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"Soft Skills sind das, was uns von Robotern unterscheidet"

Arbeiten, Homeoffice, Frau, Sofa, Laptop, Handy  [Quelle: Pexels.com, Autor: Taryn Elliott]

Quelle: Pexels.com, Taryn Elliott

In unserer Arbeitswelt rücken – nicht zuletzt durch die Coronakrise – digitale Abläufe zunehmend in den Vordergrund. Um dennoch erfolgreich zu sein, sind veränderte Fähigkeiten nötig. Welche das sind und wie du diese zukunftsrelevanten Kompetenzen erlernst, verrät Autor und Speaker Dennis Fischer im Interview. 

Dennis, erleben wir deiner Meinung nach gerade einen Umbruch auf dem Arbeitsmarkt?

Ja und nein. Die Inhalte unserer Arbeit verändern sich nicht so stark. Meiner Meinung nach hat Corona jedoch einen großen Einfluss auf die Art, wie wir arbeiten. Insbesondere beim Thema Homeoffice gab es einen Umbruch. Ich weiß noch, wie mir ein Kunde vor dem Lockdown erzählte, dass Homeoffice in seiner Firma nur maximal einmal pro Woche möglich sei und eine gute Begründung dargelegt werden müsse. Zwei Wochen später arbeiteten alle Mitarbeiter der Firma dauerhaft remote – und das erstaunlich erfolgreich.

Viele bezeichnen diesen Zustand derzeit als "New Normal" und fragen sich, ob wir in Zukunft immer so arbeiten werden. Da lautet meine Antwort ganz klar "nein". Was wir derzeit erleben, ist ein Ausnahmezustand. Und selbst, wenn sich Corona nächstes Jahr ein wenig beruhigen sollte, werden wir mit zahlreichen "New Normals" konfrontiert werden. Unternehmen müssen meiner Meinung nach lernen, flexibel zu sein, wenn sie Mitarbeiter halten wollen und ihnen erlauben, zu arbeiten, wie und von wo sie wollen.

Welche Trends und Aufgabenbereiche werden die Arbeitswelt nach Corona prägen?

Kürzlich habe ich meine Blogleser gefragt, was sie derzeit beschäftigt. Sie nannten überwiegend zwei Dinge: Gesundheit und Hygiene am Arbeitsplatz sowie digitale Entwicklung und das Arbeiten von zuhause. Auf die Frage, welche Themen uns in einem Jahr am meisten beschäftigen werden, wurde überwiegend das Thema "Talente finden und Talente halten" genannt. Insbesondere für mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen wird es meiner Meinung nach zukünftig noch schwieriger werden, gute Talente zu finden und diese zu halten.

Außerdem ist auch die Aus- und Weiterbildung ein großes Thema. Wie müssen Arbeitgeber Mitarbeiter in digitalen Themen oder Soft-Skill-Themen schulen und welche Weiterbildungen werden benötigt? Diese Themen werden uns in den nächsten Jahren begleiten.

Future Work Skills – das klingt nach einem Buzzword. Was genau kann ich mir darunter vorstellen? 

Meiner Meinung nach lassen sich die wichtigsten Skills der Zukunft in drei Kategorien unterteilen, die ich mir wie eine Pyramide vorstelle. Die unterste Ebene sind Hard Skills, also Fähigkeiten, die wir auch in den nächsten Jahren noch durch Fleiß und Übung erlernen müssen. Das kann bereits an der Uni erfolgen.

In der mittleren Stufe der Pyramide befinden sich die Methoden-Skills. Darunter fallen vor allem agile Methoden, wie Design Thinking, Scrum, OKRs oder Kanban, aber auch hybride Projektmanagementmethoden. Das sind Fähigkeiten, die teilweise bereits an der Uni, aber vor allem im Unternehmen gelernt werden.

Soft Skills, die ich als Future Work Skills bezeichne, stellen für mich die Spitze der Pyramide dar. Dabei fokussiere ich mich auf Soft Skills, die wir in Zukunft für unsere Arbeit benötigen. Dieser oberste Teil der Pyramide wird in meinen Augen immer wichtiger. Denn schon heute sehen wir, dass Hard Skills immer mehr durch hilfreiche Programme ersetzt werden. Vor zehn Jahren konnte niemand außer Entwicklern eine Website programmieren, heute baut sich jeder mit den entsprechenden Baukästen seine Website in wenigen Stunden selbst. Die Soft Skills sind also das, was uns noch von Robotern unterscheidet.

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Future Work Skills und warum? 

Für mich gibt es neun besonders relevante Skills, die sich der Grafik entnehmen lassen. Lebenslanges Lernen ist die Essenz für alles und somit der wichtigste Punkt. Insbesondere während Corona merken wir, wie wichtig es ist, offen für neue Dinge zu sein. Während ein Teil sich verbarrikadiert und gehofft hat, dass alles schnell vorbeigeht, haben andere neue Fähigkeiten dazugelernt, sich mit neuen Programmen auseinandergesetzt und ihre Offline-Angebote in die Online-Welt umgezogen. Diese sind jetzt die Gewinner.

Empathie ist auch eine sehr wichtige Fähigkeit. Sich in andere hineinversetzen zu können, im Team offen zu kommunizieren und so besser zusammenzuarbeiten, ist ganz zentral in unserer heutigen Arbeitswelt. 

Ein dritter Punkt ist unternehmerisches und proaktives Denken und Handeln. Statt zu denken "Ich muss, ich kann nicht, ich darf nicht" sollten wir lernen, Dinge ausprobieren und loszulegen, ins Tun zu kommen und sich neuen Themen anzunehmen.

Diese neun Future Work Skills habe ich auf Basis verschiedener Studien und meiner eigenen Erfahrungen identifiziert. 

Future Work Skills (Quelle: Dennis Fischer, https://dennisfischer.com/future-work-skills/)

Inwiefern unterscheiden sich diese von Fähigkeiten, die in unserer aktuellen Arbeitswelt relevant sind? 

Ich glaube, sie unterscheiden sich gar nicht so sehr. Diese Skills sind auch heute schon relevant und waren das vermutlich auch schon vor zehn Jahren. Durch Themen wie Automatisierung oder Künstliche Intelligenz werden sie aber immer wichtiger. Je mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr müssen wir Menschen überdenken, was uns von der Maschine unterscheidet. Wer steuert wen und wo liegt unser Mehrwert?

Meiner Meinung nach sind Soft Skills das, was uns Menschen ausmacht. Das war zwar vermutlich auch schon vor dreißig Jahren aktuell, aber die Anforderungen an uns wandeln sich mit dem Einzug der Digitalisierung ständig. Denn heute geht es nicht mehr nur darum, wie wir unseren Tag mit Hilfe der Eisenhower-Matrix organisieren, sondern darum, alle Aufgaben, die ständig auf uns einprasseln, zu managen, und Herr im eigenen Haus zu werden.

Wie schaffe ich es, den neuen Herausforderungen gelassen zu begegnen?

Das Gegenteil davon, neuen Herausforderungen gelassen zu begegnen, ist, ihnen ängstlich zu begegnen. Angst und Respekt haben wir normalerweise vor den Dingen, die wir nicht kennen. Deswegen ist meine Empfehlung, an neue Herausforderungen spielerisch heranzugehen und die Dinge einfach auszuprobieren, ohne zu viel über die Konsequenzen nachzudenken.

So habe ich das beispielsweise mit Bitcoins gemacht. Ich habe mir welche gekauft und mir keine Gedanken darübergemacht, was passieren könnte. Dadurch, dass ich sie dann hatte, habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen und die Angst verloren. 

Wie erarbeite ich mir die genannten zukunftsrelevanten Kompetenzen? 

Zunächst ist es wichtig, herauszufinden, bei welchen Skills Bedarf zur Weiterentwicklung besteht. Im zweiten Schritt solltest du dich fragen, mit welchen konkreten Übungen du diese Fähigkeiten weiterentwickeln kannst.

Grundsätzlich ist es immer relevant, sich die richtigen Fragen zu stellen. Denn unsere Fragen beeinflussen die Art und Weise, wie wir denken. Wie wir auf Fragen antworten, beeinflusst unser Handeln und das beeinflusst wiederum die Ergebnisse, die wir erzielen. Dieser Kreislauf wird irgendwann zu unseren Gewohnheiten, die wir uns aneignen und damit auch zu unseren Fähigkeiten. Wenn wir mit den richtigen Fragen beginnen, können wir auch positiven Einfluss auf die anderen Bestandteile nehmen.

Beispielsweise beim Thema Empathie: Ich sollte mir immer die Frage stellen, wie sich der Kunde gerade fühlt, während er mir von seinem Problem berichtet. Ich muss versuchen, mich in seine Situation hineinzuversetzen, ohne meine eigene Meinung ins Spiel zu bringen. 

Wie schnell verlieren Future Work Skills in unserer schnelllebigen Zeit Ihre Aktualität?

Ich denke, dass Hard Skills an Aktualität verlieren und durch Algorithmen und hilfreiche Programme ersetzt werden. Future Work Skills, wie ich sie definiert habe, bleiben meiner Meinung nach auch in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren noch aktuell und wichtig, weil sie das Fundament des modernen Arbeitslebens bilden.

Hast du abschließend einen Tipp für diejenigen, die sich aufgrund von Kurzarbeit oder Jobverlust um ihre berufliche Zukunft sorgen? 

Ich war selbst auch einige Zeit arbeitslos und kenne einige, die es ebenfalls waren oder sind. Viele meiner Bekannten beschäftigen sich in diesen Zeiten mit dem Thema Weiterbildung und eignen sich neue Fähigkeiten an oder setzen sich mit unbekannten Themen auseinander.

Ich glaube während Corona und eventuell auch in der Arbeitslosigkeit sollten wir versuchen, neue Dinge zu lernen und Weiterbildungen zu absolvieren, uns Wissen aufzubauen, das uns – wenn die Wirtschaft wieder angekurbelt wird – im neuen Job, im alten Job oder auch beim Schritt in die Selbstständigkeit hilft, erfolgreich zu sein.

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