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Null Bock auf Boss

leerer Konferenzraum Büro [Quelle: Pixabay, MagicDesk]

Quelle: Pixabay, MagicDesk

Bitte nicht Chef werden: Laut einer Umfrage wollen immer weniger Deutsche Führungsverantwortung übernehmen. Warum eigentlich?

Bleiben in Deutschland Chefsessel künftig leer? Laut einer Umfrage der Initiative Chefsache streben immer weniger Deutsche nach einer Führungsposition: Nur noch rund 40 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen haben Lust auf Führungsverantwortung – so das Ergebnis einer Befragung von 5.000 Berufstätigen und Studenten im September 2019. Bei den Frauen ist das das zweitschlechteste Ergebnis seit Beginn der Umfrage. 

Vor genau einem Jahr sah das noch anders aus. Damals wollten noch 44 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen Chef werden.        

Hoch hinaus? – Das war einmal

Zudem rechnen sich die Deutschen immer geringere Chancen auf den Chefsessel aus. Bei den traditionell selbstbewussten Männern ist der Optimismus gesunken. Statt 48 Prozent erwarten jetzt nur noch 46 Prozent, in eine leitende Position aufzusteigen. Deutlich pessimistischer blicken Frauen in die Zukunft: Im September 2018 glaubten noch 40 Prozent, später eine Führungsposition zu übernehmen. In diesem Jahr sind es nur noch 34 Prozent. 

Grafik: Wunsch nach Führungsposition [Grafik: e-fellows.net Quelle: Initiative Chefsache]

Quelle: Initiative Chefsache; Angaben in Prozent

Paradoxerweise fördern jedoch Unternehmen Mitarbeiterinnen wohl stärker als zuvor. Schließlich fühlt sich laut Initiative Chefsache jede Dritte in ihrem beruflichen Umfeld in ihren Karrierewünschen unterstützt. 45 Prozent der Frauen geben sogar an, dass ihr Arbeitgeber ihnen dabei hilft, ohne Nachteile zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten. 

Zuversicht Führungsposition [Infografik: e-fellows.net Quelle. Initiative Chefsache]

Quelle: Initiative Chefsache; Angaben in Prozent

Warum wollen immer weniger Karriere machen?     

Die Studie fragt nicht nach, warum weniger Menschen Führungsverantwortung übernehmen wollen. Aber diese Frage dürfte für Initiative Chefsache interessant sein, das die Studie in Auftrag gegeben hat: In dem Netzwerk, das sich für Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen einsetzt, sind Unternehmen wie die Allianz, Google und McKinsey vertreten. "Unsere Aufgabe muss es nun sein, genau hinzuhören, was die Gründe dafür sind", sagt deshalb Initiative-Chefsache-Mitglied und Vorstandsvorsitzende von Warema Renkhoff, Angelique Renkhoff-Mücke.

Grafik: Unterstützung durch berufliches Umfeld [Grafik: e-fellows.net, Quelle: Initiative Chefsache]

Quelle: Initiative Chefsache; Angaben in Prozent

Eine Erklärung könnte eine andere Umfrage bieten, die die Strategieberatung BCG unter rund 1.500 Führungskräften und 3.500 Mitarbeitern in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Amerika durchgeführt hat. Ihr zufolge fühlen sich 64 Prozent der deutschen Manager im Vergleich zu den letzten Jahren mehr gestresst, 60 Prozent fühlen sich sogar überarbeitet. Gut möglich, dass Mitarbeiter angesichts überforderter Chefs dann glauben, sie müssten sich zwischen der Karriere und ihrem Privatleben entscheiden.   

Gegen diese Entwicklung können Unternehmen allerdings gegensteuern. "Auch wir haben in den letzten Jahren bemerkt, dass die Ambitionen, der Veränderungswille und die Leidenschaft unserer jüngeren Kolleginnen und Kollegen sich nicht mehr ausschließlich auf den Job beziehen", sagt Nadja Peters, Director of Recruiting bei McKinsey. Aus diesem Grund hat die Beratung 2011 das Sabbatical-Programm "Take Time" gestartet. Es erlaubt Mitarbeitern, jedes Jahr zwischen den Projekten bis zu zwei Monate zusätzlich zum Jahresurlaub freizunehmen.   

Schlechte Vorbilder?

Vielleicht ist ein Imageproblem die Ursache für das sinkende Interesse am Chefposten. Spätestens seit dem Dieselskandal und der Metoo-Affäre hat das Ansehen von Führungskräften gelitten. Sie können sich weniger Fehler leisten als früher. Bestes Beispiel ist der gefeuerte Topmanager Steve Easterbrook. Der McDonald's-Chef wäre vor ein paar Jahren vermutlich nicht wegen einer Affäre mit einer Mitarbeiterin entlassen worden. Negativfälle wie dieser könnten den Chefsessel hierzulande unattraktiv erscheinen lassen. Zumal die Unzufriedenheit mit dem eigenen Vorgesetzten berufliche Entscheidungen stark beeinflusst: Einer Studie zufolge hat bereits jede dritte Fachkraft schon mal wegen des Chefs gekündigt.

  

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