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Menschenrechte in Bangladesch

Fischer in Bangladesch

Fischer in Bangladesch

Die Tätigkeit an der Botschaft war vielseitig und ganz anders, als die übliche Arbeit eines Rechtsreferendars. Die streng juristische Arbeit stand weniger im Vordergrund, der Schwerpunkt lag vielmehr auf menschenrechtlichen und entwicklungspolitischen Fragen.
 

Folter, volle Gefängnisse und Korruption
 Die Rechtswirklichkeit in Bangladesch unterscheidet sich eklatant vom gesetzten Recht. Nach seiner Verfassung ist das Land zwar ein demokratischer Rechtsstaat, jedoch sind Folter durch Polizei, Verfolgung von Journalisten, willkürliche Verhaftungen und übervolle Gefängnisse an der Tagesordnung. Zudem grassiert die Korruption. Jährlich berichtet die Botschaft über die Lage und aktuelle Entwicklungen der Menschenrechte in Bangladesch. Dazu habe ich in Kooperation mit internationalen und lokalen NGOs Informationsmaterial gesammelt und ausgewertet. Wichtig war aber auch der persönliche Kontakt zu Mitarbeitern lokaler Menschenrechtsorganisationen, den ich selbständig wahrnehmen konnte.
 

Jeder Tag ein Generalstreik
 Anschaulich kann man so den politischen Alltag junger Demokratien in Entwicklungsländern beobachten. Demonstrationen mit kurzfristigen generalstreikartigen Blockaden des öffentlichen Lebens sind an der Tagesordnung, Korruptions- und Verschwörungsvorwürfe der jeweiligen Oppositionspartei gehören zur Propaganda. Die Opposition entzieht sich streckenweise sogar der Teilnahme an Parlamentssitzungen. Insgesamt sind das Symptome einer fragilen oder gar fehlenden demokratischen Kultur. Sie hemmen das Land in seiner wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Auch die Lage von Frauen ist katastrophal. In dem patriarchalischen, muslimischen Land werden sie stark benachteiligt und diskriminiert.
 

Die Bedeutung von NGOs
 Nichtregierungsorganisationen nehmen in Bangladesch zentrale Funktionen im sozialen Bereich wahr. So sammeln sie Informationen über Kriminalität und Menschenrechts- verletzungen und versuchen, die Bevölkerung über ihre Grundrechte aufzuklären. Gleichzeitig bieten sie Hilfe für Gewaltopfer an. So besuchte ich eine Organisation, die sich um die ärztliche und juristische Betreuung von Folteropfern kümmert, und eine Einrichtung, die ungewollt Schwangere und Mütter versorgte, die von ihren Familien verstoßen wurden. Die Jüngste war gerade 13. Neben Kinderbetreuung und einer Unterkunftsmöglichkeit bietet das Zentrum Schulunterricht für die Frauen, die meist Analphabeten sind. Außerdem gibt es Kurse im Nähen und Schneidern. Ungewöhnlich war auch die Projektbesichtigung in einem Bordell, in dem eine Organisation neben einem HIV-Aufklärungsprogramm ein Erziehungs- und Schulungsheim für rund 50 Kinder von Prostituierten betrieb. Das soll verhindern, dass die Kinder selbst zu Zuhältern oder Prostituierten heranwachsen.
 

Was kann die Botschaft tun?
 Regelmäßig wurde die Möglichkeit finanzieller Unterstützung erörtert. Die Botschaft kann Kleinstprojekte bis 7.500 Euro selbständig fördern. Daneben können Mittel für die Menschrechtsarbeit beim Auswärtigen Amt beantragt werden. Eine wichtige Rolle spielt auch die deutsche Hilfsorganisation NETZ e. V., die Fördermittel aus dem Bundeshaushalt und aus Spenden mobilisiert. Sie führt eine Reihe von Projekten in Bangladesch durch. Wer an einem längerfristigen Praktikum in einer NGO vor Ort interessiert ist, sollte mit NETZ Kontakt aufnehmen. Auch Juristen werden für die Mitarbeit in Rechtsberatungszentren oder Menschrechtsorganisationen gesucht. Die Teilnahme an einem derartigen Projekt bietet sich insbesondere als beruflicher Einstieg bei Nichtregierungs- organisationen für die Arbeit im Bereich Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit an.
 

Freundschaft mit Bangladeschis
 Insgesamt war die Station an der Botschaft in Dhaka die abwechslungsreichste Tätigkeit während des gesamten Referendariats. Als kleine Vertretung bietet Dhaka einen Einblick in sämtliche Arbeitsbereiche der Botschaft. Man erhält dadurch einen umfassenden Eindruck der rechtlichen, sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Aufgaben einer Auslandsvertretung. Positiv ist auch die vollständige Einbindung in Aufgaben aus sämtlichen Bereichen der Behörde und die hohe Selbständigkeit, mit der man seine Arbeit verrichten kann. Gleichzeitig erfordert ein Aufenthalt in Bangladesch aber auch die Bereitschaft, sich auf gänzlich andere Lebensumstände einzulassen. Die Situation in einem der ärmsten Entwicklungsländer stellt erhebliche Anforderungen an die persönliche Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Belohnt wird man aber durch einmalige Erfahrungen. Man kann nicht nur Freundschaften mit Bangladeschis schließen, sondern lernt viele interessante Ausländer kennen, die in der Entwicklungshilfe tätig sind. Die Sicherheitslage für Ausländer ist gut. Viele Botschaftsveranstaltungen und Ausländerclubs gestalten auch die freie Zeit in Dhaka sehr angenehm.

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