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Der Feind in meinem Büro

Boxhandschuhe, Boxen, Kampf, Konkurrenz, Feindschaft [Quelle: unsplash.com, Autor: Kayla Harris]

Quelle: unsplash.com, Kayla Harris

Rivalität unter Kollegen? Darüber spricht man nicht oder allenfalls hinter vorgehaltener Hand. Dabei kann sie den Arbeitsalltag zur Hölle machen.

Der Beste gewinnt, wer sich beinhart gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat, steht selig unter der Sektdusche auf dem Siegertreppchen. Rivalen auf der Rennbahn und dem Spielfeld - im Sport funktioniert das meist gut. Beim Training wird in der Regel aus den Wettkämpfern sofort wieder ein kollegiales Team. Im Sport sind die Spielregeln transparent, die Leistungen dokumentiert und messbar.

Im Berufsleben hat die Sache mit der Rivalität keinen Hauch von Leichtigkeit. Lea Becker arbeitet in einem Berliner Medienunternehmen und hat das am eigenen Leib gespürt. Nachdem sie eine Leitungsfunktion erhalten hatte, kehrte eine Kollegin aus der Elternzeit zurück, die sich für ebenso geeignet für diese Führungsposition hielt. Die Kollegin streute Gerüchte, in der Abteilung laufe es nicht gut, setzte die Chefs auf CC, zündelte raffiniert, so dass schon frühmorgens kritische E-Mails bei Lea Becker landeten und ihr den Tag vergällten. "Das war perfide, vorher hat sie nie etwas gesagt. Unser Vertrauensverhältnis war zerrüttet. Ich verstehe, dass sie Druck aufbauen wollte, um ihre Ziele zu erreichen. Nur: Das ist der falsche Weg." Lea Becker, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, führte ein klärendes Gespräch, aber: "Die Kollegin blieb uneinsichtig, pochte darauf, alle müssten jederzeit informiert werden. Es ist schade, ein Team für die eigene Profilierung so zu zerstören." Am Ende ist die schwierige Kollegin gegangen. "Ich könnte mich darüber freuen, das finde ich aber kleinkariert. Ich habe eine kompetente Kollegin verloren."

Was die junge Frau erlebt hat, bezeugt eine internationale Umfrage des Stellenportals Monster. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass allzu starker Konkurrenzkampf sie dazu veranlasst, über den Wechsel des Arbeitsplatzes nachzudenken. Die deutschen Teilnehmer sind am stärksten betroffen: 27 Prozent haben deshalb schon einmal ihre Stelle gekündigt.

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es eigentlich. Warum das unter Kollegen aber nicht immer so ist, hat Niels Van Quaquebeke mit Hilfe von Experimenten untersucht. Der Professor für Leadership und Organizational Behavior in Hamburg hat mit Susan Reh und Christian Tröster eine spannende Studie darüber gemacht, erschienen im "Journal of Applied Psychology": "Ist das Arbeitsklima zu kompetitiv, beginnt der Konkurrenzkampf unter den Angestellten", so sein Fazit. Und der beflügelt nicht, denn dabei "sabotieren sie nicht nur Chefs und Mitarbeiter mit höherem Ansehen und Status, sondern verhindern auch den beruflichen Aufstieg von Kollegen, die sie in Zukunft überflügeln könnten". Mit anderen Worten: Keiner mag Streber. Das lässt sich übrigens nicht nur in bestehenden Teams beobachten, sondern kann nach Angaben der Forscher auch Auswirkungen auf die Auswahl neuer Mitarbeiter haben. Aus Angst, von kompetenteren Mitarbeitern selbst überflügelt zu werden, stellten Vorgesetzte zuweilen lieber mittelmäßige Teams zusammen. Für ehrgeizige Mitarbeiter sei es daher ratsam, sich möglichst leistungsstarke Chefs und Teams zu suchen, so ein Fazit der Studie. Die nämlich hätten es weniger nötig, die Konkurrenz kleinzuhalten.

Gudrun Happich vom Galileo Institut für Human Excellence in Köln hat schon oft Berufstätige beraten, die unter Kollegen-Rivalität leiden. "Ich habe es dauernd mit Macht und Politik im Wirtschaftsleben zu tun", sagt sie. Happich unterscheidet zwischen offener Rivalität, wo jemand "rumschreit, entwertet, nur auf Gewinne aus ist". Das auszuhalten sei schon schwer genug, gefährlicher sei aber die verdeckte Rivalität: "Vordergründig ist der Kollege nett, vermittelt das Gefühl, man habe einen Freund, und - hups - hat man ein Messer im Rücken." Das Gefährliche: "Anfangs zeigt man sich offen mit seinen Stärken und Schwächen." So ist der Beschäftigte irritiert, dass der Rivale, den er zunächst nicht als Rivalen wahrnimmt, mit ihm allein kollegial auftritt. Sobald aber zum Beispiel die Controllerin anwesend ist, fährt ihm der Kollege plötzlich aggressiv in die Parade und attackiert Budgetwünsche heftig. Mit Skrupeln halten sich solche Intriganten nicht auf. "Manche haben die Grundeinstellung, wenn es mir nützt, ist es doch in Ordnung." Happich fragt dann nach: Worum geht es dem anderen? Oft genug gehe es darum "auf jeden Fall zu gewinnen, besonders zu sein, nicht zur breiten Masse zu gehören", sagt sie. "Wenn man das Spiel nicht durchschaut, ist man schnell im Streitgespräch." Ist das tatsächlich ein Spiel? Die studierte Biologin und langjährige Führungskraft sagt: "Ich glaube schon. Solche Typen wollen recht haben. Dabei ist das Rivalitätsspiel urgefährlich, denn so kommt man nicht gemeinsam ins Ziel." Ihre Strategie? "Für sich selbst einen klaren Standpunkt haben, souverän werden, sein oder bleiben. Das ist die wichtigste Voraussetzung." Hört sich leicht an - die Umsetzung sei aber schwer, sagt Happich. "Ich kann dem anderen das Gefühl geben, ihn glänzen zu lassen, ihm auf gewisse Art recht zu geben. Jetzt kommt die Kunst - ohne meinen eigenen Standpunkt aufzugeben." Der Klügere gibt eben doch nicht immer nach. "Ich rate, klar, offen und ehrlich zu kommunizieren. Zum Beispiel zu sagen: Ich verstehe, dass Sie mit mir rangeln wollen, wenn Sie das so haben wollen, kann ich mich darauf einstellen." Schließlich lasse sich der andere nicht ändern, schon gar nicht, wenn es sich um eine narzisstische Persönlichkeit handele. "Das Schlimmste ist, zu schweigen, sich einschüchtern zu lassen oder zurückzuballern." Es gehe darum, in einem vernünftigen Ton, "keine Ironie, kein Sticheln", das Theater nicht mitzuspielen. Und es nicht persönlich zu nehmen. "Das finde ich am schwersten", sagt die 53 Jahre alte Beraterin.

Sind bestimmte Branchen besonders anfällig für Rivalitäten? Gudrun Happich beobachtet, dass viele ihrer Klienten in Nonprofit-Unternehmen, Beamtenstrukturen und in der Kirche arbeiten. Rivalität entzünde sich vor allem dann, wenn Ressourcen knapp oder heftig umkämpft sind und nur einer gewinnen kann.

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