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"Ein Gefühl wie im Bällebad"

Anstellung, Handschlag, alter Arbeitgeber, Frauen, Chef, Mitarbeiter  [Quelle: Pexels.com, Autor: Tima Miroshnichenko]

Quelle: Pexels.com, Tima Miroshnichenko

Viele erfolgreiche Karrieren führen Manager irgendwann in Unternehmen zurück, bei denen sie zuvor schon gearbeitet haben. Damit das klappt, sollten sie schon beim Abschied die Weichen für eine Rückkehr stellen, um sich Türen offenzuhalten – und auch später ein paar Dinge beachten.

Als Maria Kuschnir ihren Job beim Versicherungskonzern Ergo in Düsseldorf nach neun Jahren kündigte, tat sie das schweren Herzens. Mit den Kollegen und ihrem Vorgesetzten verstand sie sich gut, der Job machte Spaß, das Gehalt stimmte. Doch ihr Mann und sie hatten immer vorgehabt, eines Tages zurück in ihre Heimatstadt Braunschweig zu ziehen. Als dann ihr Kind zur Welt kam, vermissten sie obendrein die Unterstützung der Großeltern. Eine Stelle in Braunschweig, bei Volkswagen Financial Services, fand die Versicherungsmathematikerin schnell. Samt höherem Gehalt. "Ich dachte, es sei ein Abschied für immer", erinnert sich Kuschnir. Ihren Chef fragte sie beim Abschied von der Ergo trotzdem: "Nimmst du mich zurück, wenn es mir nicht gefällt?" Er lächelte und sagte: "Schauen wir mal."

Beim einstigen Arbeitgeber wieder anzudocken gilt für manchen als Ausweis des Scheiterns. Als Beleg dafür, es anderswo nicht geschafft zu haben. Und damit als endgültige Einfahrt in die Karrieresackgasse. Dabei gibt es etliche Beispiele, die das Gegenteil beweisen. So kam der frühere Lufthansa-Chef Christoph Franz nach einem Ausflug zur Deutschen Bahn in den Konzern zurück, auch der Airbus-Vorstandsvorsitzende Guillaume Faury wechselte zunächst vom Luftfahrtkonzern zum Autohersteller Peugeot, bevor er dann als Chef an die einstige Wirkungsstätte zurückkehrte. Und TUI-Manager Sebastian Ebel kehrte dem Tourismuskonzern sieben Jahre lang den Rücken, bevor er dann in den Vorstand einrückte.

Weniger Risiko, mehr Erfahrung

Gerade in der aktuellen Krise kann eine Rückkehr zum alten Arbeitgeber eine gute Idee sein – und zwar für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Die einen scheuen, selbst wenn sie unzufrieden sind, angesichts der ungewissen Lage den Jobwechsel, nicht zuletzt wegen der Probezeit. Die anderen brauchen dringend gute Leute, aber tun sich wegen der Zögerlichkeit unter den Talenten schwer, eben diese zu finden. Wenn sich die Beteiligten schon kennen, ist das Risiko für beide Seiten geringer. Viele Personaler schätzen zudem die Mischung an Kompetenzen, die Rückkehrer mitbringen: Sie haben sich im Markt bewährt, neue Erfahrungen gesammelt und kennen zugleich das Unternehmen.

Die Entscheidung, eine Firma zu verlassen, bereut mancher schnell, wenn sich der neue Job oder die neue Stadt doch nicht als so schillernd erweist. So war es auch bei Ergo-Managerin Kuschnir. "Private Gründe gehören zu den typischen Mustern, wieso Mitarbeiter kündigen", sagt Angela Westdorf, Headhunterin bei der Personalberatung Signium. Doch schon bei der Unterschrift des Vertrags von Volkswagen, erinnert sich Kuschnir, "hatte ich ein Störgefühl". Düsseldorf, so spürte sie, war doch längst ihr eigentliches Zuhause geworden.

Nach anderthalb Jahren fasste Kuschnir den Entschluss: "Die nächste freie Stelle bei Ergo ist meine." Es wurde dann die zweite. Ihr Name auf der Bewerberliste fiel einer Personalerin auf, die Kuschnir noch in guter Erinnerung hatte. Und für die Versicherungsmathematikerin zahlte sich die Rückkehr zu ihrem alten und jetzt wieder aktuellen Arbeitgeber aus. Sie verdient heute besser als bei ihrem Abgang.

Längst nicht immer verläuft der Schritt zurück so geschmeidig wie bei Kuschnir. Gerade wenn sich beide Seiten nicht im Guten getrennt haben, sich ein junges Talent über fehlende Aufstiegsmöglichkeiten empört oder eine erfahrene Führungskraft eine neue Strategie sabotiert hatte, wenn böse Worte gefallen waren oder erbittert über Kündigungsfristen gestritten wurde, dann wird die spätere Rückkehr schwierig.

Joachim Doose hatte aus Frust gekündigt. Vor nunmehr fünf Jahren war der 39-Jährige als Projektleiter für Trainingsdienstleistungen beim Technikunternehmen Steep eingestiegen. Zumindest als Vertretung war er zum kaufmännischen Leiter einer Tochtergesellschaft befördert worden. Doch für seinen Geschmack hätte die Karriere durchaus schneller gehen dürfen. Als ihn dann ein Maschinenbauunternehmen mit einem besseren Posten, mehr Geld und kürzerem Arbeitsweg lockte, griff er zu. Doch so überzeugt Doose den Schritt ging, so sehr achtete er darauf, seinen Frust für sich zu behalten und sich keine Türen zu verschließen. "Mein ehemaliger Bereichsleiter übernahm meinen Ausstand im Rahmen eines Firmenabendessens, ich habe den direkten Kollegen am letzten Tag allen die Hand geschüttelt und eine Abschiedsmail an alle geschickt", erzählt er.

Reue in der Probezeit

Solch ein höflicher Abgang aber gelinge nicht jedem, sagt Headhunterin Westdorf. Manche vernachlässigten, sobald sie das neue Angebot in der Tasche haben, ihre Aufgaben und verärgern damit Chefs wie Kollegen. "Andere heben ab, geben lautstark damit an, dass bei ihrem nächsten Unternehmen alles besser sei, und vergiften so die Atmosphäre."

Wer es wie Doose macht, profitiert von den alten Kontakten. Der Projektmanager stellte schnell fest, dass der neue Job nichts mit dem zu tun hatte, was er sich versprochen hatte. Zugesichert hatte man ihm, dass er einen neuen Bereich aufbauen dürfe und dafür mindestens 18 Monate Zeit bekommen sollte. Schon nach vier Monaten setzten der Investor und die Gründer Ziele, die ihm unerreichbar erschienen. Das setzte Doose zu. "Ich wollte nicht jeden Morgen mit Bauchweh zur Arbeit kommen", sagt er. Noch in der Probezeit kündigte Doose, nahm sich eine einjährige Auszeit für die Familie und kontaktierte die einstigen Kollegen: Wie es so gehe? Was die Abteilung mache? Man traf sich mal auf einen Kaffee, mal schrieb man sich über WhatsApp. Als dann bei Steep eine Stelle im Marketing frei wurde, sagte ihm einer seiner ehemaligen Kollegen Bescheid.

Mindestens genauso wichtig wie der Abschied selbst, auch das zeigt sich am Beispiel des Rückkehrers Doose, ist die weitere Kontaktpflege. Dank sozialer Netzwerke ist die zwar einerseits so unkompliziert wie nie, doch das macht die Sache nicht zwingend leichter. So sollte gut überlegt sein, zu welchen Anlässen man mit den einstigen Kollegen kommuniziert und wann man eher schweigt, sagt Headhunterin Yurda Burghardt von der Beratung Kerkhoff Group. Mit fachlichen Fragen oder Geburtstagsgrüßen könne man nichts falsch machen. Vorsicht sei hingegen geboten, wenn es um die Zufriedenheit im neuen Job geht: "Man kann vage Andeutungen machen, aber sollte keine Details erzählen oder gar um einen Job in der früheren Firma flehen." Das könnte die eigene Position schwächen.

Im besten Falle geht es einem dann wie Joachim Doose, aus dessen Bewerbung für die offene Stelle im Marketing sich ein höchst ergiebiger Austausch ergab. Auf die Ausschreibung passte sein Profil zwar nicht so recht, wenig später aber rief ihn der Geschäftsführer an und bot ihm eine andere Stelle im Vorstandsstab an. Noch bevor er die Stelle antrat, erhielt er viele Nachrichten von den alten, neuen Kollegen, voller Freude. Und so erlebte Doose in den folgenden Wochen etwas, von dem viele Rückkehrer berichten: "Ich musste nicht bei null anfangen, ich hatte mir mein Standing schon aufgebaut und wusste, ich passe ins Team und ins Unternehmen." Die Rückkehr fühlte sich an "wie in ein Bällebad zu fallen".

Dass solch eine Stimmung offenbar nicht nur die Rückkehrer spüren, zeigte eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half im vergangenen Jahr: 94 Prozent der Arbeitgeber in den USA sagten darin, dass sie gerne ehemalige Angestellte zurücknehmen würden. Und sie tun einiges dafür. Gerade in Branchen, in denen der Fachkräftemangel besonders drängend ist. Arbeitsrechtler Stefan Röhrborn von der Kanzlei Vangard setzt öfter Entlassungspläne von Unternehmensberatern für seine Klienten um. Er erinnert sich an den Mitarbeiter eines Automobilzulieferers, "der nur deshalb durchs Rost fiel, weil er älter war". Dass er ein besonders erfolgreicher Vertriebler war, merkten die Vorgesetzten erst, als er schon weg war – und sich das auch in den Zahlen zeigte. Bald übten sogar die einst vom entlassenen Mitarbeiter betreuten Kunden Druck aus, ihn zurückzuholen. Mit Erfolg: Nach vier Monaten war er wieder da, mit mehr Gehalt und mehr Urlaub.

Grafik Rückkehrer in Unternehmen [Quelle: Wirtschaftswoche]

Gehaltssprung von 15 Prozent

Auch hinter diesem Fall steckt ein typisches Muster: Fast immer lohnt sich die Rückkehr zu bekannten Kollegen nicht nur emotional, sondern auch finanziell. "Beim Jobwechsel sind 10 bis 15 Prozent mehr Gehalt üblich – auch bei Rückkehrern", sagt Headhunterin Burghardt. Umso bitterer, dass viele Arbeitnehmer den Schritt zurück oft gar nicht wagen, etwa weil zumindest in ihrer Wahrnehmung der Ärger im Unternehmen über ihren einstigen Abgang noch nachwirkt. Dabei ist das nur selten ein Hindernis, beobachtet Headhunterin Westdorf: Solche Emotionen erledigten sich meist schnell. Zudem werde die Rückkehr oft gar nicht über den früheren Vorgesetzten eingefädelt, sondern über die Geschäftsführung, andere Führungskräfte im Unternehmen oder die Personalabteilung.

Am schwierigsten wohl fällt der Schritt zurück, wenn mit dem Abgang persönlicher Ärger verbunden war: auf die Firma als ganze oder einen speziellen Kollegen. In jedem dritten Fall sei der direkte Vorgesetzte der Grund für eine Kündigung, sagt Headhunterin Burghardt. Bei Manager Novica Savic im Familienunternehmen Heraeus stieg sein Chef und Förderer auf. Mit dem neuen kam er nicht klar. Und so schlug er schnell ein, als ein neues Angebot kam. Nach zwei Jahren fragte ihn ein einstiger Heraeus-Kollege, ob er nicht zurückkommen wolle – und brachte Savic damit in eine Zwickmühle, die viele Rückkehrer kennen: Das Angebot vom ehemaligen Arbeitgeber interessierte ihn, zugleich aber hatte er noch den unschönen Anlass der Kündigung im Kopf und die Wut darüber im Bauch.

Personalberaterin Burghardt rät in solchen Fällen, das Gespräch mit den ehemaligen Kollegen zu suchen und so herauszufinden, ob sich an den Umständen, die damals zur Kündigung führten, etwas geändert hat. Bei einer neuen Lage lohne es sich, über den eigenen Schatten zu springen. Savic fiel dieser Sprung leicht, war der einstige Chef doch nicht mehr da, die ihm angebotene Rolle zudem spannend: die Leitung einer größeren Division mit größerem Produktportfolio. Und so klingt Savics Fazit des vermeintlich ungehörigen Karriereschritts ähnlich wie das der Ergo-Managerin Kuschnir oder des Projektmanagers Doose: "Zurückzukommen war eine goldrichtige Entscheidung."

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