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Nobelpreisträger Theodor Hänsch im Interview

Wie wurden Sie auf die Förderung des Europäischen Forschungsrats aufmerksam?

Die Förderung ist seit der Schaffung des Rats in aller Munde. Viele meiner Kollegen wurden schon gefördert und das Ganze hat sich als eine gute Quelle herausgestellt. Davor war alles sehr politisiert und man kam nur mit guten Verbindungen an Forschungsgelder.

Hat hier der Europäische Forschungsrat Abhilfe geschaffen?

Auf jeden Fall. Seitdem steht die Förderung allen offen. Vorher hatte man meist nur mit Industrieprojekten gute Chancen auf die Gelder. Dank der neuen Förderung hat es jetzt auch die Grundlagenforschung um einiges leichter.

Wie aufwendig war das Bewerbungsverfahren?

Gemessen an der Summe, die man bekam, war das Antragsverfahren völlig in Ordnung. Wie bei allen Projekten war immer noch viel Bürokratie dabei. Aber zum Glück gibt es mittlerweile an den Universitäten eigene Berater dafür.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Sie bekamen 2,39 Millionen Euro Fördergeld. Für welches Projekt wird dieses Geld verwendet?

Momentan arbeiten wir an neuartigen Anwendungen des Frequenzkamms. Das ist ein Messinstrument, mit dem man verschiedene Messgrößen ganz genau messen kann, zum Beispiel die Frequenzen von Laserlicht. Damit testen wir jetzt auch neue Anwendungen, die mit der ursprünglichen Funktion nichts mehr zu tun haben. Wir versuchen damit quasi, halbgebackene Brötchen soweit zu backen, dass sie schmackhaft werden.

Sie waren eine Zeit lang Professor an der Stanford University in Kalifornien, eine weltweit hoch angesehene Universität. Braucht auch Deutschland solche Elite-Unis?

Das hängt ganz davon ab, was man machen will. Wenn man im internationalen Wettbewerb mithalten will, ist es schwer, ohne solche Elite-Unis erfolgreich zu sein. Das ist ähnlich wie beim Sport. Dort treffen sich auch alle Spitzensportler bei der Olympiade und messen sich dort. Deutschland würde eine hoch renommierte Hochschule wie zum Beispiel die ETH Zürich in der Schweiz nicht schaden. Denn vor allem, wenn man in die Forschung gehen will, ist eine solide Grundausbildung wichtig. Und die erhält man mit den allerbesten Lehrern und kann dann weltweit mithalten.

Wie schlägt sich Deutschland als Wissenschaftsstandort im Vergleich zu den USA? Stehen wir dem Forschungs-Eldorado noch immer in Vielem nach?

Inzwischen müssen wir einen Vergleich nicht mehr scheuen Das Dritte Reich hat viele kluge Köpfe vertrieben, und unsere Universitäten wurden danach schnell groß gemacht, ohne dabei auf Qualität zu achten. Das hat sich vor allem in den letzten zehn Jahren stark verändert. Wir haben sehr viele gute Leute. Das hat sich auch erst vor kurzem bei der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gezeigt – die dort vorgestellten Arbeiten waren von hohem Kaliber.

Als Professor in Stanford hatten Sie Schüler wie den Nobelpreisträger Carl Wieman oder Steve Jobs. Was haben Sie Ihren Nachwuchswissenschaftlern damals mit auf den Weg gegeben?

Eine ganze Menge meiner damaligen Studenten sind auch Professoren geworden. Sie haben wohl gesehen, dass dieser Beruf Spaß machen kann. Irgendwas muss ich schon richtig gemacht haben. Am wichtigsten ist aber das, was von einem selbst kommt: ob man begeisterungsfähig ist und Feuer hat. Alles andere kann man lernen.

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