis in die Bergdörfer St. Paul de Vence oder die Küste entlang bis nach Villefranche oder Beaulieu.

Neben einer 10er-Karte für ganze zehn Euro gibt es noch verschiedene Abonnements für Studenten oder Jugendliche, mit denen man für ca. zwanzig Euro pro Monat unbegrenzt fahren kann. Das kürzlich neu errichtete Büro der regionalen Busgesellschaft Ligne d'Azur befindet sich auf der vom Meer aus gesehen linken Seite des „Place Massenas“ nahe der Innenstadt. (Informiere dich auch hinsichtlich der überregionalen Buslinien auf der Seite des Conseil Général über Tarife und Angebote für Studenten!)

Wie zu Anfang schon erwähnt kann ich jedoch nur noch mal auf die Vorzüge des Fahrrads aufmerksam machen, wenngleich erstens bei der „phantasievollen“ Fahrweise mancher Franzosen Vorsicht und Übersicht geboten ist und zweitens mindestens zwei gute Fahrradschlösser mitgebracht werden sollten. Achtet man einmal in den Straßen auf zurückgelassene Fahrradgestelle, ist einem schnell klar wovon ich spreche. Trotz allen Sicherheitsvorkehrungen würde ich grundsätzlich davon abraten, das Fahrrad über Nacht irgendwo stehen zu lassen.

Telefonieren

Die Franzosen und ihr Handy.. In Deutschland wenden sich zurzeit ja auch schon viele Menschen vom Festnetztelefon ab, in Frankreich erscheint mir das Phänomen jedoch sehr viel verbreiteter. Allein um mit seinen Freunden die Abendplanung abzustimmen, ist ein Handy sicherlich sehr nützlich, wobei dabei zu berücksichtigen ist, das junge Franzosen sehr schreibfaul sind und lieber noch mal kurz durchrufen anstatt eine sms zu schreiben. Welchen Telefonanbieter man schließlich wählt (die gängigen sind Orange, France Télécom, SFR Vodafone und Bouygues) hängt natürlich von den eigenen Bedürfnissen und Gewohnheiten ab. Pauschalangebote, sogenannte „Forfaits“, gibt es ab ca. 25 Euro im Monat, ich selbst habe mir eine einfache Prepaid-Karte von Bouygues geholt.

Einkaufen

Was bei den Mieten anfängt, macht auch vor den Lebensmitteln nicht Halt, die Lebenshaltungskosten entsprechen mindestens denen einer teuren deutschen Großstadt wie München. Supermärkte wie „Casino“ oder „Monoprix“ gehören zu dem etwas teureren Segment, haben dafür aber immer frisches Obst und Gemüse im Angebot. Für das Gros der Einkäufe lohnt es sich aber allemal, mit seinen Mitbewohnern ein Auto vollzuladen und bei den Großmärkten wie „Carrefour“ oder „LeClerc“ einzukaufen. Diese befinden sich meistens etwas außerhalb des Zentrums, sind aber auch mit dem Bus gut zu erreichen.

Was Kleidung und allerlei andere Dinge angeht, so bietet sich vor allem die Prachtstraße „Jean Médecin“ zum einkaufen an, die sich nach Abschluss der Bauarbeiten zu einer sehr fußgängerfreundlichen Flaniermeile entwickeln wird. An deren Ende befindet sich auch das Luxuskaufhaus „Galeries Lafayette“, welches durch seine Londoner Filiale recht bekannt geworden ist.

Leben an der Côte d’Azur

Lebensgefühl und südfranzösische Eigenarten

Nizza 2
Boule-Spieler in St. Paul-de-Vence

Unabhängig davon, dass Franzosen generell als temperamentvoll gelten, so gibt es noch mal einen deutlichen Charakterunterschied zwischen Nord- und Südfrankreich. Schon vor dreihundert Jahren haben sich die Küstenbewohner nur sehr wenig vom Pariser Königshaus sagen lassen und eher ihr „eigenes Ding gedreht“. Bis heute hat sich das in gewisser Weise nicht geändert. Zunächst fällt auf, dass die Leute sehr stolz sind und sich nur sehr ungern etwas sagen lassen. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mir oder meinen ausländischen Freunden nicht immer sehr hilfsbereit entgegengetreten ist. Auch wenn ich kein Freund von Pauschalurteilen bin, so würde ich diese Verhaltensweise mal als eine „ca me touche pas - Mentalität“ bezeichnen wollen. Nach dem Motto, „was habe ich denn mit ihren Problemen zu tun?“ habe ich des Öfteren einen Franzosen die Nase rümpfen sehen und achtet man dabei auf das wörterbuchreife „tss“ am Satzende, hat mein bereits einen guten Eindruck von der Gleichgültigkeit, die den ein oder anderen französischen Zeitgenossen auszeichnet. Diese zeigt sich unter Anderem auch in Bezug auf allgemeine Sauberkeit und die Mülltrennung im Besonderen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Leute gar nicht mehr realisieren, in welch einer wunderschönen Umgebung sie leben und sich ihrer Verantwortung gegenüber der Natur nicht mehr bewusst sind. Zigaretten werden grundsätzlich auf die Straße geworfen, Äpfel und Schwermetalle landen im gleichen Müllsack und in meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel Hundekot auf den Gehwegen gesehen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die meisten Straßen jede Nacht von einem Trupp Arbeitern mit Wasserschläuchen abgespritzt werden.

Der Tourismus macht den größten Teil der Wirtschaftskraft des Departments „Alpes-Maritimes“ aus, auch wenn es die ansässigen Franzosen nicht gerne hören. Gleichwohl hat man als Ausländer nicht immer den Eindruck, willkommen zu sein. Vielmehr fällt auf, dass die Touristen den Einwohnern eher lästig sind und sich Franzosen eher über sie lustig machen als sich mit Ihnen auszutauschen. Im Restaurant ist es mir oft so gegangen, dass mir auf meine auf Französisch gehaltene Bestellung in englischer Sprache geantwortet wurde. Ich empfand das oft als unhöflich und entmutigend, zumal mein Französisch nahezu fehlerfrei, das Englisch der Bedienung jedoch nur sehr schwer zu entziffern war.

Nizza – Nice – Nissa

Trotz der bereits erwähnten knapp 350.000 Einwohner macht Nizza einen sehr überschaubaren Eindruck. Das liegt in erster Linie daran, dass man sich normalerweise im Süden der Stadt aufhält und so neben der Strandpromenade lediglich die Altstadt, den Hafen und die nahe des „Place Massena“ liegendenen Straßenzüge besser kennenlernt. Das ist auch nicht weiter schlimm, da es sich hierbei um die mit Abstand schönsten Ecken Nizzas handelt und die Stadtviertel im Norden auch aufgrund der hohen Kriminalität eher zu meiden sind.

Die insgesamt acht Kilometer lange Strandpromenade ist mit Sicherheit das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Trotz der etwas groben Kieselsteine lädt der Strand zum Sonnenbaden ein und auch der Blick über das Meer und den „Cap Ferrat“ ist nicht zu verachten. Das azurblaue Wasser lädt natürlich auch zum baden ein, wobei darauf zu achten ist, dass die Wasserqualität umso besser ist, je weiter man sich Richtung Flughafen bewegt. Zwei kleine Kanäle ergießen sich in die Bucht, die an manchen Stellen trotz der klaren Farbe nicht besonders sauber ist, der erste auf der Höhe des Hotels „Méridien“, der zweite nicht weit vom Hotel „Negresco“.

Das „Vieux Nice“, das man von der Strandpromenade über den „Cours Saleya“ erreichen kann, ist durch kleine, enge Gassen gekennzeichnet und strahlt insgesamt einen sehr italienischen Flair aus. Im Laufe der Geschichte der Stadt und noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Nizza lange Zeit den italienischen Fürstentümern an und ist auch heute noch durch seine italienischen Wurzeln geprägt. Wenn man älteren Einwohnern der Stadt beim plaudern zuhören möchte, wird man auch mit guten Französischkenntnissen Schwierigkeiten haben. Der vom Italienischen stammende Dialekt „Nissart“ oder „Niçois“, der der Stadt den Namen „Nissa“ gegeben hat, ist auch für Franzosen nur schwer zu verstehen.

In der Altstadt findet man darüber hinaus viele englische Bauwerke, Restaurants und Bars, die von der Beliebtheit bei den Engländern zeugen, die Nizza bereits Anfang des 19. Jahrhunderts als Winterresidenz entdeckt haben. Auch zum weggehen bieten sich deshalb vor allem die englischen Kneipen in der Altstadt an, in denen fast immer Live Musik gespielt wird.

Über dem „Vieux Nice“ erstreckt sich der Schlossberg, auf dem die Ruinen einer alten Kirche zu besichtigen sind und von dort aus man einen atemberaubenden Blick über die Bucht und die Stadt genießen kann. Etwas zurückgelegen in Richtung Stadt findet man auch einen beeindruckenden Friedhof, der aus einem katholischen, einem evangelischen und einem jüdischen Teil besteht. Neben dem Grab von Mercedes Benz erstrecken sich imposante Grabmähler meterhoch über das Plateau und wer sich für Literatur und Geschichte interessiert, findet auch einige bekannte Namen von französischen und italienischen Schriftstellern.

Auf der anderen Seite des Plateaus befindet sich schließlich der Hafen von Nizza, von dem auch größere Fähren und Kreuzfahrtschiffe in Richtung Korsika oder Italien aufbrechen.

Weblinks