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Sieben Tipps zum Neustart

Kollegen im Büro [Quelle: unsplash.com, Autor: Annie Spratt]

Quelle: unsplash.com, Annie Spratt

Die Post-Corona-Phase in den Unternehmen bietet für die eigene Entwicklung viele Chancen – wenn man sie zu nutzen weiß.

Kennen Sie noch dieses Gefühl, wenn nach den Sommerferien der erste Schultag bevorsteht? Haben Sie damals vielleicht auch regelmäßig den Vorsatz gefasst, dass im neuen Schuljahr vieles besser laufen soll: häufiger melden, nicht erst kurz vor den Klausuren lernen und bei den neuen Lehrkräften nicht schon am ersten Tag als Klassenkasper auffallen? Die Rückkehr aus dem permanenten oder zeitweiligen Homeoffice hat viel von dieser damaligen Back-to-School-Stimmung.

Wer schon immer nach einem Startpunkt gesucht hat, um schlechte Angewohnheiten im Job abzulegen und seiner Karriere dadurch neue Impulse zu geben – jetzt ist der Moment. Denn in den anderthalb Corona-Jahren hat sich auch in den Unternehmen viel verändert. Die Pandemie beschleunigt den Abbau von Unternehmenshierarchien sowie den Trend hin zur Netzwerkorganisation und hybriden Arbeitsformen. Expertenwissen, Teamwork und geteilte Verantwortung werden wichtiger. In diesem Wandel liegen für viele Mitarbeiter Chancen, um beruflich voranzukommen.

Zumal sich das Verständnis von Karriere in der Krise gewandelt hat. Die Zeit im Lockdown, ohne die sonst üblichen Ablenkungen, hat bei vielen Angestellten Raum zur Reflexion freigemacht: "Will ich wirklich immer mehr Geld und Verantwortung? Oder habe ich vielleicht die zusätzliche Zeit mit der Familie so sehr genossen, dass ich darauf nun nicht mehr verzichten möchte?" Der Karriere-Coach Bernd Slaghuis sagt: "Karriere ist heute nicht nur 'höher, schneller, weiter', sondern vor allem Ansichtssache."

Nur wer für sich selbst erkannt habe, was für Erfüllung, Erfolg und Gesundheit im Beruf wirklich wichtig ist, könne daran arbeiten, dieses Ziel in Zukunft zu erreichen. Statt des schnurgeraden Aufstiegs könne dann ein Schritt zur Seite, vielleicht sogar ein Schritt zurück zielführend sein. Slaghuis: "Die Selbstreflexion steht also an erster Stelle." Allerdings: Nur im stillen Kämmerlein vor sich hin zu grübeln reicht nicht.

Für eine große Karriere braucht es nach wie vor den Kontakt zu anderen Menschen. Davon sind die beiden Topführungskräfte-Coaches Dorothea Assig und Dorothee Echter überzeugt. Assig: "Ihre Ambition muss gesehen werden." Ob Förderer, Nutznießer oder Kritiker – persönliche Beziehungen machten den Unterschied, ob es beruflich vorangehe oder nicht. Die drei Coaches haben die sieben wichtigsten Tipps für den beruflichen Neustart für das Handelsblatt zusammengestellt.

1. Bei Chefs sichtbar sein

Nach der Pandemie stellen es viele Unternehmen ihren Angestellten frei, einen Teil ihrer Arbeitszeit weiterhin im Homeoffice zu verbringen. Das mag aus Arbeitnehmersicht verlockend erscheinen, ist aber ein potenzieller Karrierekiller. Die Gefahr des hybriden Arbeitens: Wichtige Aufgaben oder Beförderungen werden oft an diejenigen gegeben, die im Büro vor Ort sind – die also vom Chef gesehen werden. Wer Karriere aus dem Homeoffice machen will, muss klarmachen, dass er trotz der neuen Freiheit, remote zu arbeiten, bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Expertin Assig rät: "Fragen Sie nach Projekten in der Pipeline, bewerben Sie sich für Sonderaufgaben, machen Sie Vorschläge für Verbesserungen, oder unterbreiten Sie Ideen für mehr Umsatz, um sich ins Gespräch mit den Entscheidern zu bringen." Aber noch wichtiger sei, Chefs über die jeweils von Ihnen erzielten Ergebnisse und Erfolge später auch zu informieren. "Reagiert ein Vorgesetzter nicht, bitten Sie um Feedback zu Ihren Leistungen."

2. Sich den neuen Job selbst schaffen

Krisen wirken regelmäßig als Reformbeschleuniger im Management. Die durch die Pandemie angestoßenen Veränderungen enden nun nicht etwa plötzlich. Viele Strukturen und Prozesse in Unternehmen werden sich auch in der Post-Corona-Zeit fundamental wandeln. Der erste Reflex vieler Angestellter: wegducken, aussitzen und hoffen, dass die Veränderung vorüberzieht.

Falsch, meint Slaghuis: "Das ist eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und eine Gelegenheit, die zukünftige Position im Unternehmen selbst mitzugestalten." Der Experte empfiehlt daher, die Mitarbeit in innovativen Projekten nicht nur unter fachlichen Aspekten zu betrachten, sondern auch zu überlegen, welche weiteren Rollen oder veränderten Aufgaben sich für Sie persönlich daraus ergeben könnten. Slaghuis: "Wer Veränderung nicht als Gefahr, sondern als Chance für Entwicklung begreift, punktet bei Chefs als engagierter Unterstützer."

3. Selbst zur Marke werden

Wem es gelingt, sich als gefragter Spezialist für ein Thema innerhalb einer Organisation zu positionieren, beugt nicht nur der Gefahr vor, im Homeoffice unsichtbar zu werden, sondern investiert auch in sein Personal Branding. Expertin Dorothee Echter rät: "Stellen Sie Ihre Expertise intern zur Verfügung, bei Video-Meetings oder Online-Versammlungen etwa." Am besten, indem Sie zuvor für sich selbst eine Art Werbeslogan entworfen haben.

Echter: "Versuchen Sie mit maximal zehn Worten auszudrücken, was Sie treibt und woran Sie erfolgreich arbeiten." Ein konkretes Beispiel wäre der Slogan einer Online-Marketingspezialistin: "Aussagekräftige Analysen für das erfolgreiche Digital-Marketing." Echters Ratschlag lautet, diesen Claim möglichst oft zu verwenden, zum Beispiel bei Powerpoint-Präsentationen gleich unterhalb des Namens. Echter: "So erinnern sich Entscheider gut an Sie, auch wenn sie Sie nicht persönlich sehen." Fallen diese Schlüsselbegriffe im Zusammenhang mit einer Jobvakanz, denkt man automatisch auch an die Person mit dem passenden Claim.

4. Wohlwollen erzeugen

Expertin Assig weiß: "Karriere macht nur, wer es versteht, persönliche Nähe zu den Entscheidern herzustellen." Neben regelmäßigem Kontakt sei es wichtig, Wohlwollen zu erzeugen. Das gelingt, wenn Sie selbst Ihre Wertschätzung und Ihre Anerkennung zeigen. Assig: "Sprechen Sie zum Beispiel in Videomeetings und Mails immer über alle positiv, besonders über Abwesende. So überzeugen Sie potenzielle Entscheider von Ihrer Loyalität."

Gerade, wenn es wenig Möglichkeiten gäbe, Ihre Vertrauenswürdigkeit direkt zu erleben, dürfe es daran in der elektronischen Kommunikation keinen Zweifel geben. Darüber hinaus rät Expertin Echter: "Kommen Sie in virtuellen Meetings, auch wenn alle in Eile sind, nie sofort zur Sache". Stattdessen rät sie, zunächst andere Teilnehmende positiv zu erwähnen und erst dann mit den inhaltlichen Ausführungen zu beginnen – "so erweisen Sie sich als gut integriert und fähig, Nähe zu Ihren potenziellen Förderern herzustellen."

Für manchen mag das nach allzu offensichtlicher Schleimerei klingen. Aber denken Sie daran: Sie sind nicht mehr auf dem Schulhof, im Job gelten andere Regeln. Echters Kollegin Assig ergänzt: "Danken Sie Ihren Chefs, wann immer es einen – vermeintlich – noch so kleinen Anlass dafür gibt: eine Information, einen Kontakt, eine Schulung, einen Bonus, die Lieferung eines neuen Bürostuhls ins Homeoffice."

Das alles seien gute Möglichkeiten, auch "remote" im persönlichen Austausch zu bleiben. Und nicht zuletzt: Nutzen Sie die sozialen Medien. Echter empfiehlt: "Kommentieren Sie positiv, was Ihre Vorgesetzten posten, denn Sie wollen Karriere machen in einer Firma, in der gute Stimmung herrscht und ein Zugehörigkeitsgefühl besteht. Helfen Sie, dieses zu erzeugen. Es wird wohlwollend wahrgenommen werden."

5. Auf erfolgreiche Menschen aktiv zugehen

Ob per Zoom-Meeting oder mit dem Vorschlag für eine gemeinsame virtuelle Kaffeepause, "gehen Sie auf andere – erfolgreiche – Menschen in Ihrem Unternehmen zu", rät Karriere-Expertin Assig. Suchen Sie Kontakt zu denjenigen, die Ihnen bei Ihrer beruflichen Weiterentwicklung behilflich sein können. Etwa zu Verantwortlichen desjenigen Bereichs, in dem Sie in Zukunft tätig sein möchten.

Um anzuknüpfen, können Sie um fachlichen Rat oder eine persönliche Einschätzung bitten oder auch Ihre Expertise anbieten. Kommt es zum Gespräch, betonen Sie Ihre Gemeinsamkeiten. Vielleicht haben Sie beide ja an derselben Uni studiert, haben Kinder im Homeschooling oder das gleiche Hobby. Dann erwähnen Sie es. Wichtig ist, bei den Entscheidern anderer Bereiche einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Solche Allianzen können nützlich sein, wenn Sie sich später tatsächlich intern bewerben.

6. Führungsqualität im Team beweisen

Führung fängt nicht erst an, wenn man Führungskraft ist. Die Arbeit im Homeoffice lässt zwischenmenschliche Arbeitsbeziehungen verkümmern, die Kommunikation über Video- oder Nachrichten-Kanäle fördert die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten. Slaghuis rät: "Zeigen Sie Initiative in Sachen Beziehungsmanagement." Wer sich im Team als informeller Leader präsentiert, der Transparenz schafft, Konflikte befriedet und Lösungen findet, beweist damit Potenzial, es als Führungskraft auch im größeren Rahmen leisten zu können.

7. Professionell auftreten

Verhalten Sie sich in virtuellen Meetings so, als wären Sie schon befördert, weil Kleidung, Sprache, technische Qualität – das ganze Bild – schon jetzt zu der angestrebten Rolle passen. Expertin Echter über dieses oft unterschätzte Detail: "Sonst werden Sie nicht als zukünftige Führungspersönlichkeit gesehen."

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Ehrlich gesagt wäre mir eine Person, die diesen Ratschlägen folgt, extrem unsympathisch. "Wie wird man am schnellsten zu einem unehrlichen, schleimigen Schnösel" könnte der Artikel besser heißen.

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