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Hacking für den Körper

Hacking für den Körper

Doch längst nicht alles, was derzeit ausprobiert wird, ist auch sinnvoll. Neben moralischen und datenschutzrechtlichen Bedenken – vor allem beim Chippen der eigenen Belegschaft – weist Jan Claas van Treeck vom Lehrstuhl für Medientheorien an der Berliner Humboldt-Universität noch auf eine weitere Hürde hin. So sind viele der Mikrobauteile technologisch betrachtet auf einem Stand, der etwa zwei Jahrzehnte alt ist. Damals hat sich der Kybernetik-Professor Kevin Warwick von der Reading University als erster Mensch überhaupt einen Chip implantiert. Viel getan habe sich seither auf der technischen Seite nicht, so van Treeck. "Wir müssen keine Sorge haben, dass diese Chips uns zum Terminator machen werden." Was außerdem in einem Hotel in München funktioniert, muss in New York oder Abu Dhabi noch lange nicht klappen. Das liegt an den unterschiedlichen Standards, die parallel am Markt für die Kombination aus Chip und Lesegerät existieren.

Um für alle Fälle gerüstet zu sein, hat Körperchip-Händler Kramer derzeit drei unterschiedliche ChipImplantate in seinen Händen. Demnächst soll ein viertes hinzukommen: der Vivokey. Der dürfte, wenn man Gesprächspartnern aus der Szene glauben darf, neue Standards setzen: Neben einem größeren Speicher ist der Clou ein zusätzlicher Mikroprozessor. Der kann neuerdings ganze Spezial-Apps abspielen, statt nur einen bestimmten Code per Funk zu übermitteln. So soll die Innovation vor allem der sicheren Verschlüsselung dienen – etwas, was die bisherigen simplen Speicherchips nicht beherrschen. Im Frühjahr 2019 soll der Vivokey auf den Markt kommen. Dann könnte der kryptografische Schlüssel im eigenen Körper auch dazu dienen, Nachrichten fälschungs - sicher zu unterschreiben, den Zugang zu sensiblen Bereichen der eigenen Webseite besser abzusichern oder Finanztransaktionen abzuwickeln – sowohl privat beim Onlineshoppen als auch geschäftlich im Einkauf.

Sollte sich eine der Chip-Anwendungen durchsetzen, dürften sich mehr und mehr Cyborg-Pioniere den neuartigen Schlüssel einpflanzen lassen. Als besonders aussichtsreiche Anwendung gilt das bargeldlose Bezahlen. Das Problem ist jedoch: Noch kooperiert keine Bank oder Kreditkartengesellschaft mit dem Anbieter des neuartigen Körperchips. Für den Hannoveraner Unternehmer Ferrer Rivero, der mit seiner zweiten Firma Unternehmen zur Digitalwährung Bitcoin berät, ist das neue Implantat jedoch interessant. Er hat sich als Beta-Tester des Vivokeys registriert, weil es ihm wahrscheinlicher erscheint, dass sich der Schlüssel vor allem im Bereich Kryptowährungen etablieren wird. Damit dürfte die Technologie allerdings dort bleiben, wo sie auch heute schon ist: in der Nische.

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