Einstiegsgehalt nach dem Studium: Wie realistisch sind deine Gehaltsvorstellungen?

Autor*innen
Maya Rencken
Lächelnde Frau mit Geldbündel in der Hand

Kurzer Reality Check: Weißt du eigentlich, welches Gehalt dich nach dem Studium erwartet? Wie sehr deine Erwartungen sich mit den tatsächlichen Einstiegsgehältern von Absolvent:innen deiner Fachrichtung decken, erfährst du hier. Außerdem: Studis dieser Fachgruppen über- und unterschätzen ihr künftiges Gehalt. 

Wie viel du später einmal verdienen kannst, hat vermutlich deine Studienwahl mit beeinflusst und wirkt sich auf die Wahl deines Berufsfelds und Arbeitgebers aus. Wenn du dich dann für einen Weg entschieden hast, erwartet dich im Bewerbungsgespräch die Frage nach deinem Wunschgehalt. Damit du realistische Vorstellungen hast und erfolgreich verhandeln kannst, informier dich hier über die Einstiegsgehälter 2023.

Ein Blick auf die Daten

Welches Einstiegsgehalt Studierende erwarten, wird seit 2012 in der Studienreihe "Fachkraft 2030" erfasst. Unter der Leitung der Maastricht University wurden schon mehr als 400.000 Studierende befragt. Jedes Semester nehmen zwischen 10.000 und 25.000 Personen an der Studie teil.

Die zusammengefassten Studienergebnisse kannst du dir bei case und jobvalley genauer anschauen.

Gehaltserwartungen – Fact Check

Um herauszufinden, ob sich diese Vorstellungen mit der Realität decken, haben wir die Ergebnisse aus "Fachkraft 2030" mit den tatsächlichen Bruttoeinstiegsgehältern aus dem Jahr 2023 in Deutschland verglichen und diese nach Fachgruppen sortiert.

Dabei zeigt sich ein überraschender Trend: Bis auf die Rechts- und Geisteswissenschaftler:innen, zu denen hier auch Sozial- und Erziehungswissenschaftler:innen gezählt werden, unterschätzen Studierende der meisten Fachgruppen ihr Einstiegsgehalt.

Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich der Naturwissenschaften und der Mathematik: Das erwartete Gehalt von 47.000 Euro liegt rund 8.500 Euro unter dem, was Einsteiger:innen dieser Fachgruppe 2023 verdienten. Ähnlich verhielt es sich in den Bereichen der Ingenieurswissenschaften, Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Medizin und der Gesundheitswissenschaften:  Studierende dieser Fachgruppen unterschätzten ihr Einstiegsgehalt etwa um zwischen 1.500 und 3.500 Euro.

Studierende der Rechtswissenschaften hingegen erwarteten mit rund 58.500 Euro deutlich zu viel. Das tatsächliche Einstiegsgehalt lag bei rund 54.000 Euro, also etwa 4.500 Euro unter der Schätzung. Im Fachbereich der Geisteswissenschaften waren die Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit mit rund 1.000 Euro insgesamt am geringsten.

Weitere Faktoren

Neben der Fachgruppe entscheiden weitere Faktoren über die Höhe des Einstiegsgehalts: so etwa die Branche. Einsteiger:innen im Bereich Medizin verdienten rund 59.000 Euro, während das Einstiegsgehalt von Absolvent:innen im Bereich Pharmazie mit 45.000 Euro deutlich geringer ausfiel. Da beide Berufsgruppen in der "Fachkraft 2030" Studie im Bereich der Medizin- und Gesundheitswissenschaften zu einem Mittelwert zusammengefasst wurden, fallen die feineren Unterschiede zwischen den Erwartungen und dem ersten Gehalt weg.

Auch der akademische Grad hat einen Einfluss auf das Gehalt. So liegt das Einstiegsgehalt für Bachelor-Absolvent:innen bei ca. 49.000 Euro pro Jahr. Hängst du noch einen Master dran, erwarten dich bereits 51.000 Euro, während eine Promotion ein Einstiegsgehalt von rund 56.000 Euro verspricht. Allerdings hängt es stark von der Zielbranche ab, ob sich die längere Studienzeit für dich bezahlt macht.

Gehaltserwartungen in der Inflation

Neben dem Ergebnis, dass die meisten Studierenden ihr zukünftiges Einstiegsgehalt unterschätzen, kann man die Gehaltserwartungen mit den tatsächlichen Preissteigerungen vergleichen. Zwischen 2014 und 2023 stiegen die Gehaltserwartungen um 22 Prozent an, während die Preissteigerungen im selben Zeitraum bei 24 Prozent lagen.

Wenn man berücksichtigt, wie viel das Gehalt im Verhältnis zu aktuellen Preisen wert ist, hätten die Gehaltserwartungen ebenfalls um 24 Prozent mitansteigen müssen. Somit erwarten Studierende heute relativ gesehen etwas weniger Geld als noch vor zehn Jahren. Das liegt zum Teil daran, dass aktuelle Preissteigerungen bei der Gehaltserwartung noch nicht mitbedacht werden.

Gender Pay Gap

Ein weiterer Einblick zeigt, dass der Gender Pay Gap sich bereits in den Gehaltserwartungen widerspiegelt. So erwarten Frauen im MINT-Bereich 15 Prozent weniger zu verdienen als Männer. Im Nicht-MINT-Bereich liegt der erwartete Gender Pay Gap bei 17 Prozent. Leider liegt diese Lücke weiterhin nah an den realen Lohnunterschieden in den jeweiligen Fachbereichen. 

Wie realistisch sind die Erwartungen?

Wie stand es mit deiner Schätzung? Wie nah dran warst du und aus welchen Gründen? Um im nächsten Bewerbungsgespräch nicht zu wenig zu fordern, lies dir unsere Tipps für eine gelungene Gehaltsverhandlung durch. Damit du dich auch als Frau nicht unter Wert verkaufst, findest du hier spezifische Gehaltstipps.

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