Erfolgreich gründen: Was Jungunternehmer mitbringen sollten

Autor*innen
Anna Lena Stahl
Idee Wachsen Investieren Unternehmen Erfolg [Quelle: KI-generiert mit ChatGPT]

Risikofreude, Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen: Viele Eigenschaften gelten als typisch für Unternehmer. Doch ob man das Zeug zum Gründer hat, entscheidet nicht alleine die Persönlichkeit.

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Rote Bete, Kürbis und Zucchini – Zutaten, die man eher in der Suppe als im Kuchen vermuten würde. Für Isabelle Forster gehören sie zum Grundrezept ihrer Geschäftsidee. Better Cakez entstand zunächst aus einem persönlichen Problem. Forster studierte Jura und hatte mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen.

"Ich dachte erst, das sei der Jurastress. Mir sind fast komplett die Haare ausgefallen, ich habe Akne bekommen und sehr stark abgenommen", erinnert sie sich. Nach langer Suche wurde bei ihr eine Gluten- und Laktoseunverträglichkeit festgestellt.

Auf Kuchen wollte die heute Einundreißigjährige trotzdem nicht verzichten. Also begann sie, in ihrer Dachgeschosswohnung eigene Rezepte auszuprobieren: Die Kuchen sollten möglichst gesund sein, gleichzeitig aber gut schmecken und für sie trotz ihrer Unverträglichkeiten geeignet sein. Zwei Jahre tüftelte sie daran. Ihre Freunde waren schließlich so begeistert, dass sie Forster ermutigten, nach ihrem Examen eine Bäckerei aufzumachen.

"Es ist immer eine Interaktion zwischen Umwelt und Persönlichkeit"

Bei der Gründung bekam sie Unterstützung vom sogenannten "Gateway Exzellenz Start-Up Center" der Universität zu Köln. Sie mietete zunächst eine kleine Küche an. Doch schon nach vier Monaten zog sie wegen der großen Nachfrage in eine deutlich größere Bäckerei um. Heute liefert Better Cakez seine Kuchen unter anderem an Supermärkte und verkauft sie online.

Dass das so schnell gehen würde, hätte Isabelle Forster nicht gedacht, als sie im Jahr 2004 gründete. Zuvor hatte sie diesen Schritt nie erwogen. "Ich hätte nie gedacht, dass dieser Weg für mich existieren kann", sagt sie. Vorgesehen war vielmehr der Jura-Abschluss und anschließend die Arbeit in einem "normalen Job".

Mona Mensmann zufolge, Professorin für Innovationsmanagement und Entrepreneurship an der Universität zu Köln, gibt es nicht die eine, unveränderliche Persönlichkeit, die eine Laufbahn als Unternehmer oder Unternehmerin vorbestimmt. "Es ist immer eine Interaktion zwischen Umwelt und Persönlichkeit", sagt sie. Die Umwelt spiele eine große Rolle, aber die Persönlichkeit könne gefördert werden.

Der Mythos vom Bulldozer-Gründer

Das Bild des selbstbewussten risikofreudigen Bulldozers halte sich aber hartnäckig: "Das Bild wird durch Personen befeuert, die wir stereotypisch als Unternehmer in unserem Kopf haben." Isabelle Forster sagt, sie sei früher eher risikoscheu gewesen. Mittlerweile sei das anders. "Ich glaube, man wächst da gezwungenermaßen auch ein bisschen rein." Mensmann zufolge zeigten Studien, dass risikofreudigere Personen eher gründen. Gleichzeitig führe hohe Risikofreude nicht unbedingt zu größerem Geschäftserfolg, "denn natürlich ist es wichtig, Risiken abzuwägen". Zu viel Risikobereitschaft sei nämlich nicht hilfreich. "Das Stereotyp, dass man alles auf Rot oder Schwarz setzen muss, um erfolgreich zu sein, ist aber weiterhin verbreitet."

Metaanalysen zeigten, dass einige Persönlichkeitsvariablen einen gewissen Einfluss hätten, sagt sie. Gewissenhaftigkeit und Offenheit etwa. Aber auch Eigenschaften die unternehmerischem Arbeiten näher seien, etwa Innovationsfähigkeit, Proaktivität und Leistungsdenken. Oft werde aber verschwiegen, wie wenig aussagekräftig diese Zuschreibungen mitunter seien. "Die Persönlichkeit ist nur ein kleines Puzzleteil in der Frage, was mich zu einer Gründung treibt und was mir Geschäftserfolg bringt." sagt Mensmann.

Besonders wichtig sei es, proaktiv zu sein, also selbst initiiert zu handeln und nicht nur auf Kunden oder Wettbewerber zu reagieren. Dafür könne Proaktivitätstraining hilfreich sein. Wie wichtig diese Beharrlichkeit sein kann, hat auch die Better-Cakez-Gründerin Forster erlebt. Gerade am Anfang habe sie aus ihrem Umfeld nicht viel Zuspruch bekommen. Gleichzeitig habe sie erlebt, wie ihre Community in den sozialen Medien wuchs und immer mehr Follower ihr schrieben. Das habe ihr Kraft gegeben und sie darin bestärkt weiterzumachen. Man müsse an sich selbst glauben.

Es muss nicht einer alles können

Dazu gehört Mensmann zufolge auch zukunftsorientiertes Denken: "Also nicht nur zu fragen, was eine interessante Idee ist. Sondern auch: Wie entwickelt sich der Markt möglicherweise weiter, und welche Chancen und Herausforderungen könnten sich daraus ergeben?" Hilfreich sei auch eine gewisse Persistenz: durchzuhalten, eigene Fehler auszuhalten und aus ihnen zu lernen.

Dass Gründer nicht alle dieselben Eigenschaften mitbringen müssen, zeigt das Beispiel von Nils Börner. Auch er hält es für wichtig, Entwicklungen früh im Blick zu behalten. Er sei im Arbeitsalltag aber weniger auf die Zukunft fokussiert: "Mein Co-Gründer Julius denkt sehr viel an die Zukunft. Ich fokussiere mich eher auf das Jetzt. Wir haben da sehr verschiedene Persönlichkeiten, und am Ende macht es die Mischung."

Börner ist einer von drei Gründern des Start-ups Transload. Es vermisst Packstücke in Logistikhallen mithilfe von bereits vorhandenen Sicherheitskameras. Die exakten Maße helfen Spediteuren, ihre Lastwagen besser auszulasten und basierend auf der tatsächlichen Größe abzurechnen. Börner wollte schon zu Beginn seines Masters ein Unternehmen gründen. An der Technischen Universität München (TUM) gibt es dafür ein entsprechendes Angebot: Studierende können ihre Master-Arbeit über eine eigene Gründungsidee schreiben.

Die Idee dafür entstand allerdings nicht am Schreibtisch. "Wir haben rund 40 Interviews mit Speditionen geführt und immer wieder dieselbe Frage gestellt: Was ist euer größtes Problem?" Zuvor hatte Börner eine andere Idee verfolgt und seine Master-Arbeit über die Routenoptimierung von Gabelstaplern geschrieben. Am Ende erwies sich das Vorhaben als schlecht skalierbar. Der Kontakt zu den Speditionen aber blieb und führte schließlich zur heutigen Geschäftsidee. Gegründet haben Börner und seine Mitgründer Julius Scheel und Jago Wahl-Schwentker Ende März 2026.

Deutschland hat ein Mindset-Problem

Studien zeigten, dass gelegentliche Rückschläge hilfreich sein können für die eigene Selbstwirksamkeit, sagt Mensmann. "Sie führen dazu, dass ich wieder Feedback annehme und nicht irgendwann denke: Ich weiß schon, wie es läuft."

Dadurch sei man in der Lage, am Unternehmen zu arbeiten und offen für Veränderungen zu sein. Fehler gehörten dazu, sie seien kein Scheitern. "Gerade in Deutschland ist das mit unserem kulturellen Mindset oft ein Problem", sagt sie. "Wir wollen alles richtig machen, und dazu gehört auch Fehlervermeidung."

Risikobereitschaft versteht Börner als etwas, das sich im Gründungsprozess zeigt und entwickeln lässt. "Es ist gut, wenn man versucht, hin und wieder zu scheitern." Es zeige: "Bin ich auf dem richtigen Weg, oder muss ich abbiegen?" Mehr Selbstbewusstsein und Mut habe er aber erst nach und nach entwickelt. Besonders während seiner Zeit in San Francisco bei Y Combinator, einem amerikanischen Gründerzentrum, habe er genau daran arbeiten können.

Doch auch wenn einige dieser Eigenschaften noch nicht vorhanden sind, würde Mensmann nicht vom Gründen abraten. Es sei möglich, daran zu arbeiten: "An der Universität Köln gestalten wir den Zugang zum Thema Entrepreneurship niedrigschwellig", sagt sie.

Studierende mit Interesse oder einer ersten Idee sollten die Möglichkeit bekommen, diese auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Das Start-up-Center bietet Veranstaltungen und Lehrformate an, in denen Studierende lernen, eine Geschäftsidee zu entwickeln oder zu pitchen.

"Diese niedrigschwelligen Angebote helfen dabei, das Gründen einfach mal auszuprobieren", sagt Mensmann. Es sei dort keine große Unbekannte mehr, und der Vergleich mit den vermeintlich perfekten Gründerpersönlichkeiten aus den Medien rücke in den Hintergrund. Natürlich gehe es auch darum, Studierende mit der nötigen Infrastruktur zu verbinden, mit Investoren, rechtlicher Beratung oder möglichen Mitgründern.

Wie kann der erste Schritt aussehen?

Auch wer schon im Berufsleben stehe, könne sich dem Thema schrittweise nähern, sagt sie. Oft sei das unternehmerische Ökosystem mit seinen Initiativen und Angeboten gar nicht bekannt. Es könne helfen, nach Workshops, Netzwerken oder anderen Anlaufstellen zu suchen und sich eigene Rollenvorbilder zu nehmen. Gerade für Frauen seien solche Vorbilder wichtig, weil sie weniger Unternehmerinnen fänden, mit denen sie sich identifizieren könnten.

Wie der erste Schritt aussehen kann, beschreiben Gründer aus ihrer eigenen Erfahrung. Isabelle Forster von Better Cakez rät dazu, sich anfangs möglichst viel Feedback einzuholen. Nicht jeder werde die eigene Idee gut finden, sagt sie. Deshalb sei es wichtig, sich von Kritik nicht zu sehr verunsichern zu lassen, sondern sie möglichst neutral anzuhören und zu hinterfragen, ob etwas davon für die eigene Idee relevant sein könne.

Für Nils Börner ist das Gründerteam entscheidend. Wenn Menschen das Gleiche anstrebten, falle vieles leichter. Ohne seine Mitgründer, sagt er, wäre die Entscheidung zu gründen "eine sehr harte und deutlich mutigere Entscheidung gewesen".

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