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Zeitarbeit als Starthilfe für Ingenieure und Informatiker

Drei Bildschirme Büro Arbeit Frau Rote Haare [Quelle: Pexels.com, Autor: ThisIsEngineering ]

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Der Berufseinstieg fällt durch die Pandemie selbst sonst begehrten Absolventen schwer. In Baden-Württemberg soll ein Sonderprogramm helfen.

Mitten in der Corona-Krise einen Arbeitsplatz zu finden scheint selbst für Studienabsolventen aus dem Bereich Ingenieurwissenschaften und Informatik keine einfache Angelegenheit zu sein. Eine 25 Jahre alte Maschinenbauabsolventin vom KIT in Karlsruhe hat seit dem vergangenen September ihren Master in der Tasche. Bislang habe sie über zwanzig Bewerbungen geschrieben, sagt die junge Frau, die anonym bleiben will.

Jedes Mal eine Absage. "Die Bereitschaft, weiter zu pendeln, wächst." Sie möchte aber gerne in Baden-Württemberg bleiben. Deshalb nimmt die 25-Jährige am Brückenprogramm Ingenieurwissenschaften teil, einem für zunächst ein Jahr befristeten Sonderprogramm, das mit 9 Millionen Euro vom Bundesland ausgestattet ist.

Damit wollen das baden-württembergische Wissenschaftsministerium und die heimische Wirtschaft Absolventen der Ingenieurwissenschaften und der Informatik unterstützen, um einen Arbeitsplatz zu finden. Dafür werden bis zu 500 Zeitarbeitsplätze für junge Leute geschaffen, die infolge der Corona-Krise Schwierigkeiten haben, im Land eine entsprechende Stelle zu finden.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Die Grünen) sagte: "Einen verlorenen Corona-Jahrgang können wir uns nicht erlauben." Ziel sei es, über befristete Projekteinsätze die jungen Absolventinnen und Absolventen über eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft an die Unternehmen im Südwesten zu vermitteln. Die Fachkräfte sollten für den Standort gesichert werden, inklusive Qualifizierung und Coaching. Wenn es Zeiten gibt, in denen kein Unternehmen Interesse an der Arbeitsleistung der jungen Leute hat, gibt es Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit. Die jungen Leute verdienen nach dem Tarif der Zeitarbeitsbranche.

"Auch immer mehr Akademiker machen Zeitarbeit"

Das Programm wird in der Wirtschaft von dem ein oder anderen Unternehmen aber kritisch gesehen. So sagt Markus Glaser-Gallion, der Chef vom Industriedienstleister Leadec, der aktuell in Deutschland 250 offene Stellen zu besetzen hat: "Wir benötigen kein Brückenprogramm, wir benötigen direkt die technischen Fachkräfte." Das Programm hätte für manche Absolventen möglicherweise den Berufseinstieg im schwierigen "Schockjahr" 2020 überbrückt. "Der Start jetzt überrascht, sehen doch die Unternehmen 2021 eher wieder optimistisch. Denn es hat sich gezeigt, dass viele Unternehmen besser als zunächst befürchtet durch die Krise gekommen sind."

Die 25-jährige Absolventin sieht in der Teilnahme an dem Programm kein Stigma für ihr weiteres Berufsleben. "Auch immer mehr Akademiker machen Zeitarbeit", sagt sie. Das Programm wird vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft umgesetzt. Stefan Küpper, Sprecher der Geschäftsführung, sagt: "Der krisenbedingte Wirtschaftseinbruch erzeugt eine große Verunsicherung in den Unternehmen. Personalanpassungen und Einstellungsstopps sind die Folge."

Viele Unternehmen hätten aktuell eine sehr schwierige Kosten- und Ertragslage und insbesondere durch die Corona-Maßnahmen einen sehr kurzen und nur bedingt belastbaren Planungshorizont. "Das schlägt voll auf die Möglichkeiten vieler Unternehmen zur Einstellung junger Absolventen durch." Küpper und auch die Grünen-Politikerin Bauer betonen zugleich, dass der kurz- bis mittelfristige Nachfragerückgang an Ingenieuren sich abermals dauerhaft negativ auf das Berufs- und Studienwahlverhalten und damit gleichfalls auf die verfügbare Fachkräftebasis in Baden-Württemberg in den Ingenieur- und Informatikberufen auswirken könnte.

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