Top-Verdiener: Die Formel für das 100.000-Euro-Gehalt

Autor*innen
Franziska Telser
Junger Geschäftsmann in fragender Pose bekommt Geld überreicht

Fünf Faktoren entscheiden mit darüber, wer in Deutschland sechsstellig verdienen kann. Eine exklusive Analyse zeigt, wer besonders gute Chanchen hat.

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Ein sechsstelliges Jahresgehalt ist in Zeiten der unsicheren Wirtschaftslage vergleichsweise selten: Nur 5,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verdienen mehr als 100.000 Euro brutto pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Jobplattform Stepstone. Wie schafft man es unter die wenigen Topverdiener? Eine exklusive Analyse der Jobplattform für das Handelsblatt zeigt: Leistung allein reicht nicht. Weitere Faktoren beeinflussen das Gehalt maßgeblich – von Branche und Berufsfeld bis zu Standort und Verantwortung. Insgesamt hat Stepstone 1,58 Millionen Gehaltsangaben von Vollzeitbeschäftigten analysiert, die im Zeitraum Januar 2022 bis November 2025 erhoben wurden. Basis ist das Bruttomediangehalt: 50 Prozent der Stellenangebote liegen darüber, 50 Prozent darunter. Diese fünf Faktoren erhöhen Ihre Chancen auf ein Topgehalt.

Faktor 1: Personalverantwortung in einem großen Unternehmen

Der wohl wichtigste Faktor für ein sechsstelliges Gehalt: Personalverantwortung. Wer bereits ein kleines Team mit bis zu vier Mitarbeitern leitet, hat eine mehr als doppelt so hohe Chance auf ein sechsstelliges Gehalt wie jemand ohne Führungsverantwortung. Unter denjenigen, die ein Team von mehr als 50 Mitarbeitern führen, verdienen rund 18 Prozent mehr als 100.000 Euro. Und von Chefs, die mehr als 100 Mitarbeiter leiten, verdienen 31,6 Prozent sechsstellig . "Wer über seltenes Spezialwissen verfügt oder zentrale Systeme, Produkte oder Prozesse verantwortet, kann auch ohne Führungsrolle sehr gut verdienen", sagt Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone. Dennoch knacken nur 2,6 Prozent der Beschäftigten ohne Leitungsfunktion die Marke von 100.000 Euro. 

Gute Chancen sieht Wittich vor allem in der IT, im Ingenieurwesen und in der Forschung. "Entscheidend ist dann weniger die Dauer der Berufserfahrung als die Qualität der Expertise." Auch die Unternehmensgröße zählt. Je größer der Arbeitgeber, desto wahrscheinlicher ist ein sechsstelliges Gehalt. In Firmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten liegt die Chance darauf laut Stepstone bei rund 13 Prozent. In Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern sind es nur gut zwei Prozent. Einen Unterschied macht zudem der Hochschulabschluss: 16,2 Prozent der Akademiker verdienen mehr als 100.000 Euro im Jahr. Bei Beschäftigten ohne Studium sind es nur 2,4 Prozent.

Faktor 2: Banken als Wegbereiter

Unter allen Branchen besteht in Deutschland die größte Chance auf mehr als 100.000 Euro Gehalt im Bankensektor: 17,5 Prozent der Beschäftigten verdienen dort sechsstellig. Mit Personalverantwortung steigt der Anteil auf mehr als 40 Prozent. Auch in der Pharmaindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt gibt es überdurchschnittlich viele Topverdiener. Michael Kind, Vergütungsexperte bei der Personalberatung Kienbaum, sieht hierfür mehrere Gründe. "Grundsätzlich sind das margenstarke Branchen", sagt er. "Hier wird viel Geld bewegt und verdient, sodass auch entsprechende Gehälter für diejenigen gezahlt werden können, die für diese Wertschöpfung sorgen." Hinzu kommt der Bedarf an hochspezialisiertem Wissen in diesen Branchen, etwa in Forschung, Produktzulassung, Patentrecht oder Regulatorik. Solche Fachkräfte sind rar. "Entsprechend hoch ist die Zahlungsbereitschaft", sagt Kind. 

Amra Ljaic leitet bei der Personalberatung Hays den Bereich Banking. Auch sie nennt Spezialwissen als einen der wichtigsten Hebel für ein Topgehalt. "Spezialisierte Rollen, vor allem im Bereich Investmentbanking, haben deutlich bessere Chancen als generalistische Positionen", sagt sie. Solche Jobs gehen allerdings oft mit 70-Stunden-Wochen einher. Es gebe aber auch andere Positionen, in denen Beschäftigte ein sechsstelliges Gehalt erwarten können – etwa in der Firmenkundenberatung.

Faktor 3: Know-how in Informatik und Informationstechnologie

In vielen Berufen bleibt ein sechsstelliges Jahresgehalt außer Reichweite, egal, wie qualifiziert ein Mitarbeiter ist oder wie hoch der Einsatz ist. Bei Beschäftigten, die sich für einen Beruf aus dem Bereich Informatik oder Informationstechnologie entscheiden, führen ihre Fähigkeiten aber vergleichsweise häufig zu einem Topverdienst. Knapp zwölf Prozent der Informatikexperten verdienen laut Stepstone mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr. Zum Vergleich: In der Unternehmensführung und Organisation sind es nur rund acht Prozent. Das liege laut Arbeitsmarktforscherin Wittich daran, dass in der IT mehr Fachkarrieren gefragt seien, die auch ohne Führungsverantwortung hohe Gehälter ermöglichen. "Spezialwissen, etwa in Softwarearchitektur, IT-Sicherheit oder komplexen Systemlandschaften, wird branchenübergreifend stark nachgefragt", sagt sie. In der Unternehmensführung und Organisation ist die Vergütung dagegen stärker an Hierarchien gekoppelt. "Hohe Gehälter entstehen dort vor allem in klar definierten Leitungsfunktionen – und deren Zahl ist naturgemäß begrenzt", sagt Wittich. 

Besonders gut verdienen IT-Fach- und -Führungskräfte, wenn sie in einem Zukunftsfeld arbeiten. Dazu zählt Künstliche Intelligenz (KI). "Wer ein KI-nahes Rollenprofil hat, etwa als Entwickler oder als Anwender mit tiefer Fachkompetenz, profitiert von einer hohen Nachfrage und damit von besseren Einkommensperspektiven", sagt Philipp Weingart, Managing Director Strategic Accounts bei der Personalberatung Robert Half. Gleiches gilt für Know-how in den Bereichen Cloud-Computing oder Cybersecurity. Laut den Gehaltsdaten von Robert Half verdienen etwa Chief-Security-Officer bis zu 173.000 Euro brutto im Jahr. Ein Cloud-Consultant kommt mit entsprechender Berufserfahrung im Schnitt auf 106.750 Euro.

Faktor 4: Arbeitsplatz in westlichem Bundesland

Neben Beruf und Branche entscheidet der Standort über das Gehalt. Im Regionalvergleich liegen die westdeutschen Länder deutlich vorn: In Hessen und Hamburg ist der Anteil der Spitzenverdiener mit 7,9 und 7,6 Prozent am höchsten. Schlusslichter sind die ostdeutschen Länder. In Thüringen verdienen nur 1,6 Prozent der Beschäftigten mehr als 100.000 Euro, in Sachsen-Anhalt 1,8 Prozent. Dieses Ost-West-Gefälle hat laut Dennis Alexis Valin Dittrich mehrere Gründe. Der Ökonom forscht für Stepstone an diesem Thema. Rund die Hälfte der Lohnunterschiede erklärt er mit Faktoren wie Wirtschaftsstruktur, Altersaufbau der Belegschaften und Arbeitslosenquote ."Auch Unterschiede bei Branchenmix, Tarifbindung und Unternehmensgrößen spielen eine Rolle." Entscheidend sei auch die schlechtere Markenbekanntheit. "Ostdeutsche Unternehmen haben erst mit der Wiedervereinigung Zugang zum Weltmarkt erhalten und ihre Marken und Produkte nicht so stark monetarisieren können wie westdeutsche Unternehmen."

Faktor 5: Das "richtige" Geschlecht

Nach wie vor macht sich auch der Gender-Pay-Gap – also die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern – bei den Topverdienern bemerkbar. Männer erreichen häufiger ein sechsstelliges Gehalt als Frauen: 6,8 Prozent der Männer verdienen mehr als 100.000 Euro, bei Frauen sind es nur 2,3 Prozent.

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