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Mit einer Stimme sprechen

Für Führungskräfte ist das ein Spagat. Zum einen müssen sie dafür sorgen, dass das Geschäft so reibungslos wie möglich weiterläuft, Panik in der Belegschaft gilt es zu verhindern. Andererseits muss der Chef aufgrund der Arbeitsschutzgesetzgebung gesundheitliche Beeinträchtigungen seiner Mitarbeiter im Job verhindern – ein Balanceakt, der durch die Anforderungen des Infektionsschutzgesetzes weiter vergrößert wird, weil es bei einer Pandemie, als die das neuartige Virus nun gilt, strikte Meldepflichten und Quarantäne-Regelungen für erkrankte Mitarbeiter vorsieht. Das kann sogar dazu führen, dass ein Betrieb von den Behörden vorübergehend geschlossen wird.

Anwalt Pflüger rät der Geschäftsführung, den Betriebsrat einzubinden. Dem steht ein Mitspracherecht bei Anordnungen zu, die das Verhalten der Beschäftigten regeln. Die Mitarbeitervertretung muss auch bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben zum Gesundheitsschutz gefragt werden.

Ratschlag 3: Mit einer Stimme sprechen

Für Hartwin Möhrle zählt klare Kommunikation zu den wichtigsten Dingen in der Krise. Der Gesellschafter und Mitbegründer der Frankfurter Kommunikationsagentur A&B One sagt: "Manager sollten die Krise gegenüber ihren Mitarbeitern weder verharmlosen noch dramatisieren." Wer den Angestellten offen und klar mitteile, dass die Umsätze in den kommenden Wochen möglicherweise einbrechen werden, schüre keine zusätzliche Panik, sondern schaffe Klarheit und Orientierung, so der Kommunikationsexperte. Dabei gilt: Nicht jedes Detail sei wichtig, sondern die Fokussierung auf das Wesentliche. Aber: "Gut gemeinte Verharmlosungen verschärfen die Krise." Für ein regelmäßiges Corona-Update brauche es nicht immer gesonderte Sitzungen, weil das die Situation nur unnötig dramatisiere. Besser: die etablierten Meetings und Kommunikationskanäle nutzen, rät der Experte.

Auch Brinkmann von der Berliner Stadtreinigung setzt in der Krise auf Kommunikation. Es sei wichtig, dass das gesamte Management mit einer Stimme zu den Mitarbeitern spreche, sagt sie. Andernfalls drohe der Vertrauensverlust. Deswegen arbeitet bei der Berliner Stadtreinigung gerade die interne und externe Kommunikation in enger Abstimmung. "Es ist nicht schön, wenn Beschäftigte eine interne Nachricht über die Medien erfahren." Ihre Erfahrung lehrt: In Krisen sollten Manager vermehrt das Gespräch suchen und mit ihren Mitarbeitern in Kontakt bleiben. Das gelte gerade, wenn jemand in Quarantäne muss: "Dann sollten Vorgesetzte sich aktiv in Verbindung setzen und das weitere Vorgehen besprechen."

Experte Möhrle ergänzt, dass Manager ihren Kollegen auch nicht vorgaukeln müssen, alles zu wissen. Das falle sowieso auf. Sie sollten ruhig die Punkte ansprechen, zu denen es noch Unsicherheiten im Unternehmen gibt, dabei aber sagen, was zu deren Klärung getan werde. All das beseitigt Verunsicherungen. Denn die sorge dafür, dass Mitarbeiter weniger kreativ und leistungsfähig seien, ergänzt Arbeitspsychologe Zacher. Die zu vermittelnde Botschaft von Führungskräften ist demnach denkbar einfach: "Wir wissen zwar nicht, was kommt, aber sehr wohl, was zu tun ist."

Ratschlag 4: Einen Krisenplan aufstellen

Wenn der Ernstfall eintritt und sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, hilft ein Krisenplan. Unternehmen in Deutschland sind grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, einen solchen aufzustellen. Ausgenommen sind Betriebe, deren Dienste unverzichtbar sind: Energie- oder Telekommunikationsunternehmen etwa – die sogenannten Betreiber "kritischer Infrastruktur" (Kritis). Deren Notfallpläne müssen gewährleisten, dass der Betrieb stets aufrechterhalten wird – egal, ob es technische Probleme, Katastrophen oder Epidemien gibt. Seit dem Ausbruch der Vogel- und der Schweinegrippe sind die Notfallpläne auch auf die Ausbreitung von Viren ausgelegt.

Obwohl sich die Firmen mit Details ihrer Notfallpläne gern zurückhalten – schließlich wappnen sie sich auch gegen Terroranschläge –, können sich nicht systemrelevante Unternehmen von den Kritis-Firmen für die Corona-Pandemie einiges abschauen. Wichtig ist: Die Kernfunktionen im Unternehmen müssen weiterlaufen – selbst wenn Mitarbeiter in Quarantäne sind.

So geht auch die Lufthansa vor. Das Management entschied, dass einige Mitarbeiter ins Homeoffice gehen. Auf diese Weise sind weniger Menschen vor Ort, die sich potenziell anstecken können. Was auch dazugehört: die Mitarbeiter technisch dafür ausrüsten, dass sie von zu Hause arbeiten können. Dort, wo es möglich ist, wurden die Aufgaben redundant ausgelegt – sodass sie etwa in Frankfurt oder in München erledigt werden können. Europas größte Airline trifft das Coronavirus besonders. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Donnerstag ein Einreiseverbot für Europäer verhängt hatte, stürzte die Aktie der "Hansa" ab. Die Airline zählt zu den Marktführern auf den Verbindungen über den Atlantik. Auch Firmen, die nicht derart stark unter den Folgen des Virus leiden, sollten "Verantwortlichkeiten für wichtige betriebliche Abläufe" festlegen, wie das Notfallhandbuch der Deutschen Industrie- und Handelskammer rät. Es empfiehlt sich zudem, einen Krisenstab einzurichten. Bei der Lufthansa war der anfangs nur klein, seitdem sich das Coronavirus aber rasch verbreitet und die wirtschaftlichen Konsequenzen immer größer werden, sind alle Abteilungen involviert. Während in Dax-Konzernen bis zu 50 Mitglieder in den Gremien sitzen, reichen in kleineren Firmen deutlich weniger Mitarbeiter aus. Was bei allen gleich ist: Der oberste Kopf trifft die Entscheidung. Alles Weitere läuft nach Meldeketten – ein bisschen wie beim Militär.

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