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Diese Fragen sollten Sie sich im neuen Job verkneifen

Büro, Kollegen, Arbeitsplatz, Bildschirm [Quelle: unsplash.com, Autor: Damit Kopezhanov]

Quelle: unsplash.com, Damir Kopezhanov

Wer nicht fragt, bleibt dumm? Stimmt, aber wer eine neue Stelle antritt, kann auch kräftig danebenliegen – und sich schnell ins Aus katapultieren.

Was macht das Unternehmen eigentlich genau, bei dem ich von jetzt an arbeite? Wie viele Urlaubstage habe ich, was sind ganz präzise meine Aufgaben? An einem neuen Arbeitsplatz fallen solche Fragen natürlich negativ auf – sie müssen schließlich vor der Entscheidung für eine neue Stelle geklärt sein. Wer inhaltliche Dinge allerdings nach der Einstellung noch genauer abklären möchte, der kommt damit bei Personalabteilungen und Chefs gut an.

"Falsche Fragen am ersten Arbeitstag gibt es natürlich", sagt Sven R. Becker. Der Vorstand der IMC AG, einem Anbieter für digitale Bildung mit Hauptsitz in Saarbrücken, war schon oft dabei, wenn neue Mitarbeiter ausgesucht und eingestellt wurden. Wer Dinge fragt, die man mit drei Klicks über das Internet herausfinden kann, die auf der Unternehmenswebsite ohnehin stehen oder die sehr offensichtlich sind, bekommt bei ihm eine schlechte Bewertung. Aber er sagt auch: "Im Grunde muss man als Unternehmen darüber nachdenken, warum überhaupt am ersten Tag noch so viele Fragen offen sind."

14 Prozent haben innerlich bereits gekündigt

Er findet, dass es zur Willkommenskultur gehören sollte, offen für Rückfragen zu sein, so dass am ersten Tag alles geklärt ist. "Wir lösen das mit einem freiwilligen Online-Training, bevor das eigentliche Angestelltenverhältnis beginnt", sagt der 38-Jährige. Dort gibt es Informationen zum neuen Arbeitgeber allgemein, zur Struktur und den Hierarchien sowie zur Abteilung, in der der oder die Neue anfängt. So ist schnell geklärt, was von ihm erwartet wird und welches Wissen er in den nächsten Wochen aufbauen muss. "Das kann ganz locker gestaltet sein, mit Spielen und Quizzen, ganz ohne Druck", sagt Becker.

Etwas nicht zu verstehen oder nicht zu wissen kann frustrierend sein. Auch wenn sich Neulinge eine Stelle ganz anders vorgestellt haben, als sie wirklich ist, wirkt das demotivierend. "Am Anfang müssen Unternehmen dem Mitarbeiter signalisieren, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Denn viele Fachkräfte haben laut Studien schon am ersten Arbeitstag innerlich gekündigt", sagt der Personalexperte Jörg Knoblauch.

Erster Tag entscheidend

Eine Gallup-Studie aus dem Jahr 2018 gibt ihm recht: Drei Viertel aller Arbeitnehmer machen nur noch Dienst nach Vorschrift, heißt es darin, 14 Prozent haben innerlich gekündigt. Der Berater glaubt, dass die Entscheidung, auf der neuen Stelle nicht glücklich zu werden, häufig am ersten Tag fällt.

Der Autor von mehr als 30 Büchern rund um Mitarbeiterführung und Mitarbeiterbindung entwickelt mit seinen Firmenkunden Strategien, um für Angestellte attraktiv zu sein und gute Mitarbeiter zu halten.

Allerdings erkenne man die A-Mitarbeiter, also die Leistungsstarken und Lernwilligen, gerade daran, dass sie viele Fragen stellen. "Da sind dann inhaltliche Informationen gewünscht, wie man eine Aufgabe genau erledigt und wie man es besser machen kann", sagt Knoblauch. Dagegen sind der Wunsch nach einem frühen Feierabend ("Kann ich heute früher gehen?") oder Fragen nach der Kantine und den Urlaubstagen für ihn eher Zeichen für unmotivierte, schwächere Mitarbeiter.

Vorsicht vor eigenständiger Diskreditierung

Auch Jutta Gentsch, Akademische Beraterin bei der Arbeitsagentur in Stuttgart, glaubt, dass Neulinge am ersten Arbeitstag mit den falschen Wissenslücken ins Fettnäpfchen treten können. Vor allem taktlose und übergriffige Fragen sollten sich Mitarbeiter am ersten Tag verkneifen. "Ich denke da an die NS-Vergangenheit eines Unternehmens oder diverse Managerskandale in der jüngeren und älteren Firmengeschichte", sagt Gentsch. Viele Kollegen reagierten auf solche Themen sensibel und wollten darüber nicht gleich am Anfang sprechen.

Es sei ohnehin wichtig, so die Karriereberaterin, dass man nicht direkt mit der Tür ins Haus fällt. "Am Anfang ist Sensibilität wichtig", sagt sie. "Die ersten hundert Tage sollte man besonders höflich sein. Denn wer erfolgreich kommuniziert, hat Gelegenheit, einen guten ersten Eindruck zu formen."

"Muss ich zur Pause ausstempeln?"

Die Neuen fangen gefühlt erst einmal ganz unten in der Hierarchie an, unabhängig von der Karrierestufe, und entsprechend zurückhaltend sollten sie sich auch benehmen. Insbesondere persönliche Wertungen, Jammern oder Beklagen diskreditieren jeden Berufsanfänger. Dagegen zeigen Nachfragen auf professioneller Ebene Interesse und Aufmerksamkeit.

Wie viel man sich herausnehmen kann, hänge auch davon ab, ob es sich um einen Mangelberuf handelt. "Einem IT-Experten im ländlichen Raum lässt der Vorgesetzte so manches durchgehen. Denn er ist auf die Fachkraft angewiesen, und es würde schwierig sein, sie zu ersetzen", sagt Jutta Gentsch. Außerdem stünden Mitarbeiter auf höheren Karrierestufen stärker unter Beobachtung als jene auf unteren Ebenen.

Ein absolutes No-Go sind für die Beraterin Versuche, die Manipulierbarkeit des neuen Umfelds herauszufinden. Fragen wie: "Wie tickt der Chef so?" oder "Muss ich zur Pause ausstempeln, oder lassen wir die Zeit weiterlaufen?" sowie "Fällt es auf, wenn ich das iPad mit nach Hause nehme?" sollten sich Neulinge lieber verkneifen.

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