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Wie gehe ich mit Absagen um?

Person sitzt traurig vor dem Laptop [Quelle: unsplash.com, Tim Gouw]

Quelle: unsplash.com, Tim Gouw

Wer seine Traumstelle nicht bekommt, ist oft enttäuscht. Doch das ist kein Grund für eine negative Gedankenspirale. Wie man die Situation besser meistert.

Auf diesen Termin hatte sich Thomas K. richtig gefreut: ein Vorstellungsgespräch für ein Praktikum bei seinem Wunscharbeitgeber im Rahmen seines Bachelorstudiums. Schon die Einladung hatte ihn stolz gemacht. Doch geklappt hat es dann leider doch nicht. Der Grund: Sein potentieller Vorgesetzter hatte nicht genau im Bewerbungsschreiben gelesen, dass Thomas K. sein USA-Studium an derselben Hochschule, an der er einst selbst studiert hat, zu dem Zeitpunkt noch gar nicht absolviert, sondern erst vor sich hatte.

Mit anderen Worten: Der potentielle Chef hatte geglaubt, schon ein persönliches Erlebnis mit dem Bewerber geteilt zu haben. Doch das stand erst noch aus. Entsprechend war der Erfahrungsschatz, auf den der Bewerber zurückgreifen konnte, kleiner als erhofft. Als Thomas K. diese Begründung für die Absage später erfuhr, war er zwar enttäuscht, aber gleichzeitig durchaus beruhigt: Nicht er hatte sich schließlich einen Fehler geleistet, sondern der Vorgesetzte, indem er nicht richtig hingesehen hatte.

Eine Absage in einem Bewerbungsprozess zu bekommen bedeutet grundsätzlich für jeden und jede eine Enttäuschung. Erst recht, wenn es sich um einen vermeintlichen Traumjob gehandelt hat, für den man sich im Bewerbungsgespräch angestrengt, ins Zeug gelegt und in (hoffentlich) bestem Licht präsentiert hat. Hilfreich kann dann sein, sich klarzumachen: Von vielleicht fünfzig Personen kann nur eine die Stelle bekommen. Man gehört dann halt zu den neunundvierzig anderen.

Absagegründe nicht immer wahr

Dennoch: Selbst dann, wenn der Job nicht hundertprozentig zu einem gepasst hätte, empfinden wohl alle Bewerber eine Absage als eine persönliche Niederlage. Dabei muss und sollte das nicht so sein. Die freiberufliche Personalfachfrau Diana Roth hat in ihrem Buch "Zu jung! Zu alt! Zu schwanger! Zu qualifiziert!" einige Resümees aus Bewerbungskursen zusammengetragen. Ihr Buchtitel gründet auf der These, dass Vorgesetzte die wahren Gründe für die Absage meist nicht nennen, sondern "Gründe vorschieben, die akzeptabler sind".

Die Autorin rät, dieses Spiel mitzuspielen und immer einen Nutzen für sich aus diesen Gesprächen zu ziehen, denn: "Wenn der Vorgesetzte meint, du seist zu jung, zu alt, zu schwanger oder zu unbegabt, wird er es dir selten sagen." Stattdessen wird er für die Absage andere Gründe nennen.

Die Teilnehmer in Roths Kursen sollen sich künftig lieber vor Augen halten, dass man in einem Bewerbungsgespräch eigentlich "nur gewinnen" kann: entweder eine neue Stelle oder eine neue Erfahrung. Nach einer Absage sollen sie zum Telefon greifen und detailliert nachfragen, um sich den Grund für die Absage erklären zu lassen. Es geht schließlich um die eigene Person, man möchte etwas daraus lernen.

Es geht um die Anstellung, nicht die Person

Ganz wichtig: Keine Absage mehr persönlich nehmen! Es kann schließlich viele Gründe geben, warum es nicht geklappt hat. Ein Bewerbungsgespräch, so betont die Autorin Roth, ist und bleibt eben ein Glücksspiel. Hilfreich sei deshalb auch der Aspekt: Eine Absage ist kein Nein zu mir als Person, sondern (nur) ein Nein zu meiner Anstellung.

Im Gespräch betont die Expertin, dass man durchaus beruhigt sein könne, die Chance zum Bewerbungsgespräch überhaupt bekommen zu haben. "Jedes Gespräch stärkt einen, und man darf sich immer sagen: ich bin zumindest interessant genug gewesen, um eingeladen worden zu sein." Hilfreich sei auch, sich klarzumachen, dass eine Personalentscheidung oft ähnlich funktioniere wie eine Partnerwahl: "Da hat jemand eine bestimmte Vorstellung im Kopf, der man dann aber nicht entspricht. Letztlich ist es ein Bauchentscheid. Es wird bei der Begründung gelogen, aber keiner gibt's zu. Das ist ein elendiges Spiel!"

Eine Absage könne den Kandidaten aber auch schützen, gibt Roth zu bedenken: "Es kann zum Beispiel sein, dass der Kandidat nicht die ideale Ergänzung zum Team bedeutet und der Betreffende sich anschließend in dieser Runde sehr unwohl gefühlt hätte. Oder die Englischkenntnisse haben nicht ausgereicht, was dem Kandidaten später im Job auf die Füße gefallen wäre.

Optimal wäre in diesem Fall eine entsprechende Rückmeldung, damit man sein Englisch und damit seine künftigen Bewerbungschancen verbessern kann." Eine Absage sei daher nicht nur negativ, sie könne Bewerber auch weiterbringen. "Aber nur, wenn diese Absagen auf Augenhöhe und klar erfolgen", betont Roth.

Weniger ist mehr

Vor einer Flut an Bewerbungsschreiben warnt die Personalfachfrau ebenfalls: "200 Bewerbungen loszuschicken sind ganz sicher zu viele, fünf oder zehn reichen." Denn wenn viele Bewerbungen erfolglos bleiben, sei der Frust nur umso größer, die Chance auf eine Stelle steige aber meist nicht: Oft stecke dann der Teufel im Detail, und das Hauptkriterium der Absage - etwa fehlende Arbeitszeugnisse, wie Roth in einem Fall selbst erlebt habe - durchziehe dann immerhin sämtliche 200 Bewerbungen. Besser sei deshalb, sich immer nur auf wenige Stellen zu konzentrieren, für die man dann aber alle Register ziehe.

Doch noch immer scheitern viele Bewerber an Form- und Grammatikfehlern in ihren jeweiligen Anschreiben, an peinlichen Fehlern in Firmenadressen und -namen, langweiligen Standardfloskeln sowie an einem unpassenden Bewerberprofil, schlechten Zeugnisnoten, fehlender Erfahrung oder schlicht an einer Überqualifikation.

Zu einer reduzierten Anzahl von höchstens fünf Bewerbungen rät deshalb auch Ilona Bürgel. Die promovierte Psychologin und Autorin bezeichnet es als großen Fehler, Bewerbungen abzuschicken, ohne genau zu wissen, was man wolle. "Man tritt anders auf, wenn man genau weiß, was man will", versichert Bürgel. Sich selbst zu fragen: "Welcher Job macht mich wirklich glücklich?", sei vor diesem Hintergrund enorm wichtig. "Es ist nur logisch, dass man viele Absagen bekommt, wenn man nicht genau weiß, was man will. Die Personaler merken das."

Geduld ist gefragt

Ein "schlechter Ratgeber" sei auch die Angst vor Arbeitslosigkeit, warnt die Psychologin. Lieber solle man für ein bis zwei Monate Sozialhilfe beantragen und sich Zeit lassen mit den Bewerbungen, bevor man "hyperaktiv" werde. Das Richtige im richtigen Augenblick beim richtigen Unternehmen zu tun sei entscheidend, nicht die Anzahl der losgeschickten Bewerbungen. Allerdings erfordere dies oft genug auch etwas Geduld.

Um sich über den potentiellen künftigen Arbeitgeber möglichst gründlich zu informieren, könne es von Vorteil sein, über persönliche Kontakte herauszubekommen, was in dem Betrieb wirklich gesucht werde und welches Auftreten in der jeweiligen Unternehmenskultur erwünscht sei. Legt man Wert auf Hemd oder Hoodie, Slipper oder Sneaker? Über Mitarbeiter bekomme man häufig ehrlichere Antworten als über den direkten Kontakt zur Personalabteilung. Dennoch rät auch Bürgel unbedingt zum persönlichen Kontakt nach einer Absage: "Versuchen Sie, dort anzurufen und direkt noch einmal mit den Gesprächspartnern zu reden. Fragen Sie nach, warum Sie eine Absage bekommen haben."

Was außerdem zählt: Nach dem Gespräch im Guten auseinandergehen. Auch wenn eine Absage zunächst sehr schmerzt, könnte es sein, dass man zu einem späteren Zeitpunkt oder aus einem anderen Anlass noch einmal zusammenkommt. "Man sollte es sich mit den Leuten nie verscherzen, dann kann man später immer wieder andocken", rät Roth. Vielleicht ist die eigene IT-Erfahrung bis dahin ja umfassender, sind die Englischkenntnisse dank Auslandsaufenthalten verbessert oder die Umstände insgesamt glücklicher, sodass einem Start im gewünschten Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt nichts mehr im Weg steht.

Für Thomas K. hat sich nach seiner Absage übrigens schnell ein neuer interessanter Praktikumsplatz in einem anderen Unternehmen ergeben. Die falsche Lebenslauf-Interpretation des ersten Chefs und die damit verbundene Absage hat dem jungen Bewerber sogar zusätzlichen Auftrieb und neues Selbstbewusstsein gegeben nach dem Motto: Auch auf der anderen Seite passieren Fehler. Ich brauche mich nicht zu verstecken, im Gegenteil.

Alle Rechte vorbehalten © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

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Kommentare (3)

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  1. Anonym

    Naja, hilft leider nicht so sehr. Nicht persönlich nehmen, dabei geht es ja nur um die eigene Person gerade wenn als Grund genannt wird man sei nicht x oder z genug. Das hat ja dann nur mit der Person zu tun, und mit nichts anderem.

  2. Anonym

    Naja, hilft leider nicht so sehr. Nicht persönlich nehmen, dabei geht es ja nur um die eigene Person gerade wenn als Grund genannt wird man sei nicht x oder z genug. Das hat ja dann nur mit der Person zu tun, und mit nichts anderem.

  3. Anonym

    Naja, hilft leider nicht so sehr. Nicht persönlich nehmen, dabei geht es ja nur um die eigene Person gerade wenn als Grund genannt wird man sei nicht x oder z genug. Das hat ja dann nur mit der Person zu tun, und mit nichts anderem.