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Am anderen Ende der Welt

Auf dem Mount Eden bei Auckland [Quelle: Unsplash.com, Autor: Tim Marshall]

Quelle: Unsplash.com, Tim Marshall

Die USA waren zu teuer, England nicht weit genug weg. Marlene Frank entschied sich deshalb dafür, ihren LL.M. in Neuseeland zu machen, genauer an der University of Auckland. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen

Wann hast du den LLM absolviert?

Direkt nach dem ersten Staatsexamen, von Juli 2003 bis Oktober 2004.

War der LL.M. für dich die Alternative zur Promotion oder machst du beides?

Am Anfang war ich unentschlossen, ob ich beides in Angriff nehme. Inzwischen plane ich keine Promotion mehr, weil ich wahrscheinlich aus persönlichen Gründen für immer ins Ausland gehe und sie dort keine Bedeutung hat.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung zum LL.M.-Studium?

Ich wollte eine Pause von dem Lernstress des ersten Examens und nicht übergangslos in das Referendariat übergehen, wo ich nur wieder von vorne hätte mit Lernen anfangen müssen. Der LL.M. war eine gute Alternative zur Promotion, weil er zeitlich gesehen kürzer ist und ich ins Ausland gehen konnte.

Nach welchen Kriterien hast du dir das Studienland ausgesucht? Gab es Alternativen?

Ursprünglich wollte ich den LL.M. in den USA machen, da ich ein Fan dieses Landes bin. Preislich war mir das aber zu teuer und ein Stipendium habe ich leider nicht bekommen. England oder ein europäisches Land war mir zu nah. Als ich von dem Austauschprogramm mit Neuseeland hörte, habe ich mich gleich beworben. Australien wäre eine weitere Alternative gewesen, ist aber fast genauso teuer wie die USA. Neuseeland kannte ich bis dahin nicht, also eine gute Gelegenheit, es näher kennenzulernen. Außerdem glaubte ich, dass es aufgrund der Entfernung zu Deutschland wenig Deutsche gäbe – was sich dann als Irrtum herausstellte. Gerade wegen des deutsch-neuseeländischen Austauschprogramms nehmen sehr viele Deutsche am Programm teil.

Nach welchen Kriterien hast du dir die Uni ausgesucht?

Ich habe mich für die größte Universität Neuseelands entschieden. Erstens wegen der Bekanntheit, zweitens wegen des Programms und der Internationalität und drittens wegen der geographischen Lage. Die anderen Städte in Neuseeland liegen alle weiter im Süden und das Klima ist bedeutend kühler.

Wie zufrieden warst du anschließend mit deiner Wahl?

Ich bin immer noch sehr zufrieden mit meiner Wahl. Ich kenne die anderen Programme nicht und kann daher nicht vergleichen. Nachteilig war lediglich die Länge des Programms von anderthalb Jahren. Das soll meines Wissens nach jetzt anders sein, also bitte die aktuellen Programmdetails anschauen. Das Programm an sich ist sehr klein, das heißt, es sind nicht so viele Studenten aus anderen Ländern da. Wir entwickelten eine richtig eingeschworene Gruppe. Ich habe viele neue Freunde gewonnen und ein großartiges Land kennengelernt. Ich habe mich sehr gut erholen können von dem Universitätsleben in Deutschland und dem Examen. Mit meinen jetzigen Plänen wäre ein LL.M. in den USA besser gewesen, da er dort anerkannt ist und ich das Bar Exam hätte ablegen können. Der neuseeländische LL.M. wird dort ebensowenig anerkannt wie ein deutscher Abschluss.

Welche besonderen Herausforderungen hat dein Studienland mit sich gebracht?

Herausfordernd waren die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen. In der englischsprachigen Welt gibt es fast keine Präsenzbibliotheken mehr. Alles wird elektronisch mit Westlaw und LexisNexis recherchiert. Das bedeutet, dass man mit diesen Medien arbeiten lernen muss und vor allem mit der Menge an Daten zurecht kommen muss. Für die Bearbeitung eines Vergleichsaufsatzes mit europäischem, insbesondere deutschem Recht, heißt es aber auch, mit limitierten Ressourcen zu arbeiten, da man in der Regel keinen Zugang zu Beck-online oder Juris hat. Man musste auch lernen, seine Zeit richtig einzuteilen und die Abgabtermine einzuhalten. Mein LL.M. war ein Research-LL.M., wir mussten fünf Aufsätze schreiben. Man konnte also ohne weiteres mitten im Semester Urlaub machen, solange man die Arbeit fertigstellte. Mithilfe des Online-Zugangs konnte man auch ohne Probleme von zu Hause arbeiten.

Wie hast du das LL.M.-Studium finanziert?

Ich habe das Studium mithilfe meiner Eltern finanziert. Ich habe mich für ein Fulbright-Stipendium beworben, aber kein Glück gehabt. Einige Kollegen hatten ein DAAD-Stipendium oder einen DAAD-Kredit. Aufgrund des Austauschprogramms war das Studium nicht so teuer. Die Semestergebühr lag bei ca. 3000 Euro. Ich hatte etwa 800 Euro im Monat zur Verfügung und bin damit gut ausgekommen. Für Reisen muss man etwas mehr als die normalen Lebenshaltungskosten veranschlagen, besonders, wenn man die vielen attraktiven und günstigen Abenteuersachen wie Wildwasserrafting, Fallschirmspringen, Bungee, Höhlenbesuche mitmachen will. Als Rucksacktourist kann man aber auch günstig reisen.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten?

Teuer sind die Mieten und Lebensmittel. Was andere Kosten betrifft, waren die Preise nur halb so hoch wie in Deutschland. Das merkte man vor allem beim Ausgehen. Fast nirgends zahlt man Eintritt für die Clubs und die Drinks sind billig. Benzin ist bedeutend billiger als in Deutschland. Einige kauften ein Auto und verkauften es am Ende wieder, was aber auch zu bösen Überraschungen führen kann. Teure Kosten in der Planung sind auch der Flug und das Visum. Man sollte die ganzen Studiengebühren im Voraus zahlen, dann bekommt man in der Regel ein Visum für die ganze Zeit und erspart sich Aufwand und Geld für die Erneuerung. Ich habe auch zwei separate Flüge gebucht und nicht gleich zu Beginn einen Rückflug, denn jede terminliche Änderung kostet Geld. Es summieren sich jedoch auch die kleinen Preise und wenn man so weit weg geht, muss man unter Umständen alles neu anschaffen. Es hilft, sich vorab mit anderen Studierenden zu treffen, da diese meist etwas abzugeben haben, weil sie das Land verlassen, oder man liest Zeitungsannonncen und kauft Secondhand.

Waren der MBA oder andere Postgraduiertenprogramme eine Alternative für dich?

Für mich waren sie bisher keine Alternative. Ich habe mich nicht über sie informiert. Inzwischen denke ich aber, dass ein MBA eine sehr sinnvolle Ergänzung des Jurastudiums ist.

Wie bist du mit der Landessprache und den kulturellen Besonderheiten des Landes klar gekommen?

Englisch war für mich kein Problem. Aber an den speziellen Kiwi-Akzent muss man sich erst gewöhnen. Insbesondere schnell gesprochen, war es mir am Anfang fast nicht möglich, etwas zu verstehen. Nach ein paar Tagen ging es dann. Die Neuseeländer sind freundlich und meist sehr offen. Sie nehmen alles sehr locker, mit Ausnahme von Visa-Angelegenheiten. Man kommt gut mit ihnen zurecht. Zuweilen ist es schwer, Kontakte zu knüpfen. Da hat man mit anderen internationalen Studenten mehr Glück, denn diese kennen in der Regel auch niemanden und suchen Anschluss.

Wie ging es für dich nach dem LL.M. weiter?

Aufgrund fehlender Krankenversicherung in Deutschland durch das Ende des Studiums und damit der Studentenkrankenversicherung, habe ich mir die Zeit so eingeteilt, dass ich erst unmittelbar zu Beginn des Referendariats zurückkam. Am Anfang war es etwas schwierig, wieder in das deutsche Recht hinein zu finden, aber am Ende genügte ein Auffrischen des Stoffes zum Wiederholen.

Meinst du, dass sich das LL.M. Studium finanziell auszahlen wird?

Vorausgesetzt ich fange bei einer großen deutschen Kanzlei an, ja. Die Gehälter sind zu Beginn so gestaffelt, dass man mit Promotion oder LL.M. etwas mehr erhält. Kleine regionale Kanzleien können mit einem LL.M. meist nichts anfangen und erwarten eher eine Promotion.

Hat sich das LL.M.-Studium in Sachen Karriere gelohnt?

Rückblickend hätte ich den LL.M. in den USA machen sollen, denn dann hätte ich die Chance, das Bar Exam in den USA zu absolvieren und in den USA als Juristin zu arbeiten. Ein neuseeländischer LL.M. allein wird nicht anerkannt, es sei denn, man ist als Anwalt in Neuseeland zugelassen. Aus persönlichen Gründen werde ich vielleicht in den USA leben und kann mit dem deutschen Examen nicht praktizieren. Ich kann bis jetzt schwer abschätzen, ob sich der LL.M. in Sachen Karriere gelohnt hat. Menschlich und persönlich auf alle Fälle.

Hast du nach dem LL.M.-Studium überlegt, in deinem Studienland zu bleiben? Was sprach dafür/dagegen?

Um Anwalt in Neuseeland zu werden, muss man das Bar Exam dort absolvieren und ob man die Zulassung dafür erhält, ist fraglich. Das System ist anders als das deutsche, und es werden gemeinhin nur Abschlüsse anderer Common-Law-Länder anerkannt. Ich wollte nicht in Neuseeland bleiben, weil es mir zu abgelegen war. Man ist wirklich weit entfernt von Europa, Amerika und Asien. Australien ist das einzige Nachbarland. Auch das Klima hat mir nicht so zugesagt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Würdest du dich für dasselbe LL.M.-Studium noch einmal entscheiden?

Wahrscheinlich würde ich mich wieder für einen LL.M. entscheiden, eventuell in einem anderen Land. Aber auch ein MBA erscheint mir eine sinnvolle Alternative. Für mich steht auch der persönliche Aspekt im Vordergrund. Es ist gut, einmal aus Deutschland hinauszugehen und in einem fremden Land zu leben. Die Erfahrungen, die man gewinnt, sind einfach anders.

Welche Tipps gibst du zukünftigen LL.M.-Studenten?

Über die Universität kann man Kontakt mit deutschen Studenten, die sich derzeit dort aufhalten, aufnehmen und kann ihnen alle Fragen stellen. Die von der Universität angebotenen Intensivkurse waren sehr gut, da sie von renommierten ausländischen Professoren gehalten wurden. Nachteil dieser Kurse ist, dass es sein kann, dass ausschliesslich ausländische Studenten an ihnen teilnehmen. Neben dem Studium sollte man das Land und die Leute kennenlernen, man ist schließlich nicht alle Tage in Neuseeland.

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