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Recruiting per Clubhouse?

Clunhouse App Handy Social Media [Quelle: Unsplash.com, Autor: William Krause]

Quelle: Unsplash.com, William Krause

In Deutschland gibt es einen Hype um die Audio-App. Doch wie können Unternehmen und Jobsuchende davon profitieren?

Das Experiment beginnt mit einem Videohelden. Den sucht der Softwarehersteller SAP derzeit nicht nur auf den gängigen Jobplattformen. Der Konzern will die Praktikantenstelle im Bereich Video auch auf der neuen Hype-App Clubhouse ausschreiben. Sollte das Experiment erfolgreich verlaufen, kann sich Cawa Younosi diesen Weg auch für Stellen vorstellen, die eine höhere Seniorität voraussetzen, erklärt der Deutschland-Personalchef von SAP. "Mit Clubhouse möchten wir unkompliziert Talente ansprechen, und sie haben die Chance, mit uns zu sprechen." In der Technologiebranche sei man ohnehin "early adopter", also Erstanwender. Warum also nicht auch hier?

Die in den USA schon länger bekannte App hat sich in den vergangenen Wochen in Deutschland rasant verbreitet. Clubhouse ist eine soziale Audio-Plattform, auf der Menschen in verschiedenen Räumen live miteinander diskutieren können. Jeder Nutzer kann eine eigene Konferenz eröffnen, es gibt Moderatoren, die Diskussionen leiten, und Teilnehmer auf die virtuelle Bühne holen. Mal tauschen sich hochkarätige Experten wie Frank Thelen oder Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) zu Start-ups und Investorensuche aus, ein anderes Mal sprechen Manager über Personalstrategien.

"Man kann fast alles, was man in einem Podcast senden würde, auch über Clubhouse abbilden – aber eben mit dem Vorteil der Interaktivität", sagt der Social-Media-Experte Felix Beilharz. Und wie das Beispiel SAP zeigt, interessieren sich auch erste Unternehmen für die Plattform – nicht zuletzt, um Talente zu gewinnen.

Noch vermag kaum ein Experte zu sagen, ob sich Clubhouse dauerhaft durchsetzt oder ob sie nur ein Hype der Pandemie ist, weil Menschen im Lockdown nach neuen digitalen Austauschmöglichkeiten suchen. Doch angenommen, die Audio-Plattform bleibt längerfristig bestehen: Welche Chancen bietet sie Firmen bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern? Wie nützt sie Bewerbern? Und wo liegen die Grenzen?

Die Chance

Wer sich als Firma frühzeitig mit der Plattform beschäftigt, kann zu den Ersten zählen, die sich überhaupt auf dem Kanal präsentieren. "Unternehmen können aktuell von dem Hype profitieren", sagt Berater Beilharz. Was die Sache erleichtert: Der Aufwand für die Einrichtung des Kanals ist minimal.

Auch Katharina Hain, Rekrutierungsexpertin beim Personaldienstleister Hays, sieht den Trend, dass Unternehmen und Bewerber zunehmend virtuell in Kontakt kommen. Sie ist zwar skeptisch, ob Clubhouse als neue Stellenbörse taugt. "Klassische Stellenanzeigen lassen sich dort nicht schalten." Aber: Clubhouse könnte für Firmen die Möglichkeit bieten, die eigene Marke als Arbeitgeber zu stärken und so neue Zielgruppen zu erreichen. "Genau das ist Teil eines modernen Recruitings."

Die konkrete Anwendung

Tatsächlich ist es schon vorgekommen, dass in einigen Runden Jobs angeboten wurden. Bislang ist das aber noch Zufall. Zielgerichteter kann das funktionieren, wenn sich Personaler und Jobsuchende in einem virtuellen Raum in der App treffen, um sich über Stellenangebote, den Bewerbungsprozess oder Aufstiegsmöglichkeiten zu informieren. Hain empfiehlt, den Gesprächsraum auch über andere Kanäle zu bewerben, um viele Teilnehmer zu erreichen.

Sie sieht noch eine andere Variante: Personalverantwortliche könnten in ihrem ClubhouseProfil auf ihren LinkedIn- oder Xing-Account verlinken. Das Ziel: Trends der Arbeitswelt, Inspirationen zur Organisation der Heimarbeit und mögliche Kandidaten auf Clubhouse aufspüren – und dann über die klassischen Karriereportale vernetzen und rekrutieren.

Felix Beilharz nennt ein weiteres Beispiel: Unternehmen könnten mit aktuellen Mitarbeitern über ihre Tätigkeit sprechen, und Zuhörer hätten die Möglichkeit, Fragen direkt an die Mitarbeiter zu richten: "Auch mit Führungskräften des C-Levels sind solche Formate denkbar und bieten einen besonderen Zugang, den Außenstehende sonst kaum so direkt bekommen."

Die Grenzen

Ein praktisches Problem ist, dass die App schlichtweg nicht als Recruiting-Plattform entwickelt wurde. So können Bewerber etwa keinen Lebenslauf hinterlegen. Weil Teilnehmer in den Rederunden nur mit Vornamen und Bildchen angezeigt werden, haben Recruiter es schwer, sich einen schnellen Überblick über die Qualifikationen ihrer Bewerber zu machen.

Berater Beilharz sieht in den Nutzungsbedingungen Grenzen, denn die schließen eine geschäftliche Nutzung aus. In seinen AGBs spricht Clubhouse nur von "personal use". Beilharz: "Jobrekrutierung dürfte nicht darunterfallen." Allerdings könne Clubhouse Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Auch der laxe Datenschutz wird angeprangert. Alle Daten werden in den USA verarbeitet, was Probleme mit der hiesigen Datenschutz-Grundverordnung mit sich bringt. "Aus den Datenschutzhinweisen folgt, dass Clubhouse Gespräche wohl mitschneidet und bei Missbrauchsverdacht eine gewisse Zeit speichert", so der auf Social Media spezialisierte Rechtsanwalt Carsten Ulbricht. Wer als Betrieb auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auf das reine Aussenden von Inhalten über Clubhouse beschränken. Und wenn doch Daten von potenziellen Bewerbern verarbeitet werden: Unbedingt eine vorherige Einwilligung bei den Betroffenen einholen, die die Verarbeitung im Unternehmen und durch Clubhouse ausdrücklich enthält, rät Ulbricht.

Nicht zuletzt werden noch viele Menschen auf Clubhouse ausgeschlossen. Das Unternehmen hat zwar eine Version für das Betriebssystem Android angekündigt. Die App steht momentan aber nur iPhone-Nutzern zur Verfügung. Zudem bekommen Interessierte nur über Einladung bestehender Mitglieder Zugang. Das mag zwar Teil des Erfolgsgeheimnisses sein, für Firmen schränkt das aber den potenziellen Bewerberpool ein.

"Wir müssen natürlich sicherstellen, dass niemand wegen fehlender Einladung oder nicht unterstützten Betriebssystems oder Bedenken wegen Datenschutz ausgeschlossen, benachteiligt oder gar diskriminiert wird", sagt auch Younosi von SAP. Für den Konzern ist klar, dass Clubhouse immer nur ein zusätzlicher Rekrutierungskanal sein kann und keineswegs die gängigen Ansprachen über Jobplattformen und Personalberater ersetzen kann.

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