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Frau-unter-Männern [© JB - Fotolia.com]

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Business Schools wollen den Frauenanteil erhöhen. Die Frage ist nur: Wie?

Nein, ein Problem des Geschäftsmodells ist es sicher nicht. Solange Business Schools ihre Klassen füllen können, machen sie offenbar einiges richtig. Und dennoch sind etliche Dekane nicht zufrieden mit dem, was sie in ihren Studiengängen mit Abschluss Master of Business Administration (MBA) sehen: Es sind noch immer zu wenig Frauen. Viele Verantwortliche wie Simon Learmount, Direktor des MBA-Programms der Judge Business School an der britischen Universität Cambridge, wollen das ändern. Weil Wirtschaftshochschulen in ihren Augen eben nicht nur Weiterbildungsunternehmen sind. "Business Schools haben eine sehr wichtige soziale Verantwortung", sagt er. Auch sie müssten die Gesellschaft abbilden.

Das gelingt ihnen nicht gut, wenn wie im Jahrgang von Anna Sophie Herken nur jeder fünfte der rund 50 Studenten eine Frau ist. Die heutige Geschäftsführerin der Hertie School of Governance in Berlin hat von 2009 bis 2011 in Cambridge studiert. Ihr Programm: Ein Executive MBA (EMBA) für erfahrene Führungskräfte, der auf hohe Managementpositionen vorbereiten soll.

Die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre ist vielerorts ernüchternd. An den Business Schools lernen heute zwar mehr Studentinnen als 1999, hat der Business-School-Berater Matt Symonds aufgeschlüsselt. Doch von Gleichheit der Geschlechter sei man weit entfernt. Ein Lichtblick: Einige der besten Universitäten der USA haben den Frauenanteil im Vollzeit-MBA an oder über die 40-Prozent-Marke gehoben: Berkeley, Stanford, Harvard und Pennsylvania (Wharton) etwa.

Die Konkurrenten in Europa tun sich schwerer, analysiert Symonds. Auch weil ihre Vollzeit-MBA-Studenten in der Regel älter sind; nicht mehr Anfang oder Mitte 20, sondern eher um die 30 – die Zeit, in der die Familiengründung beginnt.

Noch schwieriger fällt es, mehr Frauen für die Executive-MBA-Programme zu gewinnen. Zwischen 2012 und 2014 ist der Anteil von EMBA-Bewerberinnen weltweit laut Daten der Organisation Graduate Management Admission Council (GMAC) sogar deutlich gesunken.

Die Teilnehmer sind wie auch Anna Sophie Herken damals im Schnitt Ende 30 und haben die ersten Karriereschritte hinter sich. Mit jeder Hierarchiestufe aber sinkt der Frauenanteil in Firmen, so dass es an sich weniger Managerinnen gibt, die überhaupt für das Studium infrage kommen. Stipendien für Frauen allein werden aus 30 Prozent Bewerberinnen nicht 50 machen. "Wenn wir nicht die Angebotsseite bearbeiten, tun wir niemandem einen Gefallen", sagt Cambridge-Direktor Learmount. Er findet es wichtig, dass Business Schools mit Unternehmen zusammenarbeiten, ihnen helfen, das Problem zu adressieren.

Für Frauen ist das Studium zudem oft schwerer zu vereinbaren – weil sie im Schnitt noch immer einen größeren Anteil der Familienarbeit leisten. Wer den EMBA parallel zu Job und Familie absolviert, muss extrem "organisiert und flexibel sein, das Studium fordert zeitlich und intellektuell", sagt Hochschulmanagerin Herken. Die damalige Beraterin in der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung hat während des Studiums ihr zweites Kind bekommen – wie fünf oder sechs Mitstudentinnen auch. "Cambridge hat das Programm ganz gut getaktet, man kann das eigentlich schon 'familienfreundlich' nennen", sagt die Juristin. Ein Kraftakt ist es dennoch.

Sie hat das aktuell mit 87.000 Euro bepreiste Programm selbst bezahlt. "Klar, das ist wahnsinnig viel Geld. Aber ich bereue nicht, es ausgegeben zu haben." Offenbar, so haben Forscher festgestellt, glauben viele Frauen, dass der MBA ihnen einen geringeren Nutzen bringt als Männern. Der "Return" wird meist am Gehalt drei Jahre nach Abschluss gemessen. Das sei ein sehr männlicher Fokus, sagt Learmount. Man sollte die gesamte Karriere betrachten, die Dinge, die man verändern kann, den Einfluss, den man gewinnt.

Anna Sophie Herken hat in den Seminaren gemerkt, dass sie aus der Berater- in eine operative Rolle wechseln möchte. "Geschäftsführerin zu werden war nicht primär das Ziel, aber das Angebot von der Hertie School genau zum Abschluss des MBA passte perfekt."

Frauenanteil im MBA (Quelle: Handelsblatt)

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