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Wer pimpt, hat Angst

Photo by Markus Winkler on Unsplash

Der Gründer von Augustus Intelligence hat in seinem Lebenslauf gelogen. Da wird aus dem Praktikum eine berufliche Station. Das ist Hochstapelei – und ein Massenphänomen.

Mit Lebensläufen ist es ein bisschen wie mit Blattspinat. Von einem großen Haufen Spinat bleibt am Ende nach dem Kochen nur eine Handvoll übrig. Und auch beim Lebenslauf ist es so. Von einer Menge gut klingender Stationen sind am Ende ein paar wenige wirklich relevante übrig. Aufpolieren, aufblasen, beschönigen, ausschmücken – es gibt so viele nett klingende Worte für das, was Menschen mit ihrem Lebenslauf machen.

Diese Woche ist eine handfeste Lebenslaufschummelei aufgeflogen. Der 23-jährige Gründer von Augustus Intelligence, Pascal Weinberger, hat in Bezug auf seinen beruflichen Werdegang gelogen. Augustus Intelligence ist das Unternehmen, mit dem der CDU-Shootingstar Philipp Amthor fragwürdig verbandelt war – der junge Abgeordnete hatte für die Firma Lobbyismus betrieben und wird nun der Korruption verdächtigt.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) berichtete am Wochenende über den spektakulären Lebenslauf von Pascal Weinberger. Auf LinkedIn las der sich, als wäre der 23-Jährige seit Jahrzehnten dick im Geschäft: Berater für künstliche Intelligenz bei der Nasa. Leiter der Abteilung für künstliche Intelligenz bei Telefónica. Forscher am Max-Planck-Institut. Ingenieur für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen bei Google. 

Bei den letzten beiden Punkten ergaben Recherchen der FAS: Google kennt Weinberger nicht, und am Max-Planck-Institut war er höchstens Praktikant. Seit Montag sind auf Weinbergers Profil entsprechende Korrekturen zu lesen. Jetzt steht hinter dem Eintrag zum Max-Planck-Institut in Klammern "Praktikum" und zum Thema Google fügte Weinberger hinzu, dass seine Tätigkeit sich angeblich auf ein Subunternehmen bezog, er somit nicht direkt bei Google gearbeitet hatte.

Würde man jetzt sagen, der Mann ist eben ein Betrüger, wäre das nur die halbe Wahrheit. Denn Pascal Weinberger steht stellvertretend für ein modernes Phänomen: Er ist ein Hochstapler. Prominente wie Annette Schavan oder Karl-Theodor zu Guttenberg erschummelten sich ihre Doktorarbeit. Und der berühmteste deutsche Hochstapler, Gert Postel, praktizierte 15 Jahre lang als Mediziner und war eigentlich Briefträger. Dagegen sind die Konsequenzen bei Normalos, die mit Lügen ihren Lebenslauf pimpen, vergleichsweise harmlos.

Klickt man sich durch Ratgeberliteratur und Berichte von Personalern, stößt man immer wieder auf Sätze wie "Diese Tricks kennen Personaler". Gemeint sind: kaschierte Lücken im Lebenslauf, erlogene Qualifikationen, übertriebene Berufserfahrung. So ist "berufliche Neuorientierung" der Code für Arbeitslosigkeit, oder die Anstellungszeit bei einem Unternehmen wird gestreckt, um eine Lücke im Lebenslauf zu stopfen. Besonders beliebt in puncto Führungskompetenz: Das Team, das man "geleitet" hat, besteht auf Nachfrage nur aus einem Praktikanten. Und der Klassiker: Aus einem Praktikum oder einer Traineestelle wird eine Festanstellung gebastelt.

Fliegt eine solche Lüge im Lebenslauf während des Bewerbungsgesprächs auf, hat man sich die Aussicht auf den Job versaut. Kommt die Schummelei erst später heraus, droht eine fristlose Kündigung und in manchen Fällen, abhängig von den Konsequenzen der Lüge, sogar eine Klage auf Schadensersatz vom Arbeitgeber. Hat man Dokumente gefälscht, dann geht es strafrechtlich um Urkundenfälschung, Betrug oder Missbrauch von Titeln.

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Aus meiner Sicht ein guter Beitrag der die Entwicklung und das Streben nach "immer mehr" und "immer besser" auch im Job Alltag widerspiegelt. Ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem bei dem mir als Individuum schon fast egal in welcher Situation suggeriert wird nicht "wertig" genug zu sein bzw. mein Selbstbild in Frage zu stellen - noch dazu viele Ellenbogen von "Nicht-Gönnern", die mir Einschläge von der Seite geben. Die Ursachen hierfür sind sicherlich vielfältig, nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass die Entwicklung eine andere wäre!

  2. Anonym

    Guter Artikel, was aber eigentlich der gesunde Menschenverstand aussagt, ist, das viele Erfolge erst durch Misserfolge erzielt werden. Also das bekannte "Gain durch Pain"....was dann auch immer einen gewissen Verzicht impliziert;-). Bei einem Resume sollten max. 2 Seiten eingereicht werden, mehr kann und will der Personaler nicht lesen. Wenn dann Lücken wegfallen im Lebenslauf hat das nichts mit Hochstapelei zu tun, sondern Platz.

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