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Wie lange muss ein Chef arbeiten?

Bild Uhr Anzug Zeit Chef [Quelle: Jeremy Beadle, unsplash.com]

© Jeremy Beadle, unsplash.com

Wer mehr als zwei Stunden am Tag führt, macht etwas falsch, sagt Insa Klasing, Ex-Deutschlandchefin von Kentucky Fried Chicken. Investor Frank Thelen und Unternehmer Wolfgang Grupp widersprechen.

An allem ist eigentlich nur Rewa schuld. 2016 wirft die Vollblutstute die Managerin Insa Klasing mitten im Galopp ab. Klasing, damals Deutschlandchefin der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC), bricht sich beim Sturz beide Arme. Sechs Wochen Reha folgen, das heißt: sechs Wochen Büropause. Danach kommt die Managerin aufgrund der Verletzung für nur zwei Stunden am Tag zurück. Ein Lehrstück in Sachen Management, über das die 39-Jährige ihr Buch "Der Zwei-Stunden-Chef" geschrieben hat. These: Wer als Führungskraft mehr als zwei Stunden am Tag Chef spielt, macht etwas falsch.

Doch stimmt das wirklich? Das Handelsblatt fragte erfahrene Manager wie den Start-up-Investor Frank Thelen und Unternehmer Wolfgang Grupp nach ihrer Meinung. Thelen war schon vorher in München auf Terminen, Grupp kam mit dem Hubschrauber – und einer Schiene am Bein: Bei einem Jagdausflug hatte sich der Trigema-Chef die Achillessehne gerissen.

Herr Grupp, Herr Thelen: Wie viele Stunden haben Sie gestern gearbeitet?

Wolfgang Grupp: Ich bin derzeit gehandicapt. Deshalb waren es wahrscheinlich sechs Stunden. Aber ich schau nicht auf die Uhr beim Arbeiten. Manchmal gehe ich noch nach dem Abendessen durch den Betrieb, wir haben ja auch Nachtschicht. Das ist für mich Hobby, keine Arbeit. Und Sie, Herr Thelen?

Frank Thelen: Gestern bin ich um neun Uhr morgens los und habe bis zwei Uhr nachts gearbeitet. Ich war zuerst hier in München auf einem Sechs-Stunden-Dreh mit Sony für eines meiner Start-ups. Nach einem weiteren Termin bin ich noch bis 22 Uhr bei einem anderen Unternehmen gewesen. Danach ging’s ins Hotel. Weil ich ja tagsüber nicht wirklich gearbeitet hatte, habe ich noch in vier Stunden das Nötigste erledigt.

Abends in die Fabrik, bis zwei Uhr nachts arbeiten: Das sind doch genau die Chefs, die Sie in Ihrem Buch kritisieren, Frau Klasing, oder?

Insa Klasing: Natürlich gibt es immer Stoßzeiten, in denen Chefs und Investoren Flagge zeigen müssen. Aber fest steht: Gesund ist das auf Dauer nicht. Auch nicht fürs Unternehmen.

Thelen: Normalerweise arbeite ich zehn Stunden am Tag. Ich bin da von der Arbeitshaltung eher bei Elon Musk als bei Frau Klasing.

Tesla-Gründer Musk wird nachgesagt, dass er nachts schon mal in der Fabrik des E-Auto-Bauers schläft. Das klingt nach mehr als zehn Stunden.

Thelen: Ich versuche, acht bis neun Stunden Schlaf zu bekommen. Und meistens kriege ich das auch hin. Insofern glaube ich, dass ich es für mich selbst ganz gut im Griff habe.

Frau Klasing sieht das aber offenbar anders.

Thelen: Die großartigen Unternehmen dieses Jahrzehnts – die Apples, die Facebooks, die Amazons und, ja, auch Elon Musks Tesla – sind alle von Einzelpersonen aufgebaut worden, die wahnsinnig werden, wenn irgendetwas am Produkt, im Vertrieb oder sonst wo nicht funktioniert. Sorry, aber ein Jeff Bezos ist nun mal kein Zwei-Stunden-Chef – und wird es auch nie sein.

Klasing: Man merkt, Sie haben mein Buch nicht gelesen, Herr Thelen. Der Zwei-Stunden-Chef ist kein Frühstücksdirektor, der über allem schwebt und keinen Kundenkontakt mehr hat. Es geht darum, zwei Stunden Führung so zu gestalten, dass die Mitarbeiter selbstbestimmt arbeiten können. Der Chef gibt das "Was" vor, die Richtung. Das "Wie" können die Mitarbeiter entscheiden. Daraus entwickelt sich eine ganz besondere Stärke, die das Unternehmen besser voranbringt, als wenn der Chef Tag und Nacht alles regelt.

Thelen: Aber Jeff Bezos geht es um das "Wie". Ich habe ihn persönlich kennenlernen dürfen. Und der arbeitet bei Schlüsselprojekten wie ein Mitarbeiter mit und setzt sich in die Teams. Oder nehmen Sie Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Als der gesehen hat, dass Instagram kommt, hat er mitprogrammiert. Mehr "Wie" geht doch gar nicht. Aus meiner Sicht ist das auch richtig so.

Braucht es einen Kopf, der alles überblickt, oder glauben Sie ans Team?

Grupp: Ich bin für Teamwork und brauche für alle Entscheidungen meine Mitarbeiter. Letztlich muss aber ein Kopf die Entscheidung treffen und dafür die Verantwortung übernehmen. Deshalb wird auch nur eines unserer beiden Kinder Trigema übernehmen; nur so können schnelle Entscheidungen gewährleistet werden.

Thelen: Das unterstreicht, was ich sage. Die Hidden Champions, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, das ist ein Rossmann, ein Otto, ein Sennheiser, ein Miele, ein Oetker, ein Würth. Und was machen die? Die lieben ihre Unternehmen! Die hocken nicht zwei Stunden da und delegieren alles in Abstimmungskreise mit agiler Führung.

Klasing: Noch mal ganz klar: Ein Zwei-Stunden-Chef geht nicht nach zwei Stunden nach Hause und ist dann nicht mehr Chef. Ich bin auch nicht für sich selbst steuernde Teams.

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