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Interview: So palavern die Profis

Als Politiker sind Sie Profi im Small Talk. Wie kommen Sie mit fremden Leuten ins Gespräch?

Ich versuche, einen Anknüpfungspunkt jenseits der Politik zu finden. Das erfordert ein bisschen Vorbereitung. Wenn ich eine Gesprächsrunde in einem Bürgerhaus habe, informiere ich mich über den Stadtteil. Bei einem Werftbesuch spreche ich mit den Kollegen dann eher über das Schiff, das sie bauen. So merken die Leute, dass ihr Abgeordneter ein ganz normaler Mensch ist. Nach einer Beschnupperungszeit von fünf bis zehn Minuten rede ich dann über Politik. 

Was macht gelungenen Small Talk aus?

Es bringt nichts, die Leute vollzulabern. Ich bin beispielsweise von den klassischen Hausbesuchen abgekommen, weil sich die Besuchten immer in ihrer Privatsphäre gestört fühlten. Wenn ich mich vorstellte "Guten Tag, Johannes Kahrs, ihr Bundestagsabgeordneter von der SPD," kam oft die Antwort "Und nun? Was kommt jetzt?". Ich biete deshalb Gesprächsformen an, die über den klassischen Small Talk hinausgehen: Sprechstunden, Tagesfahrten, ein Bürgertelefon und Stammtische. Und zum Teetrinken kann man sich auch mit mir verabreden. Die Aktion heißt "Und Kuchen bringt er mit."

Wie läuft Small Talk "on air" ab?

Die "Morgenwelle" dauert von sechs bis zehn Uhr. Im Laufe der Sendung können die Hörer anrufen, um sich Musikstücke zu wünschen. Dabei unterhalte ich mich dann ein bisschen mit ihnen, wenn es gut läuft, so an die zwei Minuten. Manchmal haben wir einen thematischen Aufhänger, etwa wenn Freitag der 13. ist oder eine neue Fernsehserie anläuft. Meistens erzählen die Leute aber einfach, was ihnen durch den Kopf geht. 

Wie halten Sie das Gespräch am Laufen?

Im Radio kann ich natürlich frecher plaudern als im realen Gespräch und ihnen öfters mal ins Wort fallen. Ich hangele mich dann von Wort zu Wort: Wenn ein Anrufer sagt, dass es gestern so schrecklich heiß war, dann frage ich: "Wo warst du denn gestern?" Er sagt: "Auf dem Tennisplatz", dann kann ich wieder antworten "Ah, du spielst Tennis. Machst du noch anderen Sport?" und so weiter. Mit Weiterfragen und einem Ohr für Schlüsselbegriffe bekommt man die Leute zum Reden.
 
Manchmal entwickelt sich mit Daueranrufern auch ein Small Talk als Fortsetzungsstory über mehrere Tage. Sogar ein Pärchen hat sich so gefunden: Beide haben oft angerufen, sich dann gegenseitig gegrüßt, schließlich habe ich ein Gespräch arrangiert. Wenn der Anrufer kurzsilbig ist oder Redehemmung hat, frage ich ihn, ob er ein Morgenmuffel ist. Daraus lässt sich dann auch eine Geschichte machen.

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