Anlagetipps zum Jahresstart: Wie Sie Ihr Geld in diesem Jahr anlegen sollten

Frau sitzt mit Laptop auf dem Schoß im Schneidersitz. In einer Hand hält sie Geldscheine, die andere Faust ist triumphierend gehoben, und sie lächelt.

Welche Aktien kaufen und welche meiden? Was ist mit Gold und Anleihen? Sechs Experten verraten ihre Anlagetipps für das neue Jahr.

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Gesundheitsaktien ins Depot nehmen

Carolin Schulze Palstring, Metzler

Die Vorzeichen für das Börsenjahr 2026 stehen gut. Nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen Regionen entlasten sinkende Leitzinsen Unternehmen und Haushalte. Zugleich sind neue Wachstumsimpulse durch staatliche Maßnahmen zu erwarten. Vor allem in Deutschland dürften erste positive Effekte des Fiskalpakets sichtbar werden und die Konjunktur nach langer Durststrecke wieder beleben. In den USA verliert das Wachstum zwar an Tempo. Steuererleichterungen und eventuelle Konsumstützen im Vorfeld der Zwischenwahlen Ende 2026 können die Nachwirkungen des Handelskonflikts jedoch abfedern.

An den Börsen überstrahlt das Thema der Künstlichen Intelligenz (KI) die klassischen Treiber des Wirtschaftswachstums. Ob wir einen andauernden Superzyklus erleben oder bereits die Vorboten einer Blase sehen, bleibt umstritten. Aus der Historie wissen wir jedoch: Die Pioniere bahnbrechender Technologien waren selten die langfristigen Marktgewinner. Anleger sollten sich demnach nicht nur auf die heutigen Profiteure konzentrieren, sondern vielmehr das gesamte KI-Ökosystem in den Blick nehmen – inklusive der Unternehmen, die neue Technologien bereits produktiv einsetzen.

Mit anderen Worten: breite Streuung und aktives Risikomanagement statt Indexinvestments in ETF. Eine sinnvolle Portfolioergänzung können zum Beispiel Aktien aus der Gesundheitsbranche sein. Demographischer Rückenwind, konjunkturunabhängige Nachfrage und medizinischer Fortschritt, nicht zuletzt durch KI, sprechen hier für langfristiges Wachstum. So entsteht ein Gegengewicht zu jenen Marktsegmenten, die irgendwann übersteigerte Erwartungen nicht mehr erfüllen können.

Auch mit Anleihen lassen sich 2026 reale Vermögenszuwächse erzielen. Ein ausgewogener Mix aus Staats- und Unternehmensanleihen mit mittleren Laufzeiten reduziert Wiederanlage- sowie Zinsänderungsrisiken und sorgt zugleich für auskömmliche laufende Erträge. In diesem Segment raten wir jedoch von Anleihen mit schwächeren Ratingnoten ab: Die derzeitigen Zinsaufschläge bieten aktuell keine ausreichende Entschädigung für erhöhte Ausfallrisiken.

Auf den M-Dax setzen

Jens Ehrhardt, DJE Kapital

Auf den ersten Blick sind die monetären und fiskalpolitischen Faktoren für die Entwicklung der Konjunktur und der Börse im Jahr 2026 positiv. Den zurückliegenden acht Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank könnten im neuen Jahr noch ein bis zwei folgen, was im Hinblick auf die Entwicklung der Inflationsrate realistisch erscheint. Anders als in anderen Konjunkturzyklen sind diesmal die langfristigen Zinsen nicht den Rückgängen der Leitzinsen im erwarteten Ausmaß gefolgt. Solange die langfristigen Zinsen aber nicht fallen, ergibt sich keine Entlastung am Immobilienmarkt oder für neue Investitionen.

Die eigentlich konjunkturell positive deutliche Steigerung der Neuverschuldung könnte ebenfalls den eigentlich zu erwartenden Rückgang der langfristigen Zinsen bremsen. Höhere Neuverschuldung ist immer konjunkturstimulierend. Wenn die Neuverschuldung aber so ungewöhnlich hoch ist, dass sie eine Belastung für den Anleihemarkt darstellt, kann die Konjunktur durch solche Maßnahmen via Zinsanstieg sogar gebremst werden. Einige Konjunkturbereiche und damit Aktiensektoren, die direkt von der höheren Neuverschuldung profitieren sollten, sind die Infrastruktur beziehungsweise die Unternehmen der Baubranche. Selektiv werden die Konjunkturmaßnahmen also mit hoher Wahrscheinlichkeit der Börse zugutekommen.

Kleinere Aktien benötigen weniger Liquidität als die großen Index-Schwergewichte, die in den vergangenen Jahren eine bessere Börsenentwicklung aufwiesen als die Nebenwerte. Der M-Dax hat zum Beispiel zuletzt regelmäßig schlechter abgeschnitten als der Dax. In Zukunft könnten aber die größeren Aktien gewinnmäßig schlechter abschneiden als kleinere Titel, weil sie stärker vom Export abhängen und damit sehr unter den Trump-Zöllen, Währungsturbulenzen und der wachsenden Konkurrenz aus China leiden. Kleinere Aktien sind auch – das gilt auch international – meist höher verschuldet als größere Aktiengesellschaften, was dazu führt, dass kleinere Aktien mehr von Zinsrückgängen profitieren.

Die Ausgangssituation am Anfang des Börsenjahres 2026 ist durch Aktienbewertungen gekennzeichnet, die sich zumindest in den USA nahe den Höchstständen der vergangenen hundert Jahre bewegen. Die Kennzahlen liegen sowohl in Deutschland als auch in den USA auf einer Höhe, in der in der Vergangenheit kaum Kursspielraum für die Aktienindizes nach oben gegeben war. Bei solchen Vergleichen muss man allerdings berücksichtigen, dass die Wachstumsunternehmen von heute weit weniger kapitalintensiv sind als die Wachstumsunternehmen der Vergangenheit. Durch die massive Investitionswelle in Künstliche Intelligenz in den USA könnte sich die Kapitalintensität allerdings vergrößern, was den Kennzahlenvergleich mit der Vergangenheit erleichtert. Teure Aktienbewertungen bedeuten nicht zwangsläufig eine Aktienbaisse. In der Regel ist das Potential für weitere Kursgewinne aber gering.

ABB kaufen, Finger weg von Palantir

Georg von Wallwitz, Eyb & Wallwitz

Das Jahr 2026 wird von geopolitischen Spannungen und einem massiven Ausbau physischer Infrastruktur geprägt sein. Lieferketten werden lokaler, Produktionskapazitäten sowie Energieversorgung ausgebaut, und die Revolution in der Künstlichen Intelligenz (KI) sorgt für einen Investitionsschub in Rechenzentren und bei der Automatisierung. Diese Trends sind nicht nur technologische Schlagworte, sondern handfeste Treiber für Kapitalströme – und sie eröffnen Chancen für Anleger, die auf Substanz statt Spekulation setzen.

Politisch bleibt die Lage volatil. Donald Trump misst der Börsenentwicklung hohe Bedeutung bei und wird immer gegensteuern, wenn die Kurse abtauchen. Das senkt kurzfristig die Crash-Gefahr, doch die Neubesetzung der Spitze der amerikanischen Notenbank Fed im Frühjahr könnte zum Stresstest werden: Sollte der Eindruck entstehen, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verliert, droht ein Vertrauensschock für Dollar und US-Staatsanleihen. Anleger müssen dieses Risiko im Blick behalten. Auch die KI-Euphorie birgt Fallstricke. Die Bewertungen vieler Tech-Titel sind ambitioniert, und 2026 dürfte die Frage nach ihrer Rechtfertigung erneut gestellt werden. Ich sehe kein zwingendes Explodieren der Kursblase, sondern eher ein langsames Hineinwachsen in die hohen Bewertungen. Dennoch gilt: Wer heute auf Hoffnung statt auf Barmittelzuflüsse (Cashflows) setzt, spielt ein riskantes Spiel.

Meine Empfehlung für 2026 lautet ABB. Der Schweizer Industriekonzern liefert Schlüsseltechnologien für Elektrifizierung und Automatisierung; genau das, was für den Ausbau der KI-Infrastruktur gebraucht wird. Energieeffizienz, Robotik und Netzstabilität sind die Engpässe der kommenden Jahre. ABB ist hier hervorragend positioniert und profitiert von einem strukturellen Investitionsboom.

Von Palantir würde ich hingegen die Finger lassen. Die Aktie steht sinnbildlich für den KI-Hype: hohe Erwartungen, aber schwache Fundamentaldaten. In einem Umfeld, das Qualität belohnt, sind solche Titel besonders anfällig für Rückschläge.

Dem Gold treu bleiben

Henning Potstada, DWS

Der Ausblick für 2026 bleibt positiv: Das aktuelle Umfeld könnte man mit dem englischen Begriff als "Goldilocks"-Szenario beschreiben, also als in jeder Hinsicht ideal. Anders gesagt: Weiterhin lockere Geldpolitik trifft auf robustes Wirtschaftswachstum und andauernde Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Viele Zentralbanken dürften ihren Lockerungskurs fortsetzen, vor allem von der US-Notenbank Fed erwarten wir weitere Zinssenkungen. Das globale Wachstum beschleunigt sich, und Risikoanlagen könnten davon profitieren. In unseren Misch-Portfolios setzen wir daher auf ein Übergewicht von Aktien sowie auf qualitativ hochwertige Firmenanleihen (Kategorie: Investment Grade), die von einem günstigen Zinsumfeld profitieren sollten.

Gleichzeitig erfordern Risikofaktoren wie hohe Bewertungen, politische Unsicherheiten und die wachsende Staatsverschuldung eine konsequente Streuung, zum Beispiel durch Anlagen in Gold. Das Metall bleibt trotz möglicher kurzfristiger Rückschläge als Absicherung wichtig – gerade angesichts hoher Staatsverschuldung und geopolitischer Risiken. Für den US-Markt erwarten wir, dass der S& P 500 bis Ende 2026 die Marke von 7500 Punkten erreichen wird. Dies wird durch zweistelliges Gewinnwachstum und starke Wertentwicklung der Technologie- und Kommunikationsaktien erreicht. Faktoren wie hohe Bewertungen und die Konzentration auf wenige, sehr beliebte Aktien sollten jedoch im Auge behalten werden, da sie Risikofaktoren darstellen.

Europa dürfte mit hohem einstelligem Gewinnwachstum in mehreren Sektoren punkten. Deutschland betrachten wir als attraktiv, da die beschlossenen Konjunkturmaßnahmen 2026 voraussichtlich ihre Wirkung entfalten werden. Trotz geringerer Dynamik im Vergleich zu den USA bieten Europas günstige Bewertungen und die geringere Abhängigkeit von Technologieaktien eine wertvolle Gelegenheit zur Streuung. Auch Schwellenländer erscheinen interessant: Sie profitieren von einem leicht schwächeren US-Dollar, sinkenden US-Zinsen und einer positiven Gewinnentwicklung.

Die oft gestellte Frage "Boom oder Blase?" würden wir damit beantworten, dass wir uns weiterhin in einer Boom-Phase befinden. Wir können noch keinen irrationalen Überschwang erkennen.

Lieber nicht auf ETF vertrauen

Johanna Kyrklund, Schroders

Wir sind für das Jahr 2026 positiv gestimmt, denn die Aktienmärkte werden weiterhin durch folgende Faktoren gestützt: eine positive Dynamik bei den Unternehmensgewinnen, sich gut entwickelnde Anleiherenditen, eine vorerst niedrig bleibende Inflation und die Aussicht auf weitere Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken. Mittelfristig mahnen die steigende Staatsverschuldung und das Potential für eine Beschleunigung der Inflation zur Vorsicht. Dieses Risiko ist in den nächsten sechs Monaten allerdings als niedrig einzuschätzen.

Unterm Strich erkennen wir nach wie vor Chancen. Die Hyperscaler, also Unternehmen, die Cloud-Computing- und Datenmanagement-Services anbieten, dürften weiter das Potential haben, hohe Umsätze zu erzielen. Wir sehen jedoch auch Möglichkeiten zur Streuung. So haben sich im Jahr 2025 beispielsweise sogenannte Value-Aktien außerhalb der Vereinigten Staaten gut entwickelt, also unterbewertete Aktien. Schwellenländeranleihen bieten eine bessere Dynamik und höhere Renditen nach Abzug der Inflation als Anleihen aus Industrieländern. Darüber hinaus können auch sehr spezielle Anlagearten wie "Infrastructure Debt", also Infrastruktur-Anleihen, zur weiteren Streuung in Betracht gezogen werden.

Entscheidend ist es, Risiken kalkuliert einzugehen und Positionen durch detaillierte Fundamentalanalysen zu untermauern, anstatt sie an die Gewichtung einer Aktie im Index zu koppeln. Dies ist angesichts der andauernden Indexkonzentration umso wichtiger, weshalb wir Indexfonds (ETF) skeptisch gegenüberstehen. Es scheinen sich nicht alle Anleger bewusst zu sein, welchen Klumpenrisiken ihr Portfolio ausgesetzt ist. Eines ist jedenfalls klar: Untätigkeit wird ihren Preis haben, und man wird die eigene Anlagestrategie den sich wechselnden Marktgegebenheiten schnell anpassen müssen, um erfolgreich zu sein. Die Gewässer werden zwar unruhiger, aber wir sehen immer noch Möglichkeiten, diese so zu navigieren, dass wir unsere Anlageziele erreichen. Es ist noch zu früh, um Schutz zu suchen.

In unbeliebte Aktien investieren

Bert Flossbach, Flossbach von Storch

Die Künstliche Intelligenz (KI) dürfte auch 2026 eines der großen Themen an den Kapitalmärkten bleiben. Befinden wir uns nicht längst in der nächsten Börsenblase, ähnlich der Jahrtausendwende, als der Internet-Hype die Aktienkurse vieler Unternehmen in aberwitzige Höhen trieb, ehe sie in sich zusammenfielen? Es bestehen kaum Zweifel daran, dass die KI-Entwicklung bahnbrechende Neuerungen mit sich bringen wird. Fortschritt hat kein Verfallsdatum. Es gilt aber auch, dass zukunftsfähige Technologien noch lange keine zukunftsfähigen Investments sein müssen.

Und auch wenn wir noch weit entfernt zu sein scheinen von den Bewertungsexzessen der Jahrtausendwende: Die Erwartungen an die zukünftige Ertragsentwicklung, die einzelne Tech-Aktienkurse derzeit reflektieren, müssen erst noch erfüllt werden. Insofern gibt es unseres Erachtens mehr Szenarien, in denen sich einzelne Kurse wieder halbieren könnten, als dass sie sich ein weiteres Mal verdoppeln. Heißt: Wir bleiben vorsichtig, wohl wissend, dass die Rally durchaus noch weiterlaufen kann. Es gibt jedoch keinen Boom, der nicht in Übertreibung endet.

Statt allein auf die vermeintlichen KI-Gewinner zu setzen, lohnt unseres Erachtens ein Blick auf Aktien von Unternehmen, die zwar weit weniger Wachstumsphantasie bieten, deren langfristige Ertragsentwicklung sich aber relativ verlässlich vorhersagen lässt. Dabei handelt es sich um Aktien von Unternehmen, die derzeit von vielen Investoren verschmäht werden. Als Branche ließe sich beispielhaft der sogenannte nicht zyklische Konsum nennen, zu dem beispielsweise die Aktien von Lebensmittelkonzernen und Gesundheitsfirmen gehören. Viele Titel aus diesem Bereich notieren auf Mehrjahrestiefs. Ihr Chance-Risiko-Verhältnis hat sich aus Sicht langfristig denkender Investoren in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Aber es braucht Geduld!

Eine Frage, die wir derzeit oft gestellt bekommen, ist die Frage nach dem Goldpreis. Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Anstieg ungebremst fortsetzen wird. Dennoch sollte Gold langfristig fester Bestandteil eines breit aufgestellten Vermögens sein. Gold ist eine gute Versicherung gegen die uns bekannten und gegen die unbekannten Risiken des Finanzsystems.

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