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"Arbeitgeber können Liebesbeziehungen eh nicht verhindern"

Gepsräch, Flirt, Café, Mann, Frau [Quelle: unsplash.com, Autor: Christin Hume]

Quelle: unsplash.com, Christin Hume

In den USA verlor der Chef von McDonald's wegen einer Beziehung zu einer Angestellten den Job. Wäre so ein Fall auch in Deutschland möglich?

War es Liebe oder nur eine kurze Affäre, war sie Managerin oder verkaufte sie Burger? Viel ist nicht bekannt über die Beziehung, die den Vorstandsvorsitzenden der Fast-Food-Kette McDonald's seinen Job gekostet hat. Das Unternehmen teilte Anfang der Woche lediglich mit, Steve Easterbrook habe durch ein Verhältnis mit einer Angestellten "schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt und gegen Vorschriften der Firma verstoßen. Die Beziehung wurde als einvernehmlich beschrieben. Doch Easterbrook schrieb in einer Mail an die Belegschaft, das Ganze sei ein "Fehler" gewesen. Neben McDonald's drohten in der Vergangenheit bereits andere US-amerikanische Großkonzerne, etwa Walmart oder Honeywell, ihren Mitarbeitern mit Konsequenzen, sollten sie miteinander eine Beziehung eingehen. Dürfen auch deutsche Firmen Angestellte, die eine Beziehung miteinander haben, abmahnen – oder sogar feuern? Das erklärt der Arbeitsrechtler Boris Blunck aus Frankfurt.

Sind Beziehungen am Arbeitsplatz in Deutschland erlaubt?

Boris Blunck: Ja. Beziehungen sind in Deutschland grundsätzlich Privatsache. Und zu Privatem hat der Arbeitgeber hierzulande keinen Zugang.

In welchen Fällen kommen Sie als Arbeitsrechtler mit diesem Thema in Berührung?

Wenn überhaupt, erreichen uns Anfragen von Entscheidungsträgern aus dem angelsächsischen Raum, die ein in Deutschland ansässiges Tochterunternehmen betreffen. Dann wird zum Beispiel der Wunsch geäußert, einen Mitarbeiter wegen einer Beziehung zu einer Kollegin zu entlassen oder zu versetzen. Das ist hierzulande aber nicht so einfach. Das deutsche Arbeitsrecht ist wesentlich strikter als etwa das der USA. Dort ist es weit verbreitet, einen code of conduct aufzustellen, an den sich alle Mitarbeiter zu halten haben. Darin ist mitunter auch ein pauschales Verbot von Beziehungen am Arbeitsplatz zu finden. In deutschen Unternehmen ohne ausländische Muttergesellschaft wäre das undenkbar.

Eine in Deutschland angestellte Mitarbeiterin eines US-amerikanischen Unternehmens könnte also nicht wegen einer Beziehung zu einem Kollegen entlassen werden?

Richtig. Ein solcher Passus könnte zwar im code of conduct des Unternehmens stehen, bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung wäre die Angestellte aber durch das deutsche Arbeitsrecht geschützt.

Gibt es Umstände, unter denen eine Führungskraft in Deutschland in die Beziehung zweier Angestellter eingreifen darf?

Ja, sie kann dann rechtliche Maßnahmen ergreifen, wenn diese Beziehung nachweislich einen Einfluss auf die Arbeitsleistung der Beteiligten hat. Zum Beispiel, wenn eine Ehe unter Kollegen in die Brüche geht und es zu einem Rosenkrieg am Arbeitsplatz kommt. Wenn die Beteiligten sich lautstark streiten oder sich gegenseitig sabotieren. Auch eine gut laufende Beziehung kann einen Einfluss haben, der nicht in Ordnung ist: etwa wenn die Partner sich gegenseitig bevorzugen, sich bessere Beurteilungen geben oder höhere Boni zuspielen. 

In solchen Fällen müssten beide mit einer Kündigung rechnen?

Zur Kündigung ist es ein weiter Weg, Arbeitnehmer sind in Deutschland gut geschützt. Aber gut begründen ließe sich dann, dass die Mitarbeiter abgemahnt werden oder einer von ihnen in einen anderen Teil des Unternehmens wechseln muss.

Macht es einen Unterschied, ob die Beziehung zwischen gleichrangigen Kollegen oder etwa einer Chefin und ihres Praktikanten besteht?

Grundsätzlich nicht. Wenn die Beziehung zwischen Chefin und Praktikant im Einvernehmen zustande kommt und der Mann volljährig ist, ist dagegen rechtlich nichts einzuwenden. Wenn die Chefin aber dafür ihre Machtposition ausgenutzt hat, kann dies – je nach Einzelfall – sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigen. In weniger gravierenden Fällen wäre zunächst eine Abmahnung auszusprechen. Kommt es danach erneut zum Fehlverhalten, kann eine ordentliche Kündigung in Betracht kommen – natürlich aber unter Einhaltung der Kündigungsfrist. 

Wie lässt sich beurteilen, ob die Chefin ihre Machtposition ausgenutzt hat?

Ganz klar ist es, wenn sie dem Praktikanten Nachteile androht, sollte er die Beziehung nicht eingehen. Andere Fälle sind schwieriger zu beurteilen. Etwa wenn solche eindeutigen Bemerkungen nicht gefallen sind, der Praktikant sich aber im Nachhinein ausgenutzt fühlt. Das muss man im Einzelfall genau prüfen.

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