Partner von:

Vorsorgen, bevor es zu spät ist

Anwälte wie Caroline Kistler raten deshalb gerade im Fall ungleicher Vermögensverhältnisse zu einem Ehevertrag, in dem sich das Paar auf eine für beide Parteien faire Lösung einigt. Möglich sind:

  • eine Gütergemeinschaft. Sie gleicht Vermögensunterschiede gänzlich aus, denn ab dem Tag der Eheschließung gehört das gesamte Hab und Gut beiden Ehepartnern zu gleichen Teilen. Scheidungen werden deswegen aber umso komplizierter – gerade nach einer Langzeitehe. Anwältin Kistler berichtet: "Ich hatte nur einmal eine Scheidung mit Gütergemeinschaft. Es hat vier Jahre gedauert, bis alles aufgeteilt war. Gütergemeinschaften waren in den 50er und 60er Jahren beliebt, werden heute aber so gut wie gar nicht mehr geschlossen."
  • eine Gütertrennung. Sie zementiert die Vermögensunterschiede in einer Beziehung. Dafür weiß aber von Anfang an jeder Ehepartner, woran er ist, und kann für sich selber sorgen. Gütertrennung ist für den vermögenderen Ehepartner im Falle einer Scheidung die interessanteste Option. Da jedoch die Zukunft nicht vorhersehbar ist, kann man unter Umständen auch ein Eigentor schießen.
  • eine modifizierte Zugewinngemeinschaft. Ihr Ziel ist es, das während der Ehe erarbeitete (!) Vermögen auszugleichen. Nicht ausgeglichen werden je nach individueller Vereinbarung hingegen Wertsteigerungen von Vermögen, das die Partner in die Ehe einbringen oder während der Ehe erben, ebenso wenig wie Vermögen aus Unternehmen. "Die modifizierte Zugewinngemeinschaft ist heutzutage die beliebteste Option, für die sich 80 Prozent aller Paare mit Ehevertrag entscheiden", so Kistler.

Viele Paare wären mit einer der drei Optionen besser beraten als mit der unmodifizierten Zugewinngemeinschaft, davon ist Anwältin Kistler überzeugt: "Ein Ehevertrag kann auch während einer Ehe abgeschlossen werden – besser spät als nie!"

Viele Paare zögern trotzdem, während oder gar vor der Ehe Scheidungsvorsorge zu betreiben – als zu unromantisch gilt eine solche Vereinbarung, wenn man doch eigentlich im siebten Himmel schwebt. "Unromantisch ist es auch, Beziehungen auf Abhängigkeit aufzubauen. Das ist ohne Ehevertrag oft der Fall", erwidert Therapeutin Alexandra Hartmann. "Außerdem geht man ja auch zum Notar und schreibt sein Testament, ohne danach jeden Tag an seinen bevorstehenden Tod zu denken. Wenn man heiratet, sollte zwar eine starke emotionale Basis vorhanden sein. Doch es gibt auch eine sachliche Ebene: Eine Ehe ist ein Vertrag. Und wenn man sich liebt, sollte sie der für beide Seiten beste Vertrag sein. Ist der dann erst einmal besiegelt, kann das Paar ihn hoffentlich in eine Schublade legen und nie wieder auspacken."

Fazit: So vertragen sich Amor und Mammon

  1. Das Problem liegt nicht nur beim Partner: Dass einen Menschen Vermögensunterschiede in einer Beziehung belasten, hat weniger mit dem Partner oder der Beziehung als mit einem selbst zu tun. Es gilt, zuerst die eigene Haltung zu Geld, Haben, Nicht-Haben, Schenken, Beschenkenlassen und Verlieren zu erforschen. Steht man wirklich hinter dieser Einstellung, oder ist sie ein Relikt der Herkunftsfamilie oder einer früheren Beziehung?
  2. Reflektieren ist Silber, Reden ist Gold: Wenn finanziell der Schuh drückt, müssen Partner früher oder später darüber reden. Voraussetzung für funktionierende Finanzkompromisse ist jedoch, dass die Partner sich einig über den Stellenwert von materiellem Reichtum sind. Es ist gut erforscht, dass sich in puncto Wertvorstellungen Gleich und Gleich gesellen sollten. "Wenn einem Partner materieller Reichtum wirklich deutlich wichtiger ist als dem anderen, sind unlösbare Konflikte vorprogrammiert", warnt Alexandra Hartmann.
  3. Eine Ehe gleicht Vermögensunterschiede nicht automatisch aus: "Es ist ein Irrglaube, zu denken, dass eine Eheschließung automatisch die Finanzen beider Ehepartner ins Gleichgewicht bringt", betont Anwältin Kistler. "Die Versorgerehe gibt es nicht mehr, weshalb im Falle einer Scheidung jeder auf seine eigenen Wurzeln zurückfällt. Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin – das ist passé."
  4. Better safe than sorry: Eheverträge können Vermögensunterschiede ausbalancieren oder zumindest dafür sorgen, dass im Falle einer Trennung keine neuen, gravierenden Ungleichheiten geschaffen werden.

Die Antworten unserer Experten sind kein Ersatz für eine individuelle rechtliche oder psychosoziale Beratung.

nach oben

Ob du deinen BAföG-Satz ausrechnen, verschiedene Krankenkassen vergleichen oder die Höhe deines Studienkredits berechnen möchtest - hier findest du den passenden Online-Rechner.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (2)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. Anonym

    Test Test Test

  2. Anonym

    Test Test Test

Das könnte dich auch interessieren