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Bessere Konditionen für Nachwuchswissenschaftler

Benjamin Lahusen hat für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz nur "kalte Verachtung" übrig. "Es ist skandalös, die Leute hängenzulassen, wenn sie mitten in ihrer Forschung sind", sagt er. Wenn man wie in Deutschland den politischen Anspruch habe, einen wissenschaftlichen Standort zu etablieren, dann sei ein solches Gesetz lachhaft. Unzufrieden mit diesem Status ist auch Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Früher gab es für Postdocs normalerweise Assistentenstellen, mit denen man mehr als 40.000 Euro im Jahr verdient hat", sagt er. "Doch die Hochschulen geben ihnen nun oft halbe und meist auf ein bis zwei Jahre befristete Mitarbeiterstellen." Damit sparen die Unis Geld und legen sich nicht so früh auf ihre Mitarbeiter fest. Postdocs können sich natürlich auch über Stipendien finanzieren, aber die sind schwer zu ergattern, und die Wissenschaftler müssen sich dann selbst versichern und um Arbeitslosen- und Rentenversicherung kümmern. 

Problematisch wirkt sich die Hire-and-Fire-Taktik vor allem auf ingenieurwissenschaftliche oder technische Berufe aus. In diesen Branchen sei es jetzt schon schwierig, gute Leute zu gewinnen, sagt Keller. Die TU München beispielsweise versucht dieser Entwicklung mit dem sogenannten Tenure-Track-Modell entgegenzuwirken. Hochqualifizierte junge Kandidaten werden dabei als Assistant Professor mit Aussicht auf eine dauerhafte Professur eingestellt – wenn sie die von der Uni erwarteten Spitzenleistungen erbringen. Gerade technische Unis stehen unter dem Druck, ihren Wissenschaftlern mehr Sicherheit zu bieten, da Ingenieur- und Naturwissenschaftler häufig von der Wirtschaft oder ausländischen Hochschulen abgeworben werden. »Braindrain« sagen Experten dazu. »Es besteht die Gefahr, dass man viele gute Wissenschaftler nicht halten kann«, sagt Andreas Keller. Vor allem Frauen entschieden sich für die Sicherheit und wechselten von der Wissenschaft in die Wirtschaft.

Die GEW wirft den Hochschulen vor, ihre Nachwuchswissenschaftler auszubeuten, und fordert mit Promotion ein Gehalt ab 4.000 Euro pro Monat sowie Mindeststandards für die befristeten Arbeitsverhältnisse. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen sich auch bei Zeitverträgen zu fairen Arbeitsbedingungen verpflichten, verlangt die GEW in ihrem »Herrschinger Kodex«. "Wenn Postdocs also etwa sechs Jahre brauchen, um ihre Ziele zu erreichen, dann muss auch die Vertragsdauer so lange angesetzt sein – wie eine Juniorprofessur", sagt Keller. Auch junge Wissenschaftler benötigten stabile Beschäftigungsbedingungen und berechenbare Karrierewege. "Acht von neun wissenschaftlichen Angestellten werden heute mit einem Zeitvertrag abgespeist, mehrheitlich mit einer Vertragslaufzeit von weniger als einem Jahr", kritisiert Keller. Das Thema ist inzwischen nicht mehr nur Sache der Gewerkschaften. Im Haus für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Jena oder im Zukunftskolleg in Konstanz werden zum Beispiel erste Beratungen für Wissenschaftler mit Existenznöten und finanziellen Sorgen angeboten.

Hanna Kauhaus etwa berät an der Uni Jena Postdocs, wie sie ihre Karriere besser planen, Beruf und Familie vereinbaren und sich selbst präsentieren können – sodass »sie nicht irgendwann einfach auf der Straße stehen«. Kauhaus weist die Postdocs zudem auf die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten hin und erklärt ihnen, welche Stipendien es gibt und wie man Forschungsanträge stellt. "Für viele sei es besser, sich um eine Stelle an der Hochschule zu bewerben, als sich durch ein Stipendium zu finanzieren", sagt sie. Die Wissenschaftler müssten sich besser vernetzen, und Frauen müssten gezielt gefördert werden, findet sie. Im Frühjahr startet etwa ein Mentoring-Programm des Uni-Verbundes Halle, Jena und Leipzig, durch das weibliche Postdocs einen Mentor von einer anderen Universität zugewiesen bekommen, der ihnen zur Seite stehen und sie dabei unterstützen soll, sich selbst ein solches Netzwerk auszubauen.

"Man lebt von der Hand in den Mund, und am Ende des Monats ist das Geld weg", sagt Katharina Heyden, die an der Uni Göttingen in Theologie habilitiert. Früher hat die Mutter von drei Kindern als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit einer Dreiviertelstelle 1.700 Euro netto verdient. "Zu wenig, um eine mehrköpfige Familie zu ernähren", sagt sie. Jetzt erhält die 35-Jährige als Hauptverdienerin der Familie Elterngeld und ein Stipendium in Höhe von 2.000 Euro. Doch das läuft in einem Jahr aus. Was danach kommt, weiß sie noch nicht. "Es ist ein Spiel mit dem Risiko." Sie selbst sei im Moment aber zufrieden, nicht zuletzt wegen ihrer Freude an der Wissenschaft. Für die Zukunftsvorsorge reicht das Geld jedoch nicht: Weder könne sie sich eine private Rentenvorsorge leisten, noch seien zusätzliche Versicherungen für die Kinder möglich.

Lahusen kann sich nicht vorstellen, die Forschung zu verlassen und einmal als Jurist in einer Großkanzlei zu arbeiten, auch wenn er da mehr verdienen würde. "Das ist einfach nicht meine Welt", sagt er. Da bleibt er vorerst lieber bei seinem geringen Gehalt und hofft auf eine Professorenstelle später. Professoren erhalten laut GEW je nach Besoldungsgruppe zwischen 50.000 und 90.000 Euro im Jahr und können sich mit Leistungsbezügen und Nebenverdiensten wie Buchpublikationen Geld hinzuverdienen. Doch diese Stellen sind begehrt, nur für wenige Wissenschaftler erfüllt sich dieser Traum. Lahusen will weiterforschen, auch wenn er nicht sicher sein kann, ob sich seine finanziellen Verhältnisse je verbessern werden. Und wenn es an der Uni nicht klappt, dann will er woanders arbeiten. Irgendwie, glaubt er, wird es schon weitergehen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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