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Hauptsache Abschluss?

Man muss nur wissen, was man will. Dann kann man es auch erreichen. Klingt wie ein Motivationstrainer-Motto aus besseren Tagen und galt bis vor kurzem als quasi religiöser Grundsatz der Studien- und Berufsberatung. Heute? Miese Konjunktur, flauer Arbeitsmarkt - wie kann man da noch wissen, was man will? 

Pro Promotion

Die gute Nachricht lautet: High Potentials trifft es nicht so schwer. Sie haben das Privileg vielfältiger Alternativen, sollte es mit den Aussichten auf einen direkten Jobeinstieg nach dem Studium hapern: Ob Promotion, Aufbau- und Ergänzungsstudium, Auslandsaufenthalt oder Post-doc-Stelle - diese Alternativen sind mehr als bloße Lückenfüller. Viele wählen jetzt eine davon: So auch e-fellows, die sich immer häufiger für eine Ehrenrunde am heimischen Schreibtisch entscheiden: Von den rund 11.000 Stipendiaten promovieren zurzeit über 10 Prozent - mehr als je zuvor. 

Wahl mit Qual: das Studienfach

Wählen Studenten ihr Fach überhaupt nach Konjunktur aus? Volker Fadinger, Professor für Alte Geschichte und Studienberater an der FU Berlin: "Früher war das ja gar nicht notwendig. Ich selbst habe mir überhaupt keine Gedanken zu den Konjunkturaussichten in meinem Fach gemacht. Als ich meinen Abschluss in Geschichte machte, das war 1966, galt: Hauptsache Examen!" So lapidar wie einst, kann das heute sicher niemand mehr formulieren. "Heute", so Professor Fadinger weiter, "merken viele leider erst im Studium, dass sie keine Berufsaussichten haben. Das Lehramt dient dann zum Beispiel als Auffangbecken; viele Geisteswissenschaftler drängen heute in dieses Studium. Meine Aufgabe ist es da auch, optimale Orientierung zu bieten. Beratung im Hinblick auf Berufschancen ist jedoch nicht mein Job."
 
Anders sieht das Eberhard König, Studiendekan für Geschichts- und Kulturwissenschaften an der FU Berlin und Studienberater. Wir sprachen mit ihm über Konjunkturaussichten im Studium.

Herr Professor König, warum klagen viele Studenten über mangelnde Aussichten in ihrem Studium?

König: "Das liegt am falschen Ineinandergreifen von schlecht orientierter Wahl und falsch geleiteter Beratung durch Professoren. Mehr studienbegleitende Information wäre sehr wichtig, um das zu vermeiden."

Sollen und können Studienanfänger ihr Fach überhaupt nach konjunkturellen Vorhersagen auswählen?

König: "Im Einzelfall ist es doch egal, mit welchem Studienabschluss man arbeitslos ist. Aber im Ernst: Ich halte wenig von diesen Vorhersagen. Besser wäre es, vor Beginn eines Studiums Begabungen und Wünsche festzustellen. Es macht einen großen Unterschied, ob ich in der syrischen Wüste ein Grabmal ausbuddle oder ob ich Museumsdirektor bin - da stehen jeweils ganz andere Sozialkompetenzen dahinter. Dafür müsste es Tests geben. Wer seine Kompetenzen erkannt hat und sie anwenden kann, entwickelt die wichtige Fähigkeit, durchzuhalten."

Können Sie Hoch- und Tiefphasen in einigen Fächern beobachten?

König: "Ja, zum Beispiel gab es noch nie so einen Boom auf Islamwissenschaften und Arabistik wie seit dem letzten Jahr. Unsere Arabisch-Anfängerkurse sind regelrecht überlaufen. Saßen dort früher gerade mal 30 Leute, sind es heute 120. Aber welcher Konjunkturforscher kann das vorhersagen?"

Beraten Sie Ihre Studenten im Hinblick auf spätere Berufschancen?

König: "Auf jeden Fall, ich halte das für wesentlich. Wobei ich nicht glaube, dass wir so konjunkturabhängig sind, wie es manchmal glauben gemacht wird. Meine Fächer haben sowieso keinen Platz in der aktuellen Konjunktur! Ich sage meinen Studenten: 'Habt Mut, auf dem grauen Arbeitsmarkt neue Formen zu entwickeln!' Und manchmal müssten Professoren auch einfach ehrlicher sein in der Beurteilung ihrer Studenten; sie müssten auch mal den Mut haben, 'das hat keinen Zweck' zu sagen.

Wohin geht der Trend?

Wenn also das Examen allein nicht reicht, die berufliche Orientierung an der Uni aber schwer ist, was tun? Ronald Riebe vom Referat für Personalmarketing und Traineeprogramme bei der Robert Bosch GmbH rät den e-fellows: "Macht, was euch Spaß macht, denn nur dann könnt ihr Leidenschaft dafür entwickeln. Macht Praktika in verschiedenen Unternehmen, denn nur dadurch gewinnt man ein breites Feld für Entscheidungen. Außerdem wichtig: langfristig denken und Trends aufspüren. In den Wirtschaftsteilen großer Zeitungen kann man einiges über längerfristige Tendenzen erfahren."

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