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Und wie es in Kanzleien funktionieren kann

"Was die Partner durchgemacht haben, wollen sie den Associates nicht ersparen"

LTO: Sehen Sie sich als Vorreiterinnen für Ihre Generation?

Stomper-Rosam: Ich denke, dass wir mit unserer Unzufriedenheit über die heutigen Arbeitsverhältnisse nicht allein sind. Der Unterschied ist, dass wir tatsächlich etwas ändern. Die meisten Anwälte, die mit dem System unzufrieden sind, wenden sich ab und wechseln die Branche. Das muss nicht sein. Wir möchten vorleben, dass man die Strukturen anders denken und leben kann.

Martinetz: Viele der heute Mitte 40-Jährigen sind in einem System großgeworden, in welchem sie sich ausgebeutet gefühlt haben. Die letzten 15 Jahre haben sie darüber geschimpft. Und jetzt kommen sie in die Situation, in der sie es ändern könnten - und machen einfach so weiter! So nach dem Motto: 'Ich habe es bis hierher ausgehalten, jetzt müsst ihr es aushalten'.

LTO: Wie sieht es in Anwaltskanzleien aus? Ist Jobsharing dort eine Option?

Stomper-Rosam: Das kommt darauf an, welche Position Sie betrachten. Nehmen wir die Managing Partner, die es in einigen größeren Kanzleien gibt. Die kümmern sich hauptsächlich um das Marketing, die Strategie, die Organisation. Da sie meistens sehr arriviert sind, sind sie daneben weiterhin in der Mandatsarbeit eingebunden. Das ist viel zu viel für einen einzelnen Menschen. Würde man diese Stelle teilen, könnten beide Managing Partner mit voller Aufmerksamkeit ihre Aufgaben angehen.

LTO: Und warum macht das bisher niemand?

Stomper-Rosam: Bei Anwälten ist ein gewisser Widerwille da, die Kanzlei als Unternehmen zu betrachten. Ihr Selbstverständnis schließt ein Unternehmertum aus, denn hier müssten ganz andere Entscheidungen getroffen werden. Ich denke eher nicht, dass es eine Generationenfrage ist. Denn es gibt junge Anwälte, die unternehmerisch denken, aber auch solche, die es nicht tun.

"Teamgedanke ist bei Anwälten nicht ausgeprägt"

LTO: Wie könnte sich in dieser Kultur etwas ändern?

Stomper-Rosam: Die Kanzleikultur ändert sich sowieso ständig, weil der Markt sich ständig weiterentwickelt. Es gibt mehr Anwälte und deshalb mehr Wettbewerb. Prinzipiell kann man sagen, dass die Mandanten auf der Suche sind nach Anwälten, die unternehmerischer agieren.

Martinetz: Außerdem betreiben viele Anwälte ohnehin bereits Jobsharing. Junganwälte arbeiten mit Seniorpartnern auf einem Mandat oder Experten verschiedener Rechtsgebiete schließen sich zusammen. Das gibt es schon lange, ist aber noch die Ausnahme. Denn der Teamgedanke ist bei vielen Anwälten noch nicht ausgeprägt. Sich auf einer Ebene zu begegnen, das entwickelt sich gerade erst.

Stomper-Rosam: Der Trend geht dahin, dass die Rechtsfragen in Unternehmen immer komplexer werden. Ich bin zum Beispiel im Internetrecht tätig. Das ist eine klassische Querschnittsmaterie – Themen wie Datenschutz, Urheberrecht bis hin zu allgemeinem Vertragsrecht und je nach Inhalt eines Online-Angebots bis hin zu zum Beispiel Medizinrecht können da eine Rolle spielen. Wenn man im Sinne des Mandanten agieren möchte, muss man sich auf jeden Fall zu einem Team vom Spezialisten zusammenschließen, um verschiedene Rechtsbereiche profund abdecken zu können. Klassisches Jobsharing also.

LTO: Und was hat der Mandant davon?

Stomper-Rosam: Wenn ich meinen Mandanten Ernst nehme und ihm die bestmögliche Dienstleistung anbieten möchte, dann führt eigentlich kein Weg daran vorbei, zusammenzuarbeiten. Der Mandant wünscht sich die beste Abwicklung seines Falles. Es ist keine Schwäche, nicht alles zu können. Es ist aber eine Schwäche, zu behaupten, alles zu können und dann in Teilbereichen auf die Nase zu fallen.

© lto.de. Artikel zum Jura-Studium bietet die Rubrik "Studium & Referendariat" von Legal Tribune ONLINE.

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