Partner von:

Neues Kapitel im Lebenslauf

Steg, der aufs Meer hinaus zeigt

Quelle: freeimages.com, Eastop

Einen guten Einstiegsjob nach dem Studium zu finden ist eine Sache. Doch wer seine Karriere weiter verfolgen will, wird irgendwann seinen ersten Job- oder gar Berufswechsel vollziehen. Alumni von e-fellows.net berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem 'ersten Mal'. Dazu erklären Karrierecoaches, worauf man dabei achten sollte.

Alumnus Torben Kasimzade (28) hat einen langen beruflichen Weg hinter sich gebracht und legte eine erfolgreiche Karriere in der Hotellerie hin. Als Lehrling fing er ganz unten an und schaffte es mit viel Arbeit, wenig Freizeit und manchem Wochenenddienst bis zum Projektmanager in England für ein Rekrutierungsprogramm der bekannten Hotelmanagement- Firma Marriott. Trotzdem spürte er nach all den Jahren Lust auf etwas Neues, auf eine neue Branche. Auch seine Vorgesetzten, die ihn gerne behalten hätten, konnten ihn von seinem Wunsch auf einen Wechsel nicht abbringen. 

Auf zu neuen Ufern

Zwar macht es sich in Deutschland nicht so gut, wenn der Lebenslauf eines Young Professionals einen "Bruch" vorweist. Deshalb steht er immer unter einem gewissen Rechtfertigungszwang. Das erfuhr auch die Diplom-Architektin Angelika Münzmay (27). Sie entdeckte bei der Arbeit in einem Architekturbüro, dass ihr der Beruf nicht wirklich liegt. "Ich fühlte mich fehl am Platz und war mit meiner Arbeit unzufrieden." Ihr Wunsch nach einem Berufswechsel wurde von einigen in ihrem Freundeskreis mit einem milden Lächeln quittiert nach dem Motto: "Versuch's doch mal, aber mach' dir bloß keine Hoffnungen."
 
"Man darf sich einfach nicht abschrecken lassen, wenn der eigene Abschluss nicht zur geforderten Qualifikation passt", meint Münzmay. "Ein Quereinsteiger muss mit seinen persönlichen Fähigkeiten überzeugen. Zum Beispiel damit, dass er neue und komplexe Sachverhalte schnell erfassen kann."

Zum Hauptast zurückfinden

Dr. Thomas Bachmann (40) ist Ausbilder für Coaches bei "artop" (www.artop.de) in Berlin. Das Institut arbeitet mit der Humboldt-Universität Berlin zusammen und berät Studierende und Absolventen in Arbeitsorganisation und Berufsfindung. "Wer seinen Job wirklich wechseln will", so rät er, "sollte sich zunächst einmal fragen, ob er nicht nur vor diffusen Ängsten davon läuft. In diesem Fall sollte man sich den Herausforde- rungen lieber stellen. Wenn man sie gemeistert hat, motiviert das für die Zukunft." Wenn der Job aber wirklich der falsche sei, solle man sich seiner Stärken klar werden. Das Ziel müsse sein, zu seinem "Hauptast" zurück zu finden, wenn man einen falschen Weg eingeschlagen habe. Das Problem sei, dass sich viele Leute während des Studiums zu wenig Gedanken darüber machen, was sie wirklich wollen. Diese Verdrängung würde sich dann später rächen.

Eigenerkenntniss statt Trendwahn

Dr. Sabine Dembkowski (37), die in dem von ihr gegründeten "Coaching Centre" in Köln (www.thecoachingcentre.com) vor allem Führungskräfte mit langjähriger Berufserfahrung berät, meint: "Kurzfristige Ziele, wie eine schnelle Erhöhung des Gehalts, sind der falsche Weg. Viel wichtiger ist es, sich einen Bereich zu suchen, in dem man leidenschaftlich gerne arbeitet." Kein seriöser Coach der Welt könne mit Sicherheit voraus- sagen, welche Berufe in fünf oder zehn Jahren en vogue seien. Daher rät die Trainerin: "Die meisten machen den Fehler, dass sie einem Trend hinterherlaufen. Stattdessen sollten sie für Klarheit über sich selbst sorgen."
 
Bachmann hat zudem festgestellt, dass viele sich eigene Hürden bauen. "Viele möchten unbedingt an ihrem Wohnort bleiben oder scheuen vor der Klärung persönlicher Hemmnisse zurück. Das verhindert natürlich Fortschritte." 

Die eigenen Leistungen dokumentieren

Wer seinen Job gerade in der Anfangsphase der Karriere aber zu oft wechselt, tut sich langfristig auch keinen Gefallen. "Man sollte lange genug in einem Job bleiben, bis man ein wirklich großes und bedeutendes Projekt zu Ende gebracht hat", meint Dembkowski. "Wenn man zum Beispiel nachweisen kann, dass man zu einer Gewinn- oder Effizienzsteigerung des Unternehmens beigetragen hat, signalisiert man zukünftigen Arbeitgebern, dass man ergebnisorientiert arbeiten kann."
 
Die Erfolge des alten Jobs sollten in der schriftlichen Bewerbung und im Lebenslauf dokumentiert werden, wie es in englisch- sprachigen Ländern seit langem üblich ist. "Hierzulande versteckt man sich oft noch hinter Berufsbezeichnungen und Titeln. Stattdessen sollte man seine Leistungen dokumentieren und somit zu seiner eigenen Marke werden", so Dembkowski.

Neue Karriere durch Weiterbildung

Münzmay hat es geschafft. Heute arbeitet sie als Expertin Projektmanagement bei einem bekannten Facility Manager. Wie sie das geschafft hat? "Ich habe mich nicht von den Anforderungen, die in Stellenanzeigen stehen, abschrecken lassen, sondern konzentrierte mich auf meine Stärken und Interessen. Ich fand heraus, dass ich gerne organisiere und koordiniere." So schaffte sie den Einstieg als Koordinatorin in einem Restrukturierungsprojekt." Das besondere Bonbon: Parallel dazu konnte sie an einer privaten Hochschule einen Master of Business and Engineering machen. Eine Zusatzqualifikation, die ihr weitere Karriereschritte ermöglicht. 

Bessere Arbeitsbedingungen im Ausland

Der inzwischen Ex-Hotelier Kasimzade arbeitet nun bei der Lifestyle-Design Marke "Stelton A/S" in Kopenhagen als Marketing Director. Seinen MBA hat er schon vorher in Skandinavien gemacht, weil ihm die Work-Life-Balance dort gut gefällt. "Hier habe ich mindestens doppelt so viel Freizeit wie in Deutschland und trotzdem verdiene ich überdurchschnittlich gut. Und auch die Karrierewege sind hier schneller." Während in Deutschland wieder über die 40-Stunden-Woche als Allheilmittel für die Wirtschaft debattiert wird, verfügen die Arbeitnehmer in Dänemark bereits über eine fortschrittliche und gut organisierte Work-Life-Balance. Und das bei einer viel niedrigeren Arbeitslosenquote als in Deutschland. Kasimzade freut sich über diese Vorteile. Zu seinem alten Arbeitgeber hat er noch einen sehr freundschaftlichen Kontakt. "Ich habe viele Freunde und ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgelassen. Deshalb pflege ich den Kontakt auch weiterhin." So wird aus dem vermeintlichen Bruch im Lebenslauf ein Heilmittel für die Karriere.

nach oben
Verwandte Artikel

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren