Master of Business Administration: Lohnt sich ein MBA?
- Henrik Rampe
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Business-Master sind oft teuer und aufwändig. Experten erklären, ob das Zusatzstudium wirklich dazu führt, dass man mehr verdient und schneller aufsteigt.
In vielen Lebensläufen findet man derzeit drei Buchstaben, von denen sich junge Akademikerinnen und Akademiker Gehaltssprünge und Führungspositionen erhoffen: MBA, Master of Business Administration. Anders als eine Promotion soll ein MBA nicht auf die Wissenschaft, sondern auf Karrieren in der Wirtschaft vorbereiten.
In Großbritannien hat sich die Zahl der MBA-Studierenden in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Für Deutschland gibt es keine Statistik, aber Experten gehen von einer ähnlich hohen Nachfrage aus. Der MBA ist beliebt, nur: Lohnt er sich?
Eine ausgedehnte Weiterbildung
Wer einen MBA erhalten will, braucht in der Regel ein abgeschlossenes Studium und drei Jahre Berufserfahrung. Er ist sozusagen eine ausgedehnte Weiterbildung, die man an Fachhochschulen, privaten Universitäten und Business Schools absolvieren kann. Gute Englischkenntnisse werden oft vorausgesetzt, viele Programme sind international ausgerichtet.
An Business Schools müssen Bewerber häufig standardisierte Auswahltests (wie GMAT oder GRE) bestehen. In den Seminaren geht es dann um Themen wie Marketing, Rechnungswesen, Personalmanagement sowie Persönlichkeitsentwicklung – und darum, ein Netzwerk aufzubauen.
Das Angebot ist unübersichtlich. Manche MBAs werden remote absolviert, andere in Präsenz oder hybrid. Es gibt MBAs in Vollzeit, aber auch berufsbegleitend. Die meisten dauern zwei Jahre, es gibt aber auch kürzere Programme. Fast immer haben sie verheißungsvolle englische Namen, etwa Business Analytics, Strategy & Leadership, Investment Management oder UX Strategy & Business.
So teuer wie ein Neuwagen
Kevin Schmidt hat Informatik studiert und anschließend als IT-Experte gearbeitet. 2019 hat er einen MBA an der Hochschule Koblenz mit dem Schwerpunkt Finanzmanagement begonnen. "Mir war wichtig, dass die Seminare größtenteils digital sind und ich nach der Arbeit lernen kann", sagt Schmidt. Er hat in Vollzeit weitergearbeitet, um sich die Weiterbildung finanzieren zu können.
Ein MBA dauert nicht nur lange, er ist auch so teuer wie ein Neuwagen – Schmidt hat etwa 10.000 Euro gezahlt. Das ist vergleichsweise günstig. Die Programme an den renommiertesten Hochschulen kosten eher 50.000 Euro. Im Ausland, etwa an der bekannten Duke University in den USA, ist man schnell bei 140.000 Euro. Es lohnt sich deshalb, beim Arbeitgeber nachzufragen, ob er die Kosten übernimmt oder sich daran beteiligt. Kevin Schmidt hat seinen MBA allerdings komplett selbst zahlen müssen.
Prominente MBA-Karrieren
"Eine teure Ausbildung heißt aber nicht, dass sie auch gut ist", sagt Jutta Rump, Gründungsdirektorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE). Die Ökonomin forscht seit mehr als 20 Jahren zu Personalmanagement, zeitweise hatte sie Lehraufträge für MBA-Studiengänge. Rump empfiehlt, sich im Vorfeld zu überlegen, was das Ziel des MBA sein soll. Wer sich mehrere Jahre mit einer Frage beschäftigen möchte, für den ist eine Promotion passender, sagt Rump. Für andere seien E-Learning-Kurse oder Weiterbildungen richtig, weil sie weniger zeitaufwendig sind als ein MBA.
Laut der Mannheim Business School lohnt sich ein MBA früher oder später. Die private Einrichtung gibt an, dass ihre Absolventen im Schnitt mehr als 110.000 Dollar im Jahr verdienen und häufig bei Dax-Konzernen arbeiten. Auch die WHU Otto Beisheim School of Management spricht davon, dass 60 Prozent der Absolventen anschließend mehr verdienen als vor ihrem Abschluss. MBA-Befürworter verweisen auch auf beeindruckende Karrieren und prominente Alumni wie etwa Microsoft-CEO Satya Nadella und Apple-Chef Tim Cook.
Wo der MBA sinnvoll ist
Auch Rump benennt einige Fälle, in denen sich der MBA auszahlt. Sie denkt dabei an Menschen, die in ihrem Beruf etabliert sind und feststellen, dass ihnen noch Qualifikationen fehlen, um beruflich aufzusteigen oder die Branche zu wechseln. Etwa die Biochemikerin, die einen Standort des Unternehmens leiten will und nicht gelernt hat, wie Budgetplanung und Personalführung funktionieren.
Oder der Wirtschaftswissenschaftler, dessen Studium schon zehn Jahre zurückliegt. Künstliche Intelligenz hat damals keine Rolle gespielt, jetzt möchte er zum KI-Experten werden. Um sich beruflich neu auszurichten, macht er einen MBA zum Thema.
Besonders angesehen sind MBAs im Investment Banking und bei Strategieberatungen.
"Besonders angesehen sind MBAs im Investment Banking, bei Strategieberatungen und Konzernen", sagt Rump. In kreativen Berufen, etwa unter Architekten, Fotografinnen oder Grafikdesignern, sei der MBA hingegen nicht relevant. Rump empfiehlt, genau auf den Modulplan zu schauen und abzugleichen, ob das die Kompetenzen sind, die einem noch fehlen.
Ebenfalls hilfreich sei es, die Namen der Professorinnen und Dozenten zu recherchieren, rät die Expertin. "Über deren bisherige Veröffentlichungen und Vorträte kann man einen guten Eindruck bekommen", sagt Rump.
Die Ökonomin warnt aber davor, zu glauben, dass ein MBA ein Spitzengehalt garantiere. Die Gehaltszahlen, die Business Schools veröffentlichten, beruhten ausschließlich auf Befragungen. Die Rücklaufquoten bei solchen Umfragen seien gering. Eine wissenschaftliche Studie, die dokumentiert, ob und wenn ja, wie hoch der Gehaltssprung ausfällt, ist Rump nicht bekannt.
Ein MBA ist ein Investment in die eigene Zukunft, das zunächst Zeit und Geld kostet.
Entsprechend skeptisch ist sie bei Anbietern mit Gehaltsversprechen. "Ein MBA ist ein Investment in die eigene Zukunft, das zunächst Zeit und Geld kostet", sagt Rump. Es gebe viele Faktoren, die darüber entschieden, ob sich das langfristig auszahle oder nicht.
Ein anerkannter akademischer Grad
Was MBA-Absolventen in jedem Fall bleibt, ist ein anerkannter akademischer Grad. Denn nicht jeder darf MBA-Zertifikate vergeben. In Deutschland sind die jeweiligen Studiengänge akkreditiert, um Qualitätsstandards sicherzustellen.
"Es gibt aber Anbieter aus dem Ausland, die keine oder eine zweifelhafte Akkreditierung haben", sagt Detlev Kran. Ende der 1990er-Jahre hat er einen MBA in den USA gemacht, in einer Akkreditierungsagentur gearbeitet. Heute ist er MBA-Studiengangsleiter an der privaten KMU Akademie.
Die große Mehrheit der Anbieter hält Kran für seriös. Besonders renommiert sind die Gütesiegel der Akkreditierungsstellen AACSB, EQUIS oder AMBA. Business Schools, die von allen Stellen akkreditiert sind, schmücken sich mit dem Titel Triple Crown. In Deutschland sind das die ESMT Berlin, die Frankfurt School of Finance & Management, die TUM School of Management in München und die Mannheim Business School.
MBAs sind eine Gelddruckmaschine.
"Die Siegel stehen für Qualität", sagt Kran. Und für manche Führungspositionen sei es hilfreich, wenn man im Bewerbungsverfahren damit punkten könne. Kran gibt aber zu bedenken, dass der MBA ein Produkt ist, das beworben und verkauft wird: "MBAs sind eine Gelddruckmaschine."
Bei den bekanntesten Business Schools zahlten Studierende auch deshalb so viel, weil ein Top-Ökonom für eine Vorlesung vor ihnen stehe. Andere MBAs vermittelten die gleichen Inhalte. Kran empfiehlt, darauf zu achten, dass in einer Lerngruppe nicht mehr als 20 Studierende sind, um möglichst persönlich betreut zu werden. Auch über die Finanzierung sollte sich Interessierte Gedanken machen, oft sei ein MBA als Werbungskosten von der Steuer absetzbar.
Immer spezifischer und flexibler
Als Studiengangsleiter entwickelt Kran immer wieder neue Vertiefungen, etwa Energiemanagement oder Digitalisierung und KI. Zu den gefragtesten Programmen zählen derzeit MBAs wie Wirtschaftspsychologie, Finanzmanagement oder Digitales Business. Kran sieht den Trend zu immer spezifischeren Programmen, bei denen sich die Studierenden ihren Plan flexibel selbst zusammenstellen. Eine Folge: Die Abbrecherquote unter MBA-Studierenden liegt nach seiner Erfahrung nur zwischen 10 und 15 Prozent. Zum Vergleich: Fast jeder dritte Bachelorstudent bricht sein Hochschulstudium ab.
Die gute Quote erkläre sich dadurch, dass die Studierenden meist Anfang 30 sowie berufserfahren seien und sich überlegt hätten, weshalb sie das zusätzliche Studium aufnähmen. "Außerdem haben die Anbieter ein Interesse, dass ihr MBA-Programm von möglichst vielen bestanden wird", sagt Kran.
In der Lerngruppe von Kevin Schmidt haben alle ihren MBA abgeschlossen. Etwa die Hälfte arbeitet heute, vier Jahre später, in Führungspositionen. Er nicht, aber er sagt, dass sich der MBA ausgezahlt hat, wenn auch nicht unbedingt finanziell.
Wenige Monate nach dem Abschluss hat er seinen Job gewechselt, arbeitet jetzt an der Schnittstelle zwischen Informatik und Wirtschaft. Die Inhalte aus dem MBA würden ihm im Arbeitsalltag weiterhelfen, weil er die unternehmerische Perspektive eines Konzerns nun besser verstehe. Er trete nun selbstsicherer auf, verdiene auch etwas mehr. Dass der MBA dafür der ausschlaggebende Grund ist, bezweifelt Schmidt allerdings.
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