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Anzeichen von Stress

In Japan ging es mir und anderen schon öfter so, dass wir zum Beispiel beim Lesen eines wissenschaftlichen Artikels oder beim Schreiben einer E-Mail angefangen haben, völlig unbegründet und unkontrolliert zu kichern. Außerdem fängt man hier an, am Wochenende total durchzudrehen und Blödsinn zu machen. Dann weiß man auch, dass man mal wieder etwas zurückschrauben muss.

Nico

Wie meldet sich der Körper?

Der Körper zeigt an, wenn es ihm zu schnell geht. Panikattacken, Hypochondrie, Ticks und Zwangshandlungen wie manisches Putzen sind Anzeichen, die man unbedingt ernst nehmen sollte. Achtung: Wer sich nur bei der Arbeit wirklich wohl und in entspannten Situationen schnell niedergeschlagen und traurig fühlt, zeigt ein typisches Symptom einer Depression. Forscher haben herausgefunden, dass depressive Menschen sich durch permanente Aktivität von ihrer schwermütigen Stimmung ablenken. Entspannung erleben sie – anders als Gesunde – nicht als angenehm. Wer dieses Symptom bei sich selbst beobachtet, sollte eine Beratungsstelle aufsuchen. 

Folgende Anzeichen können auf ein Burnout-Syndrom hindeuten:

Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen, Verspannungen und ein Gefühl der ständigen Erschöpfung sind erste Indizien. Auf Dauer kommt es zu depressiven Verstimmungen und einer pessimistischen Grundhaltung. Man fühlt sich kraftlos, gleichzeitig aber nervös und neigt dazu, anderen Vorwürfe zu machen. Freunde und Familie beklagen sich darüber, vernachlässigt zu werden. Das Beziehungsleben ist gestört, was die Verzweiflung verstärkt, im schlimmsten Fall bis hin zu Suizidgedanken. 

Wo gibt es Hilfe?

Die Beratungsangebote an den Unis sind meist unzureichend. Häufig gibt es einen Psychologen für die ganze Hochschule, auf einen Platz in der Gruppentherapie muss man manchmal monatelang warten. Doch auch die Studentenwerke haben psychologische Beratungsstellen. Der Hälfte aller Beratungssuchenden ist mit einem einzigen Gespräch schon geholfen, weil einem dadurch oft erst klar wird, wo das eigentliche Problem liegt. Für die anderen gibt es die Möglichkeit einer Überweisung in Therapie.

Und wer zahlt das?

Deine Krankenkasse. Achtung: Gesetzliche Krankenkassen zahlen nur, wenn der Therapeut von der Kasse zugelassen ist. Private Kassen haben unterschiedliche Regelungen; hier fragt man am besten direkt bei seiner Kasse nach. Wird die Therapie nicht von der Kasse übernommen, kostet die Einzelsitzung zwischen 50 und 150 Euro. Krankenkassen zahlen in der Regel nur Kurztherapien von 25 Stunden. Bei Bedarf ist es meist kein Problem auf 25 Stunden aufzustocken. Speziell für Burnout-Patienten bieten viele Kassen Kuren an, in denen die Patienten lernen, sich zu entspannen.

Was kann ich selbst machen?

  1. Lerne eine Entspannungstechnik. Etwa progressive Muskelentspannung – das kann man auch noch zehn Sekunden vor der Prüfung machen! Entsprechende Kurse bieten Fitnessstudios an. Die Kosten übernimmt zu 80 Prozent die Krankenkasse (vorher bei der Kasse fragen, ob das Studio zugelassen ist). Sonst tut es auch eine CD.
  2. Sport. Egal ob Yoga oder Fußball.
  3. Nicht alleine bleiben. Mit Freunden sprechen, zu einer Beratung gehen, in eine WG ziehen.
  4. Wenn's nicht geht: "Nein" sagen.
  5. Sei gut zu dir. Schlaf genug, iss gesund. Geh mal wieder in die Sauna oder zur Massage.

Ich habe ein Talent dazu, meinen Stundenplan vollzustopfen. Die Trimester in Oxford sind nur acht Wochen lang. Gleichzeitig habe ich viel Sport gemacht, dann will man noch Freunde sehen. Wenn ich nicht mehr kann, merke ich das daran, dass ich einen Tunnelblick kriege. Ich höre Leuten nicht mehr gerne zu, werde nervös, weine viel, esse zuviel. Mit der Zeit habe ich gelernt, Anzeichen früh festzustellen. Und auch früher zu sagen: Ich kann jetzt nicht, ich will jetzt nicht zuhören. Ein wichtiger Ausgleich ist Sport für mich geworden. Und ich habe einen Kurs gemacht, um anderen Leuten zu helfen. Das nennt sich "supportive listening". Man lernt Gesprächstechniken, die dem anderen helfen, selbstständig zu mehr Klarheit in Entscheidungsprozessen zu kommen. Das war sehr hilfreich. Ich habe mir so ein gutes Unterstützungsnetzwerk aufgebaut.

Lisa

Zu guter Letzt ein paar Worte zum Thema Zeit sparen:

Zeitmanagement-Strategien zielen darauf ab, mehr Dinge in weniger Zeit erledigen zu können. Das ist für alle hilfreich, die ein Problem damit haben, sich vernünftig zu organisieren. Das Problem der meisten Menschen, die darüber klagen, nie genug Zeit zu haben, ist aber ein anderes. Sie tappen in die Zeit-Spar-Falle: Mit jeder Methode, die es ihnen erlaubt, Arbeit in weniger Zeit zu erledigen, schaffen sie sich einen Freiraum, den sie sofort mit noch mehr Arbeit und Aktivität anfüllen. So entsteht eine verhängnisvolle Spirale, die immer mehr Hektik in den Alltag bringt. Dieses Paradox zu durchschauen ist der erste Schritt zu einem souveräneren Umgang mit Zeit. Gegenmittel: Sich regelmäßig Zeiten einzuräumen, in denen man wirklich einmal gar nichts macht (also auch nicht fernsehen oder E-Mails checken!), sondern versucht, den Moment möglichst intensiv wahrzunehmen: Geräusche, die uns umgeben, die Temperatur, das Wetter – das Leben.

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