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Start-ups made in Germany: Diese Business-Schools bringen erfolgreiche Gründer hervor

Arbeit, Job, Mann, Laptop [Quelle: pixabay.com, Autor: StartupStockPhotos]

Quelle: pixabay.com, StartupStockPhotos

Zalando, Flixtrain, Lieferando oder Trivago: die Gründer studierten an deutschen Hochschulen. Europäische Anbieter können sich im Wettbewerb mit US-Unis durchsetzen.

Kiel. Robert GentzDavid Schneider und Dominik Richter haben viel gemeinsam: Alle drei sind Mitte Dreißig, haben bereits in jungen Jahren ein Start-up gegründet und führen heute milliardenschwere Konzerne: Gentz und Schneider den Onlinehändler Zalando, Richter den Kochboxenversender Hellofresh. Und da ist noch etwas: Alle haben an derselben Business-School studiert, an der WHU Otto Beisheim School of Management. In Deutschland.

Heimische Universitäten galten lange nicht als erste Adresse für Start-up-Gründer: zu akademisch, zu bürokratisch, zu praxisfern, so die Kritik. Vorbildlich dagegen das System in den USA, wo Elitehochschulen wie Harvard von David Rockefeller über Bill Gates bis Mark Zuckerberg seit Generationen verlässlich Unternehmer von Weltrang hervorbringen – unter anderem, weil die Universitäten den Wunsch ihrer Studierenden, sich selbstständig zu machen, während der Ausbildung aktiv unterstützen, Netzwerke knüpfen, Gründungen fördern.

Dieses Konzept setzt sich inzwischen weltweit durch – und die Business-Schools außerhalb der USA holen auf. In einer Sonderauswertung des Global-MBA-Rankings 2022 der "Financial Times" haben es drei europäische Wirtschaftshochschulen im Bereich Entrepreneurship unter die besten zehn der Welt geschafft: IE und Esade aus Spanien – und die WHU aus Vallendar bei Koblenz. Damit spielt die Privatuni als einzige in Deutschland in derselben Liga wie Stanford, Berkeley oder das Massachusetts Institut of Technology (MIT).

Das Venture-Capital-Unternehmen Antler hat ausgerechnet, dass auf 700 WHU-Absolventen im Schnitt ein Einhorn kommt, also ein Start-up-Unternehmen mit einer Bewertung von einer Milliarde US-Dollar oder mehr. Zusammen mit der deutlich größeren Technischen Universität München (TUM) habe die WHU damit in den vergangenen 20 Jahren mehr als ein Viertel aller Einhörner im deutschsprachigen Raum hervorgebracht, so die Analysten.

"Wir arbeiten kontinuierlich am Auf- und Ausbau eines umfassenden unternehmerischen Ökosystems," sagt Dries Faems, Academic Co-Director des WHU Entrepreneurship Centers. Das gute Abschneiden im FT-Ranking führt er unter anderem auf die Entwicklung maßgeschneiderter Programmen für angehende Gründer, die praxisorientierte Lehre und den Aufbau des Entrepreneurship Centers als zentrale Anlaufstelle für Gründungsinteressierte zurück.

Zudem spielten der Unternehmergeist an der Hochschule sowie das Alumninetzwerk eine wichtige Rolle, so der Professor für Entrepreneurship, Innovation und technologische Transformation. Viele Ehemalige der WHU gehören heute zum Who is Who der Start-up-Szene und unterstützen junge Gründer mit Know-how, Kontakten und Kapital.

Ausbildung nach amerikanischen Vorbild in Berlin

Auch andere deutsche Business Schools bauen ihre Entrepreneurship-Programme aus – und reagieren damit auch auf veränderte Ziele ihrer Kundschaft. "Traditionelle Konzernkarrieren verlieren zunehmend ihren Reiz, viele Studierende wollen lieber für junge Unternehmen arbeiten, die agiler und unternehmerischer aufgestellt sind", sagt Roland Siegers, Leiter des Early Career Programs an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Sein Vorbild ist das Babson College in Boston. "Mit seinem breit gefächerten, modular aufgebauten Studienangebot rund um Entrepreneurship ist das Babson College weltweit zur Referenz geworden."

In den USA zählt die Uni von der Ostküste seit Jahrzehnten zu den Topadressen für akademische Unternehmerbildung. Im nationalen MBA-Ranking des Magazins "U.S. News & World Report" belegt sie seit fast 30 Jahren Platz eins für das beste amerikanische Entrepreneurship-Programm, in der FT-Auswertung steht sie auf Rang zwei hinter Stanford.

Babson ist bekannt für sein praxisnahes Ausbildungskonzept, an dem sich auch die ESMT orientiert. So widmen sich die Berliner Studierenden künftig im zweiten Studienjahr einem eigenen Gründungsprojekt oder entwickeln mit einem etablierten Unternehmen ein Corporate Venture. Ab 2023 will die Hochschule drei neue Studiengänge anbieten, darunter einen Master in Innovation and Entrepreneurship. Für die Projektarbeit sollen die Studierenden wie in den USA akademische Credits bekommen – ganz ohne klassische Vorlesung.

Isabell Welpe hält das für eine gute Idee. Um den Unternehmergeist zu stärken, sollten Hochschulen die Ausbildung für Entrepreneurship bei allen Akteuren vorantreiben – inklusive der Hochschulverwaltung, rät die Professorin für Strategie und Organisation an der TU München (TUM). Start-up-Inhalte sollten frühzeitig in allen Studiengängen angeboten und Credits auch für zeitintensive Gründungsprojekte gewährt werden. Auch externe Programme, die zwar hochschulnah, aber rechtlich außerhalb der Uni angesiedelt sind, hätten sich bewährt, so Welpe. So habe das Center for Digital Technology and Management (CDTM) an der TUM bereits mehr als 200 Start-ups hervorgebracht.

Erfolg zieht neue Gründer an

Welpe hat das Klima für Start-up-Gründungen an deutschen Hochschulen analysiert. Anders als die üblichen Rankings, die im Wesentlichen auf Umfragen basieren, hat ihr Team anhand von Lebensläufen oder LinkedIn-Profilen untersucht, wo die Gründer der 500 größten deutschen Start-ups studiert haben. Die Anzahl erfolgreicher Gründungsprojekte wurde mit der der Studierenden in Relation gesetzt. Ergebnis: Große staatliche Universitäten wie die TUM bringen zwar absolut die meisten jungen Unternehmen hervor. 

Relativ zur Zahl der Studierenden haben jedoch private Hochschulen wie die WHU, die HHL in Leipzig, die Frankfurt School of Finance and Management, die European Business School EBS oder die ESCP Europe die Nase vorn.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Gründerradar des Deutschen Stifterverbands, der vor allem Maßnahmen zur Gründungsförderung und die Gründungskultur bewertet. Auch hier belegen WHU und HHL Spitzenplätze: "Die Privaten machen einen Superjob", sagt Co-Autor Eike Schröder. Spezialisierte Angebote und erfolgreiche Start-up zögen andere Interessierte an, eine Art Schnellballeffekt. Generell sei das Gründungsklima an deutschen Hochschulen besser geworden, so Schröder. "Vor zehn Jahren war das noch ein Nischenthema."

Wer als Start-up-Unternehmer erfolgreich sein will, muss also nicht mehr zwingend in den USA studieren – zumal die deutschen Programme immer internationaler werden. "Wir sitzen zwar in Deutschland, aber wir sehen uns nicht als deutsche Business-School", sagte WHU-Dekan Markus Rudolf kürzlich in einem Interview.

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