Die Karrierefrage: Wie werde ich als Jüngste:r im Team ernst genommen?

Autor*innen
Lena Meyer
Geschäftsleute stehen im Kreis, über ihnen schweben Glühbirnen, eine davon leuchtet. Ein Geschäftsmann hebt die Daumen hoch.

Für Berufsanfänger ist es nicht leicht, im Job eigene Perspektiven einzubringen. Vor allem, wenn viele Kollegen älter und erfahrener sind. Wie sich Einsteiger trotzdem sichtbar machen.

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Anfangs mochte Tobias seine Arbeit. Mit 23 Jahren hatte er eine Stelle in einer Versicherung ergattert, im Kfz-Schadenmanagement. Er war stolz darauf, so schnell eine Stelle gefunden zu haben und der Jüngste im Team zu sein. Der Rest der Belegschaft war 40 Jahre oder älter.

Doch schnell kam der Frust: Seine Perspektiven blieben unbeachtet, in Meetings kam er selten zu Wort und wurde noch seltener gefragt. Spannende Herausforderungen? Fehlanzeige. "Für mich bleiben nur die Bürschchen-Aufgaben", sagt er. Das demotivierte und frustrierte ihn. Also kündigte er.

Junge Mitarbeiter erleben häufig, dass ihnen ältere Kollegen wenig zutrauen. Vielleicht gelten ihre Ideen als naiv, ihre Sichtweisen als unreif und sie selbst als unzuverlässig. Rund 30 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer im Alter zwischen 21 und 30 Jahren haben solche Erfahrungen gemacht. Das ergab eine Umfrage der Recruiting-Plattform Stepstone.

Gepflegtes Äußeres als Grundvoraussetzung

Das Phänomen hat einen Namen: Adultismus. Die Wirtschaftspsychologin und Berufscoachin Britta Cornelißen aus Düsseldorf kennt dieses Verhalten. Höheres Alter, sagt sie, setzen die meisten Menschen mit Erfahrung und Kompetenz gleich. "Wer jung aussieht, sich jung gibt oder jung ist, wird leider als weniger kompetent eingeschätzt."

Auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit die Babyboomer-Jahrgänge besonders stark vertreten: Knapp ein Viertel der Erwerbstätigen ist zwischen 55 und 64 Jahre alt, das sagen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Damit hat Deutschland die älteste Arbeitsbevölkerung in der Europäischen Union. Am Arbeitsplatz prallen unterschiedliche Generationen mit ihren jeweiligen Arbeitsweisen, Erwartungen und Vorurteilen aufeinander. Wie Berufsanfänger mit Auftreten, Kommunikation und Körperhaltung gegenhalten können, erklären drei Experten.

Noch bevor das erste Gespräch beginnt, entsteht eine Meinung über die andere Person, die den weiteren Umgang prägt. Ein gepflegtes Äußeres ist daher Grundvoraussetzung, um positiv im Gedächtnis zu bleiben. "Damit zeige ich auch, dass ich den anderen respektiere", sagt Cornelißen. Die richtige Kleiderwahl ist ebenfalls entscheidend. Studien zeigen, dass sie einen Einfluss darauf hat, wie kompetent eine Person wirkt.

"Wenn niemand im Blazer erscheint, macht es keinen Sinn, einen zu tragen"

Einen Dresscode, der für jedes Unternehmen gilt, gibt es nicht. Aus diesem Grund sind bestimmte Kleidungsstücke auch nicht per se verboten, sagt Cornelißen. Berufsanfänger sollten sich aber grundsätzlich fragen, wie andere sie in der Kleidung wahrnehmen, und ob das zum Unternehmen passt. Kommen die anderen Mitarbeiter in Stoffhose oder Bluse zur Arbeit oder sind T-Shirts üblich?

"Wenn niemand anderes im Sakko oder Blazer erscheint, macht es keinen Sinn, einen zu tragen." Cornelißen rät Berufsanfängern, sich an den Gepflogenheiten des Unternehmens zu orientieren. Auf der Firmenwebsite oder Karriereplattformen können sie auch Bilder ansehen. Wichtig ist: Nur wer sich wohlfühlt, tritt selbstbewusst auf. "Ich kann auch in Sneakern und Jeans professionell und kompetent wirken", sagt sie.

Kleidung allein reicht aber nicht, um einen kompetenten Eindruck zu hinterlassen. Wichtig ist es, sein Wissen gezielt einzusetzen, sagt Annika Schach, Professorin für Public Relations an der Hochschule Hannover. "Junge Menschen bringen bereits Kompetenzen mit", sagt sie. Sie verfügen zum Beispiel über ein breites Verständnis für Digitalisierung und Social Media.

Wie kommuniziere ich mein Fachwissen richtig?

Darüber sollten sich Berufsanfänger im Klaren sein. Ihr Tipp ist es, das Wissen in dem jeweiligen Bereich zu vertiefen und sich so ein starkes Profil aufzubauen. Plant ein Unternehmen etwa eine Social-Media-Kampagne, können Berufseinsteiger mit Tiktok- oder Instagram-Erfahrung erklären, welche Plattform für wen geeignet ist und welche Inhalte dort gut funktionieren. In Meetings können sie so Hintergrundinformationen oder neue Sichtweisen beisteuern. "Das kann dazu führen, dass sie auf lange Sicht ernst genommen werden, obwohl sie noch nicht viel Arbeitserfahrung haben", sagt Schach.

Über Wissen zu verfügen, ist das eine. Es richtig zu kommunizieren, das andere. Schach empfiehlt, klare Ich-Botschaften zu verwenden und nicht problemzentriert zu kommunizieren. Statt "So solltet ihr das auf keinen Fall machen!" lieber "Ich habe einen Vorschlag. Darf ich aus meiner Perspektive etwas ergänzen?" So vermeiden Berufsanfänger ein vermeintlich anmaßendes Auftreten gegenüber Kollegen.

Wer noch neu im Unternehmen ist und im Meeting sofort Lösungsvorschläge parat hat, kann schnell als vorlaut, arrogant oder zu forsch rüberkommen. Kommunikationscoach Stefan Klager aus Köln rät deswegen, in den ersten Tagen und Wochen aktiv zuzuhören.

"Die Hände sollten nicht hektisch agieren"

Am Anfang geht es darum, die Abläufe und Sprache des Teams kennenzulernen. Wie werden Entscheidungen getroffen? Welche Probleme gibt es? Wie sprechen Mitarbeiter untereinander? "Wer aufmerksam zuhört und Fragen stellt, wirkt nicht passiv", sagt Klager. Im Gegenteil: Er zeigt Interesse und eignet sich gleichzeitig Wissen über die internen Abläufe in der Firma an.

Nach und nach sollten Berufsanfänger aber auch eigene Ideen einbringen. Klager rät, auch Beobachtungen als Fragen zu formulieren, etwa: "Mir ist aufgefallen, dass diese Prozesse so ablaufen. Warum ist das so? Was spricht dagegen, es anders umzusetzen?" So bringen Berufseinsteiger ihre Gedanken ein, ohne den Eindruck zu vermitteln, alles besser zu wissen. Diese Strategie führt dazu, dass Berufsanfänger im Team positiv auffallen. Im besten Falle fragen die anderen Mitarbeiter die junge Kollegin nach und nach, was sie zu bestimmten Abläufen sagt.

Bis das geschieht, ist Geduld gefragt: Der Prozess dauert mehrere Wochen bis Monate und variiert je nach Team, beteiligten Persönlichkeiten und Aufgaben, sagt Klager. "Entscheidend ist, dass sich Berufsanfänger ins Spiel bringen, ohne sich dabei wichtiger zu nehmen, als sie sind."

Auch Mimik und Gestik beeinflussen, wie präsent jemand in einem Gespräch wirkt. "Die Hände sollten nicht hektisch agieren", sagt der Kommunikationscoach. Stattdessen können Berufsanfänger sie gezielt einsetzen, um einen Sachverhalt zu unterstreichen. Klager rät außerdem, in Meetings aufrecht zu sitzen, die Schultern nach hinten zu drücken und Körperspannung zu halten. "Dadurch wirkt man aktiver und präsenter." Ein weiterer Tipp: Die Stimme bewusst nutzen. Wer ruhig und mit kräftiger Stimme spricht, wirkt selbstbewusster als jemand, der leise redet.

So trittst du selbstbewusster auf:

Tritt eine Frau zu direkt auf, wird sie schnell als zickig abgestempelt

Dass Adultismus für Berufsanfänger ein Thema ist, stellen alle drei Experten in ihren Beratungen fest. Vor allem aber auch, dass junge Frauen häufig stärker davon betroffen sind als junge Männer. Oftmals müssen Berufsanfängerinnen Sprüche wie "das junge Ding", "Mäuschen" oder "junge Dame" ertragen. Hinzu kommt: Tritt eine Frau zu direkt auf, wird sie von Männern schnell als zickig oder unsympathisch abgestempelt. Deswegen tendieren junge Frauen dazu, sich vorsichtiger auszudrücken als Männer.

Wer aber in seinem Satz Worte wie "vielleicht", "eventuell" oder "möglicherweise" nutzt, erscheint schnell unsicher. Wirtschaftspsychologin Cornelißen empfiehlt, solche Füllwörter wegzulassen. "Formulieren Sie eine klare Aussage", sagt sie. Statt "Ich hätte vielleicht eine Idee, könnten wir möglicherweise darüber sprechen?" lieber "Ich habe eine Idee, die ich gerne besprechen möchte."

Sie hat noch einen Tipp für junge Menschen im Beruf: Sie sollten sich die Erfolge vor Augen führen und sie aktiv benennen. "Mein Projekt ist beendet, ich möchte euch meine Ergebnisse zeigen" schafft mehr Sichtbarkeit für die Person und ihren Beitrag. "Ihr könnt was, sonst wärt ihr nicht in diesem Beruf", sagt Cornelißen.

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