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Was eine berufliche Neuorientierung bedeutet

Weiterbildung Bildung (© Frank Boston - Fotolia )

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Die eigene Karriere nochmals auf einen neuen Kurs zu bringen, ist heute einfacher als früher – und oft auch Voraussetzung, um langfristig auf dem Arbeitsmarkt Chancen zu haben. Trotzdem solltest du dir eine Umschulung gut überlegen.

Die Arbeitswelt ist im Wandel – laut Schätzungen der Universität Oxford werden in den nächsten zwei Jahrzehnten rund 47 Prozent aller Jobs wegfallen. Doch nicht nur wenig qualifizierte Arbeitsplätze sollen dieser sogenannten vierten industriellen Revolution zum Opfer fallen. Auch Arbeitnehmer:innen in höher qualifizierten Berufe müssen sich neue Fähigkeiten aneignen – "Reskilling" heißt das im Fachjargon.

Eine berufliche Weiterbildung ist oft der erste logische Schritt, um die eigene Expertise in deinem Fachbereich zu erweitern. Willst du dich stattdessen nach einem neuen Beruf umsehen, ist es Zeit für eine Umschulung. Diese kannst du sowohl in Teil- als auch in Vollzeit absolvieren. Es wird dabei zwischen betrieblicher und überbetrieblicher Umschulung unterschieden. Im Fall einer betrieblichen Umschulung absolvierst du deine Ausbildung auf dualem Weg und besuchst berufsbegleitend die Berufsschule. Bei einer überbetrieblichen Umschulung übernehmen private Bildungsträger den praktischen Unterricht und oft auch den theoretischen Teil der Berufsschule.

Wann macht eine Umschulung für dich Sinn?

Bevor du dich für eine Umschulung entscheidest, solltest du dir Gedanken über ein paar Punkte machen. Überleg dir, welche Herausforderungen bei einer Umschulung auf dich zukommen und stell dir im Vorfeld diese Fragen, um herauszufinden, ob eine Umschulung für dich in Frage kommt:

  • Woher kommt deine Unzufriedenheit im aktuellen Job? Wenn du schon lange in deinem Beruf tätig bist, kann der Wunsch nach Veränderung groß sein. Mach aber nicht den Fehler und übertrage Dinge, die dich in deiner momentanen Situation ärgern, auf deine Berufstätigkeit an sich. Ein schlechtes Arbeitsklima etwa lässt sich vielleicht auch durch einen internen Wechsel oder die Anstellung in einem neuen Unternehmen vermeiden. Verwechsle also ein Jobwechsel nicht mit einem Berufswechsel.
  • Wie groß ist deine Motivation für den WechselEin Berufswechsel kostet dich immer Zeit, Geld und Nerven. Was willst du konkret tun? Wo liegen deine Fähigkeiten? Diese Überlegungen helfen dir bei der Beantwortung dieser Frage. Mach einen Persönlichkeitstest, um herauszufinden, worin deine Stärken liegen und wie du sie im angestrebten Beruf einbringen kannst.
  • Wie ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt für deinen angestrebten BerufNur wenn sich gute Zukunftschancen in deinem angestrebten Beruf ergeben, macht eine Umschulung Sinn. Schließlich möchtest du nach der Ausbildung nicht vor einer langen Jobsuche stehen.
  • Wie finanzierst du den Berufswechsel? Schließlich stellt sich auch die Frage der Finanzierung, denn während der Umschulung hast du keine Einkünfte. Wer bei der Finanzierung der Umschulung auf die Förderung durch die Arbeitsagentur oder Bildungsträger angewiesen ist, muss sich mit dem Angebot jener Förderungsträger wie bspw. der Deutschen Rentenversicherung zufriedengeben. Erfährt dein angestrebter Beruf kaum Unterstützung, solltest du dich an andere Geldgeber wenden.

Wer bezahlt dir die Umschulung?

Eine Umschulung musst du nicht zwangsläufig aus eigener Tasche bezahlen. Es gibt einige Instanzen, die dir finanziell unter die Arme greifen – jedoch mit unterschiedlichen Kriterien:

  • Arbeitsagentur: Die Arbeitsagentur betrachtet eine Umschulung als Form der Weiterbildung. Du kannst also Fördergelder erhalten – einen Anspruch auf Kostenübernahme hast du aber nicht. Außerdem musst du bereits über eine Berufsausbildung (Erstausbildung) verfügen, sodass die Umschulung auf deinen Fachkenntnissen aufbauen kann. 
  • Jobcenter: Im Fall einer Umschulung durch das Jobcenter wird dein Lebensunterhalt über Hartz4 finanziert. Die konkrete Höhe richtet sich nach deinem individuellen Anspruch.
  • Deutsche Rentenversicherung: Bist du schon lange in deinem Unternehmen tätig,  kann eine Umschulung durch die Rentenversicherung finanziell übernommen werden.
  • Ausbildungsbetrieb: Im Fall einer betrieblichen Umschulung wird das normale Ausbildungsgehalt gezahlt.
  • Schüler-BAföG: Du bist Schüler:in und hast zu Beginn der Ausbildung das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet? Dann kannst du BAföG für den Besuch der (Berufs-)schule beantragen.
  • Bildungskredit: Der Bildungskredit ist unabhängig von deinem Einkommen bzw. dem deines familiären Umfelds. Du kannst den zinsgünstigen Kredit beantragen, wenn du das 36. Lebensjahr noch nicht vollendet hast.
  • Berufsgenossenschaften: Wenn du einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit erlitten hast und in deinem Beruf nicht mehr arbeiten kannst, ist die Berufsgenossenschaft deine Anlaufstelle.

Was sind die Gründe, die Menschen zu einer Umschulung bewegen?

Häufig werden die Gründe für eine Umschulung nicht von den Menschen beeinflusst: Das können beispielsweise drastische Einschnitte in der eigenen Biographie sein, wenn etwa gesundheitliche oder familiäre Gründe dahinterstecken. Diese Menschen können oder dürfen dann einen bestimmten Beruf nicht mehr ausüben.

Dann gibt es aber auch Menschen, die einen Wandel in sich selbst finden und einen Umbruch für eine Neuorientierung nutzen. Typischerweise haben diese Personen ein Berufsfeld für sich entdeckt, mit dem sie früher in Berührung gekommen sind. Es sind daher sowohl externe als auch interne Faktoren, die Menschen zu einer Umschulung bewegen.

Gibt es eigentlich eine typische Zielgruppe oder eine bestimmte Altersgruppe für Umschulungen?

Mir fällt keine bestimmte Gruppe auf, obwohl ich viel mit Umschüler:innen zu tun habe. Diese stammen aus unterschiedlichsten Altersgruppen, egal von wo der Anstoß kommt. Wenn ich einen Rat geben muss, wann ich eine Umschulung als "sinnvoll" erachte, würde ich sagen, dass der Beweggrund von innen kommen beziehungsweise das Feld so gewählt sein soll, dass sich die Umschüler:innen darin auch für einen längeren Zeitraum wiederfinden können. Gleichzeitig finde ich auch, dass man idealerweise nach einer Ausbildung oder dem Studium zwei, drei Jahre in dem Berufsfeld gearbeitet haben soll. So kann man sich ein Bild machen, ob der Beruf den eigenen Vorstellungen entspricht oder nicht. Solch eine Entscheidung sollte man nicht übers Knie brechen. Ich plädiere zwar schon für die Devise "Augen zu und durch" und bin dafür, gerne mal einen mutigen Schritt zu wagen. Andererseits ist es schwierig, wenn man dem aktuellen Job keine Chance gibt.

Hinsichtlich der Pandemie sollte man für sich einen Beruf, beispielsweise im Tourismus, nicht grundsätzlich verwerfen und sofort zu einer Umschulung greifen. Es ist gut, den Markt zu beobachten und im erweiterten Umfeld Erfahrungen zu sammeln, um gegebenenfalls später auf den alten Beruf zurückzukommen.

Hinsichtlich der Digitalisierungswelle lautet der Kanon, dass nun nicht flächendeckend minderqualifizierte Berufe wegrationalisiert werden, sondern auch höherqualifizierte Jobs betroffen sein können. Stützen Sie diese Aussage?

Ich glaube, dass es stark darauf ankommt, was den Job ausmacht und ob der Prozess digitalisiert werden kann oder nicht. Das geht nicht in allen Berufen – unabhängig davon, ob minderqualifiziert oder nicht. Das bedeutet: Ich sehe schon die Notwendigkeit einer Weiterbildung, dass man sich etwa in Digitalkompetenzen fortbildet innerhalb des Berufes. Als Beispiel ist hier das Marketing zu nennen, was sich gerade in der Pandemie stark verändert und der Fokus nun noch stärker auf Social Media und Performance Marketing liegt. Vor zehn Jahren setzte man noch mehr auf Offline-Maßnahmen.

Ich glaube, dass die Weiterbildung tatsächlich sehr wichtig wird – eine Umschulung wird aber kurzfristig nur einzelne Berufe betreffen. Je näher der Job am Menschen dran ist, umso weniger sind diese Jobs von dieser Digitalisierungswelle betroffen. Und das Schöne an diesem Umbruch ist ja, dass auch neue Jobrollen entstehen.

Welche Tipps geben Sie Personen, die überlegen, eine Umschulung zu machen?

Eine Umschulung ist nicht in zwei Tagen gemacht. Jeder sollte sich daher gründlich Gedanken machen, warum er eine Umschulung in einem spezifischen Bereich anstrebt. Werde ich dazu gedrängt, oder ist es etwas, was mir tatsächlich liegt? Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich sagen: Wenn ein Lebenslauf vor mir liegt, der durch fünf Umschulungen geprägt ist, macht das den Eindruck von Unentschlossenheit auf mich. Es ist wichtig, zumindest die eigenen Ziele und Kompetenzen zu kennen und sie mit der Marktsituation abzugleichen.

Man muss sich außerdem bewusst machen, dass eine Umschulung auch ein  "Lernen lernen" bedeutet. Gerade wenn man sehr lange aus dem Lernprozess raus ist, kann das Schwierigkeiten bereiten. Direkt nach der Uni oder der Schule geht dies einfacher. Ich empfehle außerdem, sich einen geeigneten Umschulungspartner zu suchen. Dafür gibt es auch tolle Förderprogramme. Oft sind bei Weiterbildungsträgern auch Job-Coaches mit dabei – auf deren Tipps sollte man hören.

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