Die Karrierefrage: Wie mache ich im Praktikum einen guten Eindruck?
- Martin Gropp
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Praktika sind für viele der Einstieg ins Berufsleben. Personalverantwortliche von Bayer, Henkel und Mercedes schildern, was sie von Bewerbern erwarten.
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Wenn Lutz Gellermann Abiturienten oder Studenten zu Praktika in Unternehmen berät, kommt ein Tipp fast immer zur Sprache. "Als Praktikant muss man sich sehr gut auf das Unternehmen vorbereiten, von dem man einen Einblick gewinnen will. Das reicht vom Geschäftszweck über die Struktur des Unternehmens mit Abteilungen und Fachbereichen bis zu der Frage, wofür ein Unternehmen steht", sagt Gellermann, der als Berater für akademische Berufe bei der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt arbeitet. Diese Vorarbeit sei Grundlage für einen guten Start. Egal ob im Bewerbungsgespräch oder am ersten Tag eines Praktikums: "Die erste Frage, die ein Praktikant gestellt bekommt, ist: Was weißt du über uns?"
Wie viele Menschen jedes Jahr diese Worte hören, ist nicht bekannt. Die Zahl der Praktikanten und Praktikantinnen wird – anders als zum Beispiel die Zahl der Auszubildenden – statistisch nicht erfasst; Schätzungen reichen von 500.000 bis zu gut einer Million Praktikanten jedes Jahr. Fest stehen dagegen die Ziele ihrer Tätigkeit: Praktika ermöglichen es zum Beispiel Studenten, einen oder mehrere Berufe kennenzulernen.
"Praktikant sein heißt: Ich will etwas lernen und meine theoretischen Kenntnisse abrufen und anwenden", sagt Gellermann. Gleichzeitig erfahren Praktikanten, wie der Alltag bei einem Arbeitgeber aussieht, und mitunter legen sie auf diesem Wege den Grundstein für einen späteren Berufseinstieg. Doch wie schaffen es Praktikanten, einen guten Eindruck zu hinterlassen, und welche Ansprüche haben die Unternehmen, die sie beschäftigen?
Neugierde und Lernbereitschaft unerlässlich
Geht es nach Markus Leffin vom Agrar- und Chemiekonzern Bayer aus Leverkusen, beginnt ein gewinnbringendes Praktikum mit dem auch von Berater Gellermann eingeforderten Interesse an einem Unternehmen. "Unsere studentischen Praktikantinnen und Praktikanten sollten vor allem neugierig und lernwillig will sein. Das können sie zum Beispiel in einem Vorstellungsgespräch zeigen, indem sie sich vorher mit der Bayer AG und ihren Geschäftsfeldern auseinandersetzen und entsprechende Fragen vorbereiten", sagt Leffin, der in der Personalabteilung von Bayer arbeitet und sich im sogenannten Future Skills Cluster abteilungsübergreifend um die Gewinnung von Nachwuchskräften kümmert.
Für den Konsumgüter- und Klebstoffhersteller Henkel hingegen stehen neben Neugier auch Eigeninitiative und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auf der Liste der gewünschten Eigenschaften. So formuliert es Oliver Wilhelms, Henkel-Personalleiter für Deutschland und die Schweiz. "Wir freuen uns über Praktikantinnen und Praktikanten, die offen für neue Perspektiven sind, über den eigenen Aufgabenbereich hinausblicken und den Mut haben, bestehende Denkweisen konstruktiv zu hinterfragen. Oft entstehen gerade durch frische Blickwinkel wertvolle Impulse", lässt sich Wilhelms in Statements auf Fragen zitieren, die er aus Termingründen schriftlich beantwortet hat.
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Besondere Vorbereitung nicht unbedingt notwendig
Welche Studienfächer für welche Praktikumsplätze vorausgesetzt werden, definieren die Unternehmen in den Stellenausschreibungen auf ihren Internetseiten. Wenn Studenten einen passenden Studiengang absolvieren und ihre Bewerbung auf einen Praktikumsplatz erfolgreich war, bedarf es meistens keiner weiteren gesonderten Vorbereitung auf die anstehende Praxisphase. "Ein Praktikum ist ja genau dafür da, neue Themen kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln", sagt zum Beispiel Nadine Becker, Teamleiterin Employer Branding und Talentmanagement des Autoherstellers Mercedes-Benz, ebenfalls in schriftlichen Antworten. "Trotzdem lohnt es sich, vorher kurz innezuhalten und sich zu fragen: Was will ich in dieser Zeit eigentlich lernen? Wer sich eigene Ziele setzt und seine Erwartungen klar formuliert, holt am Ende deutlich mehr aus der Praktikumszeit heraus."
Ähnlich sieht das Bayer-Personalfachmann Leffin: "Grundsätzlich gilt, dass ein Praktikum eine Lernerfahrung sein soll. Natürlich übernehmen Praktikanten mitunter auch einzelne Tätigkeiten in ihren jeweiligen Abteilungen, es geht aber nicht darum, die Arbeit eines Mitarbeiters zu ersetzen." Deshalb seien Grundkenntnisse in den jeweiligen Themen der Fachbereiche immer hilfreich, aber es müsse kein dezidiertes Spezialwissen vorhanden sein.
Worauf es im Praktikum ankommt
Wenn das Praktikum startet, setzen alle Unternehmen gewisse Grundtugenden als selbstverständlich voraus: Pünktlichkeit zum Beispiel, respektvollen Umgang miteinander, Zuverlässigkeit oder Ehrlichkeit. Dazu kommt eine Einstellung, die Berufsberater Gellermann als "Wachsein" bezeichnet, und die auch Bayer-Personalfachmann Leffin für wichtig hält: "Im Praktikum selbst geht es vor allem darum, präsent und interessiert zu sein, Fragen zu stellen, aber auch zuhören zu können. Es kann auch sinnvoll sein, schon im Vorstellungsgespräch zu klären, wie man am besten Engagement und Eigeninitiative ins Team einbringen kann."
Es sei für Praktikanten wichtig, zu verstehen, in welchem Umfeld sie sich bewegen und wie das eigene Team funktioniere. Bayer gebe den jährlich rund 600 bis 700 studentischen Praktikanten Hilfestellung mit einem internen Mentoring-Programm, dem sogenannte Buddy-System, sagt Leffin. "Jeder Praktikant hat einen festen Ansprechpartner, an den er sich mit Fragen wenden kann."
Henkel-Personalleiter Wilhelms rät Praktikanten vor allem, authentisch zu sein. "Die ersten Tage dienen dazu, das Unternehmen, das Team und die Aufgaben kennenzulernen. Wer Interesse zeigt, aufmerksam zuhört und offen auf andere zugeht, findet in der Regel schnell Anschluss. Man muss nicht sofort auf jede Frage eine Antwort haben – wichtig ist die Bereitschaft, zu lernen und mitzudenken."
Diese Offenheit helfe auch anzukommen, sagt Mercedes-Benz-Teamleiterin Becker mit Blick auf die rund 4500 Studenten, die jedes Jahr in dem Unternehmen ein Praktikum absolvieren. "Wer nicht wartet, bis er angesprochen wird, ist sehr schnell Teil des Teams. Und ich sage ganz bewusst: Man darf auch als Praktikantin oder Praktikant seine Meinung sagen – das ist ausdrücklich gewünscht."
Wer wie in Erinnerung bleibt
Wenn sich die Praxiszeit im Unternehmen dem Ende zuneigt, fragen sich Praktikanten oft, wie es gelingen kann, in Verbindung zu bleiben. Bayer-Fachmann Leffin rät auch hier zu Eigeninitiative: "Um in Kontakt zu bleiben, empfiehlt es sich, im letzten Drittel des Praktikums ein Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen und darin zu klären, ob es vielleicht als Werkstudent weitergehen oder eine Abschlussarbeit bei Bayer geschrieben werden kann." Wenn diese Bande geknüpft würde, profitiere auch das Unternehmen. "Praktika sind für die Bayer AG ein strategisches Instrument, um künftige Mitarbeiter zu gewinnen. Sie helfen uns zudem, eine stabile Beziehung zu den relevanten Hochschulen und ihren Absolventen aufzubauen", sagt er.
Um sich als Praktikant im Gedächtnis der ehemaligen Kollegen zu halten, helfe aus Sicht von Henkel-Personalleiter Wilhelms eine Mischung verschiedener Qualitäten: "Am stärksten bleibt in Erinnerung, wer nicht nur fachlich überzeugt hat, sondern auch menschlich. Praktikantinnen und Praktikanten, die engagiert mitarbeiten, Verantwortung übernehmen und sich als verlässlicher Teil des Teams zeigen, hinterlassen meist einen nachhaltigen Eindruck." Außerdem lohne es sich, die während des Praktikums aufgebauten Kontakte zu pflegen. "Gerade in einer vernetzten Arbeitswelt entstehen daraus oft langfristige Beziehungen und nicht selten zukünftige Karrierechancen."
Auch Mercedes-Benz-Teamleiterin Becker wirbt dafür, dass Praktikanten in Verbindung mit dem Unternehmen bleiben. Das lehre allein schon die Erfahrung: "Viele unserer Kolleginnen und Kollegen haben genau so bei uns angefangen."
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