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Kultur trotz Zensur

König Mohammed VI. von Marokko: Autokrat statt Demokrat

König Mohammed VI. von Marokko: Autokrat statt Demokrat

Die Kultur- und Programmabteilung konzipiert, plant und führt das Kulturprogramms des Goethe-Instituts durch, das in der Regel alle verschiedenen Kunstsparten umfasst.
 Meine Aufgaben war es vor allem, geplante Projekte und Veranstaltungen inhaltlich vorzubereiten und für laufende Veranstaltungen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen - von der Einladung bis zum Pressetext.
 Zudem gab es in der Verwaltung einiges zu erledigen: Etwa Korrespondenzen führen oder Informationen über die Gäste und Künstler des Goethe-Instituts recherchieren und zusammenstellen. Und natürlich besuchte ich die Veranstaltun- gen des Instituts und die der anderen Kulturinstitute in Rabat, um auch deren Programm kennen zu lernen.
 

Wenn die Läden je nach Sonnenstand öffnen
 Sehr interessant, reich an Erfahrungen und Anekdoten war mein Aufenthalt in Marokko, denn hier trifft man auf eine andere Welt. Vor allem die Kultur, die Gesellschaftsstruktur, die Mentalität und das soziale Verhalten unterscheidet sich deutlich von unseren. Das Alltagsleben und Denken werden stark vom Islam bestimmt: So werden während des Fastenmonats Ramadan die Arbeits- und Geschäftszeiten den Zeiten des Fastenbrechens angepasst, die sich nach dem Einbruch der Dunkelheit richten und somit täglich verschieben. Für uns ist es unvorstellbar, dass während eines Monats täglich mindestens eine Stunde weniger gearbeitet wird. Zudem richten sich die muslimischen Feiertage nach dem Stand des Mondes, weshalb man erst wenige Stunden vorher erfährt, an welchem Datum der betreffende Feiertag stattfinden wird.
 

Kino, Theater oder eine Literaturszene gibt es kaum
 In Marokko trifft man auch auf eine völlig anderes Kulturverständnis. Unsere Hochkultur und kulturelles Leben haben hier keine Tradition und sind daher den meisten Marokkanern fremd. Sie kennen es nicht, in Ausstellungen zu gehen, Film und Kino sind noch sehr junge Erscheinungen. Auch Theater, Opernhäuser, Sinfonieorchester und Tanzensembles gibt es ebenso wie eine Lese- und Literaturkultur fast gar nicht.
 In einem solchen Land deutsche Kultur und Kunst zu vermitteln gestaltet sich als besonders schwierig. Der Großteil der Bevölkerung nimmt kaum am kulturellem Leben teil - abgesehen von den wenigen traditionellen Veranstaltungen, zu denen hauptsächlich arabische und berberische Musik und Tanz zählen. Zudem fehlt Marokko die nötige kulturelle Infrastruktur. Den Großteil an kulturellen Veranstaltungen bieten die ausländischen Kulturinstitutionen und Botschaften.
 

Kulturarbeit, wo es keine Meinungsfreiheit gibt
 Das Goethe-Institut fasst den Kulturbegriff relativ weit. Das heißt, dass es nicht nur Veranstaltungen zur so genannten Hochkultur anbietet, sondern sich auch politischen, gesellschaftlichen und umweltpolitischen Themen widmet. Hier zu arbeiten ist in Marokko schwierig, da in der Bevölkerung kaum ein politisches Bewusstsein vorhanden ist und auch nicht gebildet wird. Zudem werden die Inhalte kultureller und politischer Veranstaltungen von staatlicher Seite kontrolliert und eventuell auch zensiert. Die gesellschaftlichen Tabus sind zahlreich: Sexualität, Gleichberechtigung und staatliche Politik gehören dazu. Setzt man hier zu stark auf Konfrontation und überschreitet die Toleranzgrenze, riskiert man neben der Verletzung der marokkanischen Gesellschaft ein eventuelles Verbot einer Veranstaltung. Zudem hat man dann langfristig einen schwierigen und kritischen Stand als Veranstalter.
 

Warum junge Marokkaner nach Europa wollen
 Doch nicht nur aufgrund der Dominanz von Religion und autoritärem Königreich ist Marokko eine andere Welt, sondern auch wegen seines Entwicklungsstandes. Es gibt keine gesetzlichen Krankenversicherungen, die öffentlichen Krankenhäuser sind in einem katastrophalen Zustand, manche Dörfer sind ohne fließendes Wasser und Strom. Die hohe Arbeitslosigkeit belastet das Land sehr und für die jungen Leute hier gibt es kaum berufliche Perspektiven. Daher lässt sich auch der Traum vieler junger Marokkaner verstehen, nach Europa auswandern zu wollen - von dem sie aber leider verblendete und klischeehafte Vorstellungen haben. Hinzukommt, dass die meisten beruflich sehr schlecht qualifiziert sind, was am niedrigen Niveau sowie den unzureichenden Lehrkräften und Lehrmitteln an den meisten Unis liegt.
 

Nur kleine Schritte führen zum kulturellen Dialog
 In einem solchen Rahmen Kulturarbeit zu leisten, ist eine sehr spannende und auch schwierige Aufgabe. Denn man ist hier mit ganz anderen Schwierigkeiten und Erwartungen konfrontiert. Doch für mich war es auf alle Fälle eine bereichernde Erfahrung, die Kulturarbeit des Goethe-Instituts in Marokko kennen zu lernen (vor allem nach meinem vorherigen Praktikum am Goethe-Institut Stockholm). Deutlich ließ sich feststellen, wie unterschiedlich die Aufgaben der Institute und die an sie gerichteten Erwartungen in verschiedenen Kulturkreisen sein können.
 Durch die Konfrontation mit einem arabisch-islamischen Land wurde ich mir noch einmal stark meiner eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Prägung bewusst.
 Klar wurde mir auch, dass es aufgrund der unterschiedlichen Geschichte, Entwicklung und Tradition von Deutschland und Marokko, schwierig ist, einen kulturellen Dialog aufzubauen und zu führen. Jedoch glaube ich daran, dass sich diese beiden Länder nach und nach einander nähern können und ein Dialog zu Stande kommt - oder schon angefangen hat.

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