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Neuer Job im alten Unternehmen

Zwei Menschen Handschlag Büro [Quelle: Unsplash.com, Autor: Cytonn Photography]

Quelle: Unsplash.com, Cytonn Photography 

Offene Stellen sind aktuell rar. Eine Alternative: sich intern umschauen. Der Personaler eines Dax-Konzerns und ein Bewerbungsprofi erklären, worauf es ankommt.

Den Beruf wechseln, ohne das Unternehmen zu verlassen? Bei Bayer haben das mehr als 3000 Beschäftigte im vergangenen Jahr allein in Deutschland gemacht. "Wir fokussieren das Thema interne Jobwechsel, sodass Mitarbeiter mit Erfahrungen aus verschiedenen Abteilungen zusammenkommen", sagt Bayer-Personaler Moritz von Schaumann-Werder. Solche diversen Teams seien "ein Zugewinn für das Unternehmen".

Von dieser Strategie profitieren die Beschäftigten. So gibt Bayer bei Ausschreibungen internen Bewerbern gegenüber externen Kandidaten fast immer den Vorzug, berichtet von Schaumann-Werder. "Interne Mitarbeiter haben sich schon bewiesen und müssen nicht erst in die Prozesse eingearbeitet werden."

Nicht nur bei dem Chemie- und Pharmariesen aus Leverkusen gewinnt das Thema interner Jobwechsel an Bedeutung. Es ist durch die Pandemie relevanter denn je: Die Jobsuche ist in der Krise so schwierig wie lange nicht, weil viele Firmen in der unsicheren Lage mit externen Ausschreibungen zurückhaltend sind. So bleibt für Fach- und Führungskräfte oft nur die Alternative, sich intern umzuorientieren.

Weil viele Firmen gerade umstrukturieren, werden zwar Beschäftigte entlassen, doch an anderer Stelle auch Posten geschaffen – eine Chance, selbst wenn Bewerber nicht alle Kriterien erfüllen. Oft sind sogar Karriere- und Gehaltssprünge drin. Und das zu bequemen Konditionen: kein Umzug, keine Einarbeitung, wenig Umgewöhnung.

Klar ist aber auch: "Die interne Bewerbung ist kein Selbstläufer. Kandidaten müssen auch hierbei Zeit und Mühe investieren", sagt Bewerbungsexperte Ben Dehn. Er arbeitet bei dem Bochumer Unternehmen "Die Bewerbungsschreiber" und hat mehrere Tausend Anschreiben und Lebensläufe verfasst.

Ein Überblick, wie man offene Stellen intern findet und worauf Kandidaten bei der Bewerbung achten sollten:

Vakanzen finden: Schwarzes Brett und Flurfunk beachten

Bei Bayer können Mitarbeiter in einem internen Programm ihren Lebenslauf einpflegen. Demnächst soll eine Künstliche Intelligenz auf Basis der Einträge Vorschläge für freie Jobs machen, mit denen sich die Beschäftigten intern weiterentwickeln können. Schon jetzt gibt es im Intranet eine interne Jobbörse, in der selbst hohe Führungspositionen ausgeschrieben werden. Wie bei dem Dax-Unternehmen hat auch anderswo das analoge schwarze Brett gerade an Produktionsstandorten noch nicht ausgedient.

Weitere Möglichkeit: der Flurfunk. Das mag schwierig sein, wenn viele Kollegen von zu Hause aus arbeiten.

"Grundsätzlich sollten Bewerber ihr Netzwerk zu anderen Kollegen nutzen, um von Vakanzen zu hören", sagt Bewerbungsexperte Dehn. Weil Jobs nicht immer intern veröffentlicht werden, kann auch der Blick auf Stellenbörsen wie Stepstone oder Indeed lohnend sein. Ist die passende Stelle nicht ausgeschrieben, ist eine Initiativbewerbung denkbar. Auch wenn sie nicht unmittelbar zum Erfolg führt, macht es der Personalabteilung deutlich, dass man sich weiterentwickeln möchte.

Kollegen und Vorgesetzte: Ein heikles Unterfangen

Gerade die interne Bewerbung ist ein sensibles Thema. Wenn man sich im eigenen Betrieb umorientiert, kann das beim Chef und den Mitarbeitern zu Unruhe führen. Ob oder wann man die Kollegen über sein Vorhaben in Kenntnis setzt, hängt von der Unternehmenskultur ab, so Bewerbungsexperte Dehn. "Je größer der Konkurrenzgedanke ist, desto diskreter sollten Bewerber das Thema behandeln."

Und wann informiere ich den Chef? Das kommt aufs Verhältnis zum Vorgesetzten an. Ist es vertrauensvoll, sollte man das Thema frühzeitig adressieren, rät Personaler von Schaumann-Werder. "Viele Manager sind an der Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter interessiert, auch wenn sie dadurch womöglich einen Leistungsträger verlieren." Der aktuelle Chef kann schließlich auch ein gutes Wort in der neuen Abteilung einlegen oder ein Empfehlungsschreiben beifügen. "Das ist in vielen Fällen ein wichtiger Faktor, der den Unterschied machen kann." Ist das Verhältnis beschädigt, raten Experten eher zur Diskretion. Die Führungskraft kann ihre Kontakte eben auch nutzen, um den Wechsel zu verhindern. Hier müssen Bewerber abwägen.

Lebenslauf: Erfolge in den Vordergrund stellen

Auch die meisten internen Bewerbungen bestehen aus den bekannten Unterlagen Lebenslauf und Anschreiben. Extern wie intern gilt: Der Lebenslauf ist der wichtigste Bestandteil. Die HR-Abteilung mag jenen der eigenen Beschäftigten zwar schon in den Unterlagen haben. Doch Kandidaten sollten mit der Aktualisierung ihre neuen Kompetenzen und Erfahrungen deutlich machen. Freilich sollten die Eckdaten mit denen übereinstimmen, die der Personaler schon kennt.

"Beim Lebenslauf kommt es bei der internen Bewerbung vor allem darauf an, konkrete Erfolge zu dokumentieren, die man für das Unternehmen erreicht hat", sagt Bewerbungsschreiber Dehn. Er rät: Kandidaten sollten ihre Schlüsselprojekte und Tätigkeiten erläutern und erwähnen, welche Budget- und Führungsverantwortung sie haben. Auch abteilungsübergreifende Aufgaben, Weiterbildungen und Zertifikate gehören aufgelistet. Weil interne Bewerber eher als Konkurrenten von außerhalb wissen, worauf der Betrieb Wert legt, sollte es leichter fallen, den richtigen Schwerpunkt zu setzen. Grundsätzlich gilt: Bewerber sollten ihre Fähigkeiten rückwärts-chronologisch auflisten, das bedeutet, dass die aktuelle Jobposition oben steht. Auch der Aufbau ist gleich: Persönliche Daten, Werdegang, Studium und Schule, besondere Kenntnisse und Interessen. Am Ende dürfen Ort, Datum und Unterschrift nicht fehlen. Und bitte nicht mehr als zwei Seiten.

Anschreiben: Motivation für die neue Aufgabe betonen

Für viele Firmen hat das klassische Anschreiben an Bedeutung verloren, weil sich Personaler in Lebensläufen viel zügiger ein Bild machen können. Bayer-Personaler von Schaumann-Werder rät: In kleineren Betrieben oder bei Vorgesetzten, die man gut kennt, reicht der Lebenslauf aus. Gerade in größeren Firmen kennt der Personaler aber nicht unbedingt jeden Bewerber, hier hat das Anschreiben seine Berechtigung. 

Ist ein solches gefordert oder entscheidet sich der Kandidat bewusst dafür, sollte er vor allem die eigene Motivation für die neue Aufgabe betonen. Formulierungshilfen finden Sie im Kasten links unten.

Typischer Fehler: Viele notieren, warum sie von ihrer alten Stelle wegmöchten. Besser: klarmachen, welchen Mehrwert man in der neuen Funktion für die Firma bieten kann und welche Qualifikationen man dafür mitbringt. "Bewerber sollten verdeutlichen, warum sie ihren nächsten Karriereschritt gehen wollen, und dabei unterstreichen, warum man beim bisherigen Arbeitgeber bleiben will", sagt Dehn. Gerade mittelständische Betriebe schätzen die Loyalität.

Die größte Todsünde sind aber Übertreibungen. Gerade bei internen Bewerbungen fällt das auf, schließlich ist man in der Firma bekannt. Besser: nur Fähigkeiten auflisten, die man auch wirklich unter Beweis gestellt hat. Und: die Formalia einhalten, denn Personaler drücken nicht unbedingt ein Auge zu, nur weil der Bewerber aus dem eigenen Haus kommt. Heißt: keine Rechtschreibfehler, keine ausufernden Anschreiben. Auch die gern genommene Formulierung "Sehr geehrte Damen und Herren" passt nicht zu einer Firma, in der sich die Kollegen sonst duzen.

Vorstellungsgespräch: Entwicklung aufzeigen

Ein Bewerbungsgespräch mit Kollegen, die man Jahre kennt, mag gewöhnungsbedürftig sein. "Auch wenn man ein gutes Verhältnis hat, steht man doch auf dem Prüfstand, das sollten Bewerber nicht unterschätzen", sagt von Schaumann-Werder. Das interne Vorstellungsgespräch läuft wie üblich ab, nur dass interne Kandidaten den Vorteil haben, bei Kollegen nachzufragen, worauf der Personaler wohl seinen Fokus legen wird.

Bewerber sollten im Gespräch ihre Entwicklung im Unternehmen aufzeigen und die bisherigen Leistungen – auch auf Nachfrage – mit konkreten Leistungen und Erfolgen belegen können. Lästern über Kollegen ist dabei absolut tabu. Einige Personaler versuchen, ihr Gegenüber in eine Falle zu locken, geben vor, dass sie wegen der Kollegen schon nachvollziehen könnten, warum man aus der Abteilung weg wolle. Dehn rät: nicht darauf eingehen!

Was nicht heißt, dass man nicht in sachlicher Art über Probleme in der alten Position sprechen darf. "Es ist völlig legitim und ehrlich, wenn Bewerber sagen, dass sie in der bisherigen Stelle unglücklich sind und die Aufgaben nicht so waren, wie man sich das vorgestellt hat", sagt Bayer-Manager von Schaumann-Werder.

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