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Auf zum zweiten Kapitel im Lebenslauf

Erster Jobwechsel [Quelle: unsplash.com, Autor: Jakob Owens]

Quelle: unsplash.com, Jakob Owens

Einen guten Einstiegsjob nach dem Studium zu finden ist eine Sache – der erste Jobwechsel eine ganz andere. Doch wer seine Karriere vorantreiben will, kommt am Job- oder gar Berufswechsel nicht vorbei. Auf e-fellows.net berichten junge Berufstätige von ihrem 'ersten Mal'; dazu erklären Karriere-Coaches, worauf man beim Wechsel des Arbeitgebers achten sollte.

e-fellow Torben Kasimzade brachte schon in jungen Jahren einen langen beruflichen Weg hinter sich. Als Lehrling in der Hotellerie fing er ganz unten an und schaffte es mit viel Arbeit, wenig Freizeit und etlichen Wochenenddiensten zum Projektmanager für ein Rekrutierungsprogramm der Hotelmanagement-Firma Marriott in England. Trotzdem verspürte er nach all den Jahren Lust auf einen Wechsel, auf eine neue Branche. Auch seine Vorgesetzten, die ihn gerne behalten hätten, konnten ihn von seinem Wechselwunsch nicht abbringen. 

Beim ersten Jobwechsel dem Gegenwind standhalten

Eine mutige Entscheidung von Torben – denn für einen "Bruch" im tabellarischen Lebenslauf geraten Young Professionals in Deutschland immer noch häufig unter Rechtfertigungszwang. Das erfuhr auch die Diplom-Architektin Angelika Münzmay, als sie entdeckte, dass ihr die Arbeit in einem Architekturbüro nicht wirklich liegt. "Ich fühlte mich fehl am Platz und war mit meiner Arbeit unzufrieden." Ihr Wunsch nach einem Berufswechsel wurde im Freundeskreis nur mit einem milden Lächeln quittiert – nach dem Motto: "Versuch's doch mal, aber mach' dir bloß keine Hoffnungen."

 
Münzmays Reaktion auf diesen Gegenwind: "Man darf sich einfach nicht abschrecken lassen, wenn der eigene Abschluss nicht zur geforderten Qualifikation passt. Ein Quereinsteiger muss mit seinen persönlichen Fähigkeiten überzeugen, zum Beispiel damit, dass er neue und komplexe Sachverhalte schnell erfassen kann."

Jobwechsel, ja oder nein?

Nicht jeder junge Wechselwillige aber ist sich so sicher wie Angelika Münzmay, dass es Zeit ist für neue Herausforderungen. Oft plagt Berufseinsteiger nur ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit oder Unruhe. Aber sind das wirklich Gründe für einen Jobwechsel? Dr. Thomas Bachmann, Ausbilder für Coaches bei artop, berät Studierende und Absolventen zur Berufsfindung und Arbeitsorganisation. Er empfiehlt: "Wer seinen ersten Job wechseln will, sollte sich zunächst einmal fragen, ob er nicht nur vor diffusen Ängsten davonläuft. In diesem Fall sollte er sich lieber den eigentlichen Herausforderungen stellen. Der anschließende Erfolg motiviert für die Zukunft." Wenn aber wirklich der Job der falsche sei, solle man sich als junger Berufseinsteiger seiner Stärken klarwerden. Das Ziel müsse sein, zum eigenen "Hauptast" zurückzukehren – oder diesen überhaupt erst zu finden. "Leider", so Bachmann, "machen sich viele Leute im Studium zu wenig Gedanken darüber, was sie wirklich wollen. Diese Verdrängung rächt sich dann später."

Umgekehrt gilt auch, dass einige Berufsanfänger einen Wechsel des Arbeitsplatzes gar nicht in Erwägung ziehen, obwohl er für sie die bessere Lösung darstellen würde. Bachmann warnt diesbezüglich vor selbstgebauten Hürden beim ersten Jobwechsel: "Viele möchten unbedingt an ihrem Wohnort bleiben oder scheuen davor zurück, persönliche Hemmnisse zu klären. Das verhindert natürlich Fortschritte." 

Selbsterkenntnis statt Trendwahn

Dr. Sabine Dembkowski berät für "Better Boards" Führungskräfte von DAX-100-Unternehmen. Zum ersten Jobwechsel rät sie: "Kurzfristige Ziele wie eine schnelle Gehaltserhöhung des Gehalts sind der falsche Anreiz. Viel wichtiger ist es, sich einen Bereich zu suchen, in dem man leidenschaftlich gerne arbeitet." Kein seriöser Coach der Welt könne mit Sicherheit voraussagen, welche Berufe in fünf oder zehn Jahren en vogue seien. Daher rät die Trainerin: "Die meisten machen den Fehler, einem Trend hinterherzulaufen. Stattdessen sollten sie sich über sich selbst klarwerden."

Nach einem Jahr? Oder erst nach zwei oder drei Jahren?

Entscheidend für den langfristigen Erfolg des Projekts "Erster Jobwechsel" ist der richtige Zeitpunkt. Denn so wichtig der erste Wechsel des Arbeitgebers aus strategischer und persönlicher Sicht auch sein mag: Wer den Arbeitgeber in der Anfangsphase der Karriere zu schnell (oder häufig) wechselt, tut sich langfristig damit keinen Gefallen. Feste Zeitspannen, nach denen ein Wechsel Pflicht wird, gibt es jedoch nicht. Empfehlungen, nach einem Jahr, nach zwei oder nach drei Jahren unbedingt den Job zu wechseln, können junge Berufstätige also getrost in den Wind schlagen.

Stattdessen rät Coach Dembkowski: "Man sollte so lange in einem Job bleiben, bis man ein wirklich großes und bedeutendes Projekt zu Ende gebracht hat. Wenn man zum Beispiel nachweisen kann, dass man zu einer Gewinn- oder Effizienzsteigerung des Unternehmens beigetragen hat, signalisiert man zukünftigen Arbeitgebern, dass man ergebnisorientiert arbeitet."
 
Die Erfolge des alten Jobs sollten in der schriftlichen Bewerbung und im Lebenslauf dokumentiert werden, wie es in englischsprachigen Ländern seit Langem üblich ist. "Hierzulande versteckt man sich oft noch hinter Berufsbezeichnungen und Titeln. Stattdessen sollte man seine Leistungen dokumentieren und somit zu seiner eigenen Marke werden", empfiehlt Dembkowski.

Jobwechsel und Weiterbildung kombinieren

Angelika Münzmay stieg nach der Kündigung im Architektenbüro als Projektmanagement-Expertin bei einem bekannten Facility Manager ein. Wie sie das geschafft hat? "Ich habe mich nicht abschrecken lassen von den Anforderungen, die in Stellenanzeigen stehen, sondern konzentrierte mich auf meine Stärken und Interessen. Ich fand heraus, dass ich gerne organisiere und koordiniere." So schaffte sie den Einstieg als Koordinatorin in einem Restrukturierungsprojekt. Das Kirsche auf dem Kuchen: Parallel dazu absolvierte sie an einer privaten Hochschule einen Master of Business and Engineering – eine Zusatzqualifikation, die weitere Karriereschritte ermöglicht. 

Bessere Arbeitsbedingungen im Ausland

Ex-Hotelier Kasimzade wiederum führte es als Marketing Director zur Lifestyle-Design Marke "Stelton A/S" in Kopenhagen; seinen MBA hatte er schon vorher in Skandinavien gemacht, weil ihm die Work-Life-Balance dort gut gefiel. "Hier habe ich mindestens doppelt so viel Freizeit wie in Deutschland und trotzdem verdiene ich überdurchschnittlich gut. Und auch die Karrierewege sind hier schneller." Zu seinem alten Arbeitgeber hält er freundschaftlichen Kontakt. "Ich habe viele Freunde und ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgelassen. Deshalb pflege ich den Kontakt auch weiterhin." Aus dem vermeintlichen Bruch im Lebenslauf wurde somit für Kasimzade ein Karriereheilmittel.

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