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Tipps für den Dissertations-Endspurt

Doktorhut, Talar, Promotion, Mann, Abschluss [Quelle: unsplash.com, Autor: Muhammad Rizwan]

Quelle: unsplash.com, Muhammad Rizwan

Endlich ist die Promotion geschrieben. Jetzt musst du sie "nur noch" veröffentlichen. Aber auch dabei gibt es einiges zu beachten. Dr. Jan-Pieter Forßmann und Dr. Sandy Valerie Lunau von den wbg Publishing Services geben im Interview hilfreiche Tipps, wie du diese Herausforderung erfolgreich meisterst, welche Möglichkeiten dir offen stehen, worauf du achten solltest und welche Fehler du vermeiden kannst.

Um den Doktortitel zu erlangen, müssen Promovierende ihre wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen. Welchen Herausforderungen begegnen die meisten Promovierenden dabei?

Über die Veröffentlichung ihrer Promotion machen sich die wenigsten im Voraus Gedanken. Nach Abgabe der Doktorarbeit denken viele, alles hinter sich zu haben. Der Prozess der Publikation kann aber noch sehr aufwändig werden, zumal viele bereits neuen beruflichen Verpflichtungen nachkommen.

Teilweise verlangen die Gutachter umfangreiche Überarbeitungen oder Kürzungen, bevor sie der Arbeit das Imprimatur erteilen. Sich zu überlegen, wo und auf welche Weise man publizieren möchte, und sich hierzu die nötigen Informationen und Angebote einzuholen, kann ein längerer Prozess sein. Helfen können hierbei Seminare oder Online-Workshops zum Thema "wissenschaftliches Publizieren", die unter anderem von Universitätsbibliotheken oder Graduiertenakademien, aber auch von uns angeboten werden.

Darüber hinaus bereitet die Frage der Finanzierung so manchem Promovierenden schlaflose Nächte. Und letztlich erfordert die Publikation viel Engagement, was nicht wenige Feierabende oder Wochenenden kosten kann.

Welche Möglichkeiten zur Publikation gibt es?

Die meisten Promotionsordnungen sehen vor, dass die Arbeit in angemessener Weise der wissenschaftlichen Öffentlichkeit durch Druck oder gleichwertige Vervielfältigung zugänglich gemacht wird. In den Geisteswissenschaften wählen die meisten immer noch die Verlagspublikation, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Es reicht aber auch aus, eine elektronische Version der Arbeit über den Publikationsserver der jeweiligen Universität oder ein Open-Access-Portal zugänglich zu machen. Alternativen wie das Publizieren in Zeitschriften oder via Self-Publishing sind die Ausnahme.

Welche Vor- und Nachteile bergen diese Optionen?

Über eine Verlagspublikation erlangt eine Arbeit eine höhere Sichtbarkeit. Vor allem wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte bei einem renommierten Verlag veröffentlichen. In diesem Kontext sorgen akademische Schriftenreihen zudem für eine gute Wahrnehmung der eigenen Arbeit, da sie häufig von Universitätsbibliotheken abonniert werden und dadurch ein möglichst flächendeckender Erwerb garantiert ist.

Allerdings kann eine Verlagspublikation hohe Kosten verursachen. Onlinepublikationen bieten günstigere Alternativen, gewährleisten aber häufig keine breite Sichtbarkeit, die sich viele für ihre Ergebnisse wünschen. In diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass ein Verlag aber auch dazu verpflichtet ist, eine Dissertation in angemessener Weise einem entsprechenden Publikum zuzuführen, also Marketing und Pressearbeit übernimmt.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für die oft kostspielige Veröffentlichung?

Es gibt in Deutschland zahlreiche Stiftungen, die Beihilfen zur Drucklegung von Dissertationen vergeben. Einige davon fördern nur bestimmte Fachbereiche, andere exklusiv den weiblichen Nachwuchs und wiederum andere Menschen mit finanziell eher prekärem Hintergrund. Der Beantragungsprozess ist aber aufwändig und es gibt Fristen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig über Fördermöglichkeiten zu informieren.

Eine zusätzliche Einnahmequelle bietet die VG Wort, die die Nutzungsrechte und Vergütungsansprüche ihrer Mitglieder vertritt, indem sie einen angemessenen finanziellen Ausgleich für Autor:innen und Verlage bei der freien Vervielfältigung ihrer Werke sicherstellt. Die Einnahmen der VG Wort werden jährlich an die Mitglieder, die einen Wahrnehmungsvertrag mit ihr geschlossen haben, ausgeschüttet. Wer daran teilnehmen möchte, muss sein Werk lediglich bis Dezember des jeweiligen Erscheinungsjahres online gemeldet haben.

Worauf sollten Promovierende bei der Auswahl des Verlages achten?

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Verlagsauswahl stellt die thematische Ausrichtung des jeweiligen Verlagsprogramms dar. Viele Promovend:innen machen darüber hinaus ihre Entscheidung davon abhängig, welcher Verlag in ihrem Fachbereich den besten Ruf genießt.

In unseren Augen ist es heutzutage aber genauso wichtig, die Open-Access-Policy der Verlage zu vergleichen, da Open Access in der akademischen Welt immer wichtiger wird. Einige Verlage verlangen in diesem Zusammenhang hohe Gebühren oder setzen Sperrfristen. Generell sollte man die Publikationspakete und Geschäftsmodelle genau unter die Lupe nehmen. Manche Verlage locken zudem mit sehr niedrigen Druckkostenzuschüssen, gleichen dies jedoch durch horrende Buchhandelspreise oder nahezu vollständig automatisierte Veröffentlichungsprozesse aus, bei denen auf die Autor:innen noch jede Menge Arbeit zukommt. Wer Wert auf eine faire Preisgestaltung, persönliche Betreuung und Unterstützung im Publikationsprozess legt, sollte hier genau hinsehen.

Welche Möglichkeiten zur Veröffentlichung bieten Sie als wbg Publishing Services? Gibt es Unterstützung bei der Finanzierung?

Bei den wbg Publishing Services steht jedem eine gleichzeitige Print- wie auch Open-Access-Publikation offen. Die Titel werden in der Regel in unser Fachbuchprogramm aufgenommen und per Direktmarketing an unsere rund 85.000 Mitglieder beworben. Denn die Besonderheit der wbg besteht darin, dass sie nicht nur einen Verlag, sondern auch eine große Wissensgemeinschaft darstellt. Zwar bieten wir keine explizite Unterstützung bei der Finanzierung, bemühen uns aber um eine faire und transparente Preisgestaltung. Dadurch, dass wir unseren Publikationsprozess auf die Erfordernisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen zugeschnitten haben, können wir unnötige Kosten einsparen, was sich in einem angemessenen Druckkostenzuschuss niederschlägt.

Wie läuft der Prozess bei der Veröffentlichung ab?

Unsere Autor:innen reichen uns ein Manuskript ein. Dieses wird von uns geprüft und gegebenenfalls formal überarbeitet. Anschließend erklären die Autor:innen die Arbeit für satzreif, woraufhin unsere erfahrenen Satzdienstleister das Manuskript professionell setzen und layouten. In zwei Korrekturläufen überprüfen die Autor:innen, ob bei der Umsetzung des Satzbildes Fehler entstanden sind. Im letzten Schritt kümmern wir uns gemeinsam mit den Autor:innen um die Gestaltung des Einbandes und die Formulierung der Werbetexte.

Letztlich wird der Text für druckreif erklärt und kann erscheinen. Wir melden den Titel bei allen relevanten Stellen, sodass er über sämtliche von der wbg genutzten Vertriebskanäle erhältlich ist und auch von den Bibliotheken wahrgenommen wird. Auf Wunsch erstellen wir zeitgleich eine Online-PDF und stellen diese über unsere Verlagsseite im Internet zum kostenfreien Download zur Verfügung beziehungsweise übergeben sie einem von den Autor:innen ausgesuchten Repositorium.

Welche Fehler machen Promovierende Ihrer Erfahrung nach oftmals, und wie lassen sich diese vermeiden?

Vielen Promovend:innen fällt es schwer, sich beim Schreiben klare Grenzen zu setzen. Letztlich verursacht man sich durch zu viel Text nur doppelte Arbeit, da Betreuer:innen oder Verlage oftmals Kürzungen verlangen. Unser Tipp ist daher, schon beim Konzipieren der Arbeit das Themenfeld möglichst klar zu umreißen und beim Schreiben auch mal Mut zur Lücke zu haben! Themen und Aspekte, die nicht unmittelbar mit dem eigenen Forschungsgegenstand zu tun haben, kann man getrost weglassen.

Ein weiterer Punkt, der uns häufig begegnet, sind Schwächen in Rechtschreibung, Stil und Sprache. Daher kann es sinnvoll sein, in ein professionelles Korrektorat oder Lektorat zu investieren. Für unsere Autor:innen organisieren wir beides gerne und vermitteln an erfahrene und kompetente Expert:innen.

Haben Sie einen Geheimtipp, den Sie Promovierenden für die Veröffentlichung ihrer Arbeit mit auf den Weg geben möchten?

Bewahren Sie sich stets Ihre kindliche Neugier und die Freude am Staunen. Denn darin lag ja schon nach Platon und Aristoteles der Anfang jeder Philosophie und Wissenschaft – und damit verliert man aus unserer Sicht nie den Spaß an der Sache, im Zuge des bisweilen ziemlich nervenaufreibenden Forschungs-, Schreib- und Veröffentlichungsprozesses.

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