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Manche schließlich entdecken ihre verstecken Talente eher zufällig. So wie Christin Ziemek. Die gelernte Tourismuskauffrau für Geschäftsreisen hatte sich lange keine großen Gedanken über ihr Tun gemacht, im Job war sie zufrieden, auch sonst fehlte ihr nichts. Doch dann kam Corona – und mit dem Virus die Kurzarbeit bei ihrem Arbeitgeber Baldaja. Bis dahin hatte die 25-Jährige für Firmenkunden, die sie anriefen, Geschäftsreisen gebucht. Jetzt klingelte aber keiner mehr.

Ziemeks Chef Michael Holdkamp erkannte schnell, dass die Krise nicht zügig vorüberziehen würde. Also begann er nach alternativen Geschäften zu suchen. In nur vier Wochen entwickelten Holdkamp, Ziemek und ihre Kollegen eine digitale Plattform, über die Kunden virtuelle Konferenzen abhalten können. Möglich war das, davon ist Holdkamp überzeugt, nur deshalb, weil er sich regelmäßig Gedanken über die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter macht. Mindestens einmal im Quartal spricht er mit jedem der 35 Angestellten, notiert im Nachgang deren Stärken. Diese überprüft er im nächsten Gespräch, um nicht einer Momentaufnahme aufzusitzen. An Christin Ziemek war ihm schon früh aufgefallen, wie gut sie sich ausdrückte und wie leicht sie andere von einer Sache überzeugen konnte. Deshalb ist ihr Job nun, Kunden für das neue Produkt zu finden. "Das passt zu mir", sagt Ziemek. Sie ist selbst von ihrem neu entdeckten Talent überrascht.

Leif Rau weiß längst, was ihm gefällt: draußen anpacken, statt drinnen die Dinge zu analysieren. "Mir gefällt es, abends zu sehen, was ich geleistet habe", sagt der Gemüsegärtner mit Blick auf die geernteten Salatköpfe. Ob ihn das auch in zehn Jahren noch glücklich macht, ist eine andere Frage. Dessen ist sich Rau bewusst und kann sich deshalb gut vorstellen nach seiner Ausbildung noch ein Studium draufzusatteln. Die Vorarbeit, in Form der Talentsuche, hat er ja bereits abgeschlossen.

Neustart nicht nötig

Denn nicht jede Umorientierung im Job muss ein radikaler Neustart sein, beobachtet auch Karriereberaterin Madeleine Leitner. Im Gegenteil. "Die wenigsten sind im völlig falschen Beruf gelandet." Nur etwa drei bis fünf von 100 Klienten bräuchten einen kompletten Neuanfang. In den meisten Fällen würden die bestehenden Talente nicht ausreichend gefördert. Dann reiche es etwa, den Arbeitgeber zu wechseln, neue Aufgaben zu übernehmen oder eben sich mittels Weiterbildung neue Möglichkeiten im alten Umfeld zu erschließen.

Auch Christin Ziemek denkt trotz aller Erkenntnis nicht darüber nach, ihren Job hinzuwerfen. Und das ist wahrscheinlich richtig so. Die Verwirklichung des Talents ist schließlich nur einer von vielen Aspekten, die eine Arbeit erfüllend oder unerträglich machen. Sie zu erkennen lohnt sich meist vor allem, um Stärken fortan besser ausspielen zu können.

Bei Friederike Stern hingegen lief es letztlich auf einen kompletten Neuanfang hinaus. Sie betreibt inzwischen im Münchner Stadtteil Schwabing einen kleinen Laden für Einrichtungsaccessoires, Postkarten und Schmuck. "Hier kann ich meine Talente einbringen", sagt die Unternehmerin. Sie analysiert ihre Zielgruppe genau, präsentiert ihre handverlesenen Waren auf Instagram und kümmert sich um die Finanzen. Obwohl sie in der Schule nie ein Mathe-Genie war.

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