Partner von:

Kampf um wenige Jobs

Kampf Tiere Zweikampf Ziegen Braun [Quelle: Pexels.com, Autor: Pixabay]

Quelle: Pexels.com, Pixabay

2021 ist die Stellensuche so schwierig wie lange nicht. Und sie funktioniert pandemiebedingt anders als sonst. Sechs Dinge, die sich verändert haben – und Tipps, wie Bewerber damit umgehen.

Schockstarre. So beschreibt Angelika Gerber (Name geändert), was sie in den vergangenen Monaten am Arbeitsmarkt erlebt hat. Mit einer Wachstumsstrategie war die Personalmanagerin vor zwei Jahren bei einem Maschinenbauer in Norddeutschland gestartet. Zukunftsorientierter und internationaler sollte das Geschäft werden.

Doch als Gerber anfing, kamen die Krisen. Erst in der Branche, dann – pandemiebedingt – weltweit. Aus Wachstumsstrategie wurde Abbau. "Seit Mai wusste ich eigentlich, dass es das für mich war", sagt die 58-Jährige. Seither sucht die erfahrene Managerin nach einem neuen Job. Vergeblich. Bekam Gerber in Vorkrisenzeiten jeden Monat einen Anruf von Headhuntern, herrsche seit Ausbruch der Pandemie "tote Hose": "Selbst Branchen, denen es gut geht, scheinen gerade eher zu zögern." Und so bleibt der Managerin nichts anderes übrig, als auf bessere Zeiten zu hoffen. Ihr Vertrag lief zum Jahreswechsel aus.

So wie Gerber geht es vielen, die gerade ihre Stelle wechseln wollen oder müssen. Die Jobsuche im Corona-Jahr 2021 ist so schwierig wie lange nicht mehr. Und zwar aus zwei Gründen: In der Krise schreiben viele Firmen wenige oder keine Jobs aus. So gab es hierzulande 934.000 offene Stellen – eine halbe Million weniger als vor der Pandemie, zeigen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Und: Obwohl der Arbeitsmarkt relativ robust ist, wird die Zahl der Arbeitslosen steigen – und damit der Wettbewerb um die besten Jobs. Kamen vor der Krise nach IAB-Rechnung noch 1,6 Arbeitslose auf eine offene Stelle, streiten sich derzeit 3,1 darum.

Wer 2021 seinen Job wechseln will, muss sich nicht nur auf größere Konkurrenz einstellen, sondern auch auf neue Regeln: Das Handelsblatt stellt in sechs Kapiteln vor, wie sich die Gesetze des Arbeitsmarkts durch Corona verändert haben – mit Tipps, wie sich Bewerber darauf einstellen.

1. Der Jobmarkt hat sich für Bewerber eingetrübt – vorerst

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnten sich Bewerber ihre Stelle aus mehreren Angeboten aussuchen. Diesen Bewerbermarkt wird es 2021 in vielen Branchen wegen der wenigen Stellen und des größeren Wettbewerbs so nicht mehr geben. Headhunterin Sabine Hansen beobachtet zudem, dass selbst Topstellen über Monate immer wieder neu ausgeschrieben werden. "Firmen haben zwar auch in der Krise Personalbedarf, aber sie sind extrem zögerlich." Das zeigt sich auch im Recruiting. Das Motto heißt deshalb: erst mal den Markt abtasten. Das sollten High Potentials wissen, die sich gerade umschauen

Langfristig, schätzt IAB-Arbeitsmarktsexperte Enzo Weber, werden sich die Chancen für Bewerber zwar wieder verbessern, weil in den nächsten Jahren viele Beschäftigte aus den Babyboomer-Jahrgängen in Rente gehen. Doch für 2021 sieht Weber nur einen "schwierigen Erholungskurs". Das Ziel lautet deshalb in vielen Fällen: Sicherheit zuerst!

Was Bewerber tun sollten:
  • Weiter bewerben – aber nicht gleich im Januar: "Es gibt eine Saisonalität und ein Muster bei Jobsuchen, das über die Jahre relativ konstant ist – mit Peaks am Anfang des Jahres und im Herbst", erklärt Frank Hensgens, Deutschlandchef bei der Jobbörse Indeed. Das bestätigt auch die Jobplattform Stepstone, wo das Suchvolumen auf Stellenanzeigen aktuell 40 Prozent höher ist als in Durchschnittsmonaten. Für Bewerber heißt das: Antizyklisch bewerben – am besten im Sommer oder im Dezember. Dann ist der Konkurrenzkampf kleiner.
  • Trends im Auge behalten: Je weniger Stellen es gibt, desto wichtiger ist es, sich über die wenigen Angebote gut zu informieren. Jutta Boenig, Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, empfiehlt Branchen- und Firmennewsletter zu abonnieren und potenziellen Arbeitgebern auf den Karrierenetzwerken LinkedIn und Xing zu folgen. "Bewerben wird 2021 anstrengender", sagt Boenig. Das zeigen auch Zahlen von LinkedIn: Seit Ausbruch der Pandemie schreiben Jobsuchende im Schnitt zehn Prozent mehr Bewerbungen.
  • Mit Zwischenlösungen anfreunden: Die Jobplattform Stepstone hat festgestellt, dass zwei Drittel aller Suchenden derzeit Stellen in den Blick nehmen, auf die sie sich vor der Krise nicht beworben hätten. "Bewerber müssen eine neue Stelle mitunter auch als Zwischenlösung akzeptieren, weil es schwierig ist, 2021 den Traumjob zu finden", sagt Boenig. Auch eine kurze Phase als Selbstständiger oder Freiberufler kann eine Übergangslösung sein. "So knüpft man wichtige Kontakte und kann seine Fähigkeiten weiterentwickeln", sagt der Düsseldorfer Karrierecoach Henryk Lüderitz.

2. Auch 2021 gibt es Jobs – doch die Unterschiede in den Branchen sind groß

Die gute Nachricht: "Die Coronakrise wird insgesamt nicht zu einem geringeren Arbeitskräftebedarf führen", sagt IAB-Forscher Weber. Doch die Unterschiede zwischen den Branchen sind groß. Katrin Luzar von der Jobplattform Monster teilt in der Krise den Jobmarkt in drei Bereiche auf:

Erstens: Die Unternehmen und Jobprofile, bei denen sich nichts bis wenig ändert. Dazu gehören etwa IT-Experten, die weiterhin branchenübergreifend gesucht werden. Vor allem Kandidaten mit Kenntnissen zu Big Data, Machine Learning und Künstlicher Intelligenz haben beste Perspektiven, sagen Experten.

Zweitens: Die Unternehmen, die durch die Pandemie viel mehr Personalbedarf haben. Das betrifft vor allem das Gesundheitswesen inklusive der Pharma- und Biotechbranche, aber auch die Logistik oder den Onlinehandel, die seit Corona boomen. Allein in der Logistik stieg die Zahl der Stellenanzeigen auf Stepstone zwischen April und Dezember um mehr als die Hälfte, der Bereich Forschung wuchs sogar um 73 Prozent.

Drittens: Die Branchen, die von den Einschränkungen der Pandemie hart getroffen sind. Und das sind einige: Tourismus, Luftfahrt, Gastgewerbe, Einzelhandel sowie die Kultur- und Veranstaltungsbranche. Auch in der Industrie und im Bereich Konsumgüter gab es im ersten Lockdown ein Drittel weniger Ausschreibungen, berichtet das Karrierenetzwerk LinkedIn.

Was Bewerber tun sollten:
  • Offen für andere Branchen sein: Angestellte aus der Reiseindustrie bewarben sich laut LinkedIn im Dezember doppelt so häufig branchenfremd wie vor Corona. Das kann eine Blaupause für Bewerber aus anderen darbenden Branchen sein. Stepstone-Arbeitsmarktexperte Tobias Zimmermann rät Bewerbern, nicht mehr nur nach Stellentiteln, sondern vermehrt nach Kenntnissen zu suchen. "Oftmals passen unsere Fähigkeiten zu mehr Jobs, als wir im ersten Moment denken." So sei ein Drittel der Firmen eher bereit, Quereinsteiger einzustellen.
  • Nach Zukunftsfeldern schauen: "Topleute müssen nicht zwingend die Branche wechseln", sagt Headhunterin Hansen. Oft könnten Hochqualifizierte im eigenen Unternehmen in Bereichen mit rosigeren Aussichten reüssieren. So stellen etwa aktuell viele Autobauer trotz allgemeinen Personalabbaus in Zukunftsfeldern wie Elektromobilität oder autonomem Fahren ein.

3. In Krisen zählen andere Fähigkeiten – aber auch vorhandene Stärken

"Transformieren, ganze Geschäftsbereiche anfassen, neue integrieren und so das Gesamtunternehmen wieder auf Wachstum trimmen – das sind die Schlüsselfähigkeiten der Stunde für Manager", weiß Hansen. Doch damit sind keineswegs knallharte Sanierer gemeint, wie Emine Yilmaz, Direktorin bei der Personalberatung Robert Half, ergänzt.

Sie sagt: Gerade weicheren Faktoren, den sogenannten Soft Skills, "kommt für den Umgang mit anhaltenden Belastungen und Unsicherheiten durch die Pandemie eine größere Bedeutung zu". Dabei seien in Top-Positionen vor allem Führungskompetenz, kreatives Denken und Kommunikationsfähigkeit gefragt – gerade beim Führen aus der Ferne. Was Corona außerdem verstärkt hat, ist die Digitalisierungswelle, die in vielen Unternehmen schon vor der Krise losgetreten wurde.

Was Bewerber tun sollten:
  • Neugierig bleiben: Auch wer in zukunftsträchtigen Branchen arbeitet, darf nicht vergessen, sich fortzubilden, und muss neugierig bleiben. Eine Möglichkeit: ein neues Projekt übernehmen, um seine Fähigkeiten zu schärfen. Kienbaum-Personalberaterin Anne von Fallois rät zu einem Sparringspartner, "um eigene Fähigkeiten zu entdecken, die man vorher vielleicht noch gar nicht kannte". Das können Coaches, Mentoren oder vertraute Arbeitskollegen sein.
  • Zum Problemlöser werden: Gerade Quereinsteiger müssten sich klarmachen, welchen Nutzen sie außerhalb ihrer eigentlichen Tätigkeit mitbringen, betont Coach Boenig. Sie empfiehlt, sich folgende Fragen zu stellen: Welche Stärken und Fähigkeiten habe ich, die auch anderswo hilfreich sind? Wo und wie habe ich gezeigt, dass ich Menschen überzeugen kann? Welche Projekte habe ich erfolgreich abgeschlossen? Coach Lüderitz rät: den Fokus auf die eigenen Stärken legen – "und überlegen, wie sich diese kombinieren lassen, um zum Problemlöser für andere zu werden".

4. Netzwerken ist so wichtig – und so schwierig wie nie

Eine Jobmesse besuchen oder auf Konferenzen ins Gespräch kommen und so von Stellen hören, die gar nicht offiziell ausgeschrieben sind – das war vor Corona mitunter Alltag. "Gerade Top-Positionen wurden häufig auf diesem verdeckten, informellen Jobmarkt vergeben", sagt Kienbaum Beraterin von Fallois. In der Pandemie müssen sich Bewerber nun selbst sichtbar machen. Am einfachsten geht das über die Karrierenetzwerke LinkedIn und Xing.

Was Bewerber tun sollten:
  • Profil aktuell halten: Ein professionelles Foto und ein vollständiger Lebenslauf sind ein Muss für jedes Xing- oder LinkedIn-Profil. Mit intelligenten Diskussionsbeiträgen und Mitgliedschaften in Gruppen, in denen Branchenneuigkeiten ausgetauscht werden, kann man sich positionieren und von der Konkurrenz abheben, weiß von Fallois.
  • Aktiv nachfragen: Auch wenn eine spannende Stellenanzeige inzwischen wieder rausgenommen sein sollte, können Sie in Ihrem Netzwerk prüfen, ob Sie nicht über Umwege jemanden im Zielunternehmen kennen. "Das muss nicht immer der Personaler sein, den man da anspricht", sagt Coach Lüderitz, der dieses Vorgehen als "Guerillataktik" bezeichnet. Wichtig: "Dabei nie in eine Bittstellerhaltung verfallen!" Besser: in ein, zwei Absätzen seinem Kontakt beschreiben, welche Qualifikationen man mitbringt, und fragen, wo gerade clevere Köpfe mit diesen Fähigkeiten gebraucht werden.

5. Das Homeoffice wird bleiben – mit neuen Chancen für die Jobsuche

Nach Ende der Pandemie wird eine hybride Mischung aus Büroarbeit und Homeoffice für viele Beschäftigte der neue Standard sein, schätzen Arbeitsforscher. Das wird das Matching zwischen Betrieben und Bewerben 2021 vereinfachen, schließlich muss der neue Arbeitgeber nicht mehr direkt in der Nähe des eigenen Wohnorts sitzen. "Jobsuchende haben es in der neuen Arbeitswelt einfacher, die passende Stelle zu finden", sagt IAB-Experte Weber.

Indeed-Deutschlandchef Hensgens ergänzt: "Corona hat gezeigt, dass Remote Work möglich ist. Sie können in München leben und für ein Berliner Unternehmen arbeiten, ohne dort überhaupt jemals sein zu müssen." Das gilt vor allem für Hochqualifizierte, die für ihren Job nicht mehr als einen Laptop und ein Smartphone benötigen. Gerade der Mittelstand und traditionelle Industriebetriebe dürften aber nach der Pandemie zumindest tageweise auf Präsenz pochen.

Was Bewerber tun sollten:
  • Auf Vorstellungsgespräche per Video vorbereiten: Laut Stepstone halten 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland mittlerweile ihre Bewerbungsrunden virtuell ab. Gerade für das erste Kennenlernen dürfte sich diese Form dauerhaft durchsetzen, schließlich fällt die Anreise weg – die Firma spart Geld, der Kandidat Zeit. Für Bewerber heißt das: Sie müssen die Technik beherrschen, im Vorfeld üben, wie sie per Webcam rüberkommen, und im Gespräch auf den Punkt kommen. Einen Vorteil hat das Videointerview: Kandidaten können sich auf dem heimischen Schreibtisch Notizen zurechtlegen – das geht im echten Gespräch nicht.
  • Das Onboarding läuft virtuell: Wer einen neuen Job gefunden hat, muss sich derzeit darauf einstellen, dass die Einarbeitung im neuen Job – im Personalmanagement "Onboarding" genannt – virtuell abläuft. Jobwechsler werden ihre Kollegen also zunächst nur über den Bildschirm sehen. Wichtig: Die Neulinge müssen sich proaktiv einbringen, selbstständig sein, Projektfortschritte teilen, Nachfragen stellen – nur so gelingt der Einstieg aus der Ferne.

6. Große Gehaltssprünge sind unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich

2021 ist es nicht nur schwierig, einen neuen Job zu finden, auch große Gehaltssprünge sind unwahrscheinlich. Unternehmen würden nur in Ausnahmen wichtige Leistungsträger mit einem überdurchschnittlichen Gehaltsplus belohnen, sagt Christine Seibel, Vergütungsexpertin bei der Beratung Korn Ferry.

"In Branchen, die gut durch die Krise kommen, wird es zwar keine Nullrunden geben. Doch insgesamt werden die Gehälter weniger steigen als in den vergangenen Jahren." Was Jobsuchenden Mut machen dürfte: Rund 60 Prozent derjenigen, die im vergangenen Jahr einen neuen Job antraten, gaben in einer Stepstone-Befragung an, dass die Corona-Pandemie keine negativen Auswirkungen auf ihr Gehalt gehabt habe.

Was Bewerber tun sollten:
  • Trotz Krise verhandeln: Wenn Mitarbeiter nach einer Gehaltserhöhung fragen, winken viele Firmen mit Verweis auf die aktuelle Lage ab. Verhandlungsexperten raten dazu, Transparenz einzufordern: Wie genau trifft die Krise unsere Firma? Warum hat das überhaupt Auswirkungen auf meine Gehaltsforderung? Angestellte sollten darlegen, welchen konkreten Nutzen sie für das Unternehmen haben. Das können neu gewonnene Kunden und Aufträge oder optimierte Prozesse sein. Alternativ gilt es zu verdeutlichen, wo die Firma durch die eigene Arbeit Geld eingespart hat, etwa durch die Neuorganisation von Projekten.
  • Alternativen zur Gehaltserhöhung erfragen: In kriselnden Branchen ist tatsächlich kein Gehaltsplus drin. Hier ist es angebracht, nach Alternativen zu fragen, die dem Arbeitgeber nichts oder nur wenig kosten. Das können zusätzliche Urlaubstage sein, flexiblere Arbeitszeiten, eine bessere Homeoffice-Ausstattung oder ein Jobticket. Experten sagen: Zehn solcher Forderungen mit in das Gespräch nehmen – das erhöht den Verhandlungsspielraum.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.