Partner von:

Die Macht des Zufalls

Handschlag, Vertragsabschluss, Bewerbung [Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel.com]

Quelle: unsplash.com, rawpixel.com

Der Bewerber hat den gleichen Vornamen wie das Kind des Chefs? Wie sympathisch! Im Berufsleben gibt es oft Zufälle. Die Kunst ist es, sie gut zu nutzen.

Werden erfolgreiche Frauen nach ihrem Karriereweg gefragt, relativieren manche reflexhaft. Sie erwähnen Glück und im richtigen Augenblick am richtigen Ort gewesen zu sein. Männer, so kolportiert es jedenfalls immer wieder die anekdotische Evidenz, schreiben ihren Erfolg weniger dem Zufall zu. Sie seien halt sehr gut, sagen sie gern.

Ob es unbedingt negativ konnotiert sein muss, den beruflichen Erfolg auch dem Zufall zuzuschreiben - das ist indes die wirklich interessante Frage. "Die meisten Menschen überlassen in der Karriereplanung nichts dem Zufall", sagt Werner Dopfer. Bedauerlich findet das der Psychotherapeut und Coach aus München. "Heute ist alles verplant. Unternehmen fragen, was stellen Sie sich in zwei, drei Jahren vor? Früher waren das fünf bis zehn. Dass Leute sich treiben lassen, erlebe ich kaum mehr." Warum eigentlich? "Weil der Druck zunimmt und damit der Gedanke, permanent an der Karriere arbeiten zu müssen. Ich erlebe bei meinen Klienten, dass der Blick für Neues, für Kreativität verloren geht. Diejenigen, die ihre Karriere bis ins i-Tüpfelchen planen, erlebe ich oftmals nicht als zufrieden."

Rückschritte seien manchmal durch Zufall bedingt, etwa durch eine Fusion. Bei derartigen Veränderungen komme das Thema Intuition ins Spiel und die Überlegung: Entspricht mir das? "Das nehmen Menschen, die alles durchplanen nicht wahr. Die verpassen was." Der Autor des Buches "Mut, Moral, Menschlichkeit - Führung ohne Selbstbetrug" beschreibt den Treibholzeffekt als gesunde Mischung, selbst das Schiff zu steuern, sich aber auch mal treiben zu lassen, um an neuen Ufern zu landen. "Menschen, die das können, sind im Beruf erfüllt", sagt Dopfer. Eine Gesellschaft, die nur zwischen richtig und falsch, schwarz und weiß, like und dislike unterscheidet, verzichtet auf die Empfänglichkeit für Zwischentöne.

Dem Bauchgefühl vertrauen

Sich dem Zufall und dem Bauchgefühl zu öffnen scheint nicht verkehrt. "Viele haben das Bedürfnis nach Weiterentwicklung und Gestaltung. Es braucht die Offenheit, diesen Moment, diese Chance zu erkennen: Das ist jetzt etwas, das zu mir passt, meinem Bedürfnis entspricht", sagt Heike Mänz. Die Psychologin aus Hannover erwähnt aber noch ein Phänomen: Der Karrieresprung wird nach Berlin führen, und plötzlich scheint es überall zu berlinern - hier ploppt ein Seminartipp im Grunewald auf, dort erwähnt der Nachbar die Filiale in der Hauptstadt. Also Zufälle gibt es! "Das nennt sich selektive Wahrnehmung und ist eine ganz normale psychologische Reaktion", sagt Mänz. In dem Moment, wo das für mein Leben wichtig ist, nehme ich es wahr." Sie verweist aufs leidige Thema Fasten: "Wenn Sie Hunger haben, sehen Sie plötzlich überall Torten. Das hat etwas mit Bedürfnislage zu tun."

Menschen sind keine rationalen Denker und Entscheider, sondern unterschätzen oft den Zufall und verwenden Urteilsheuristiken, um sich in der komplexen Welt rasch zurechtzufinden. Wenn zum Beispiel im Roulette die Kugel oft hintereinander auf Rot, Schwarz, Rot, Schwarz, Rot gelandet ist, wird es als wahrscheinlich angesehen, dass sich die Reihe fortsetzt und nun Schwarz zu erwarten sei. Doch die Wahrscheinlichkeit für Rot oder Schwarz bleibt in Wirklichkeit unverändert, denn die Kugel hat kein Gedächtnis. Diesen gängigen Urteilsfehler nennen Fachleute "Musterwahrnehmung von Zufallssequenzen".

Die Psychologie kennt viele Urteilsfehler. Und sie kennt auch die problematische Über- oder Unterbewertung von Informationen, einschließlich des systematischen Auslassens. Volkstümlich ausgedrückt: Was man nicht sehen will, sieht man nicht. Das nutzen manche Berufstätige auch in Konflikten, indem sie Informationen bewusst auslassen und frech-raffiniert kontern: Danach haben Sie mich gar nicht gefragt! Na ja, es wäre zur Erhellung aber notwendig gewesen, das zu erwähnen.

Urteilsfehler und Fälle von verzerrter Wahrnehmung, die nicht bewusst sind und eher zufällig erlebt werden, kennen hingegen viele leidgeplagte Prüflinge, Bewerbungskandidaten oder Arbeitnehmer, die ein Projekt vorantreiben möchten. Da wäre etwa der überschätzte Erst- und Letzteindruck; in der Fachliteratur heißen sie "Primacy und Recency Effect": Kann der Kandidat in der mündlichen Prüfung die erste Frage nicht beantworten, die nächsten Fragen aber perfekt, erhält der schlechte Ersteindruck dennoch häufig ein besonderes Gewicht. Auch zufällige Assoziationen spielen eine Rolle, im positiven Falle etwa, wenn der Vorname des Bewerbers zufällig der gleiche ist wie derjenige des Kindes des Personalchefs oder wenn der Kandidat das gleiche ausgefallene Hobby hat wie der Interviewer.

nach oben

Wer weiß, was seine Qualifikationen wert ist, hat beim Gehaltspoker bessere Karten. In unserer großen Gehaltsdatenbank kannst du nachsehen, was andere e-fellows in deiner Position verdienen.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.