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Hilfreiche Hybris

[Quelle: unsplash.com]

Selbstüberschätzung zählt zu den Todsünden. Auch für Manager. Aber nicht immer. Eine Studie zeigt: In manchen Situationen sind Stolz und Arroganz von Vorteil.

Wer besonders hoch hinaus will, kann umso tiefer fallen. So wie Markus Söder. Vor wenigen Wochen twitterte der bayrische Ministerpräsident ein Foto. Darauf zu sehen: Söder am Rednerpult, im Hintergrund ein Werbeplakat für das Raumfahrtprojekt "Bavaria One: Mission Zukunft". Darauf überdimensioniert zu sehen: Markus Söder.

Freie-Wähler-Spitzenkandidat Hubert Aiwanger warf ihm daraufhin vor, "völlig das Fingerspitzengefühl verloren" zu haben, "wenn er sich vor einem riesigen, eigenen Bild fotografieren lässt, das ausschaut wie der nordkoreanische Präsident". Wenig später fuhr Söder das schlechteste Wahlergebnis der CSU seit 60 Jahren ein. Seitdem ist nicht nur die Zukunft von Bavaria One ungewiss. Sondern auch die von Markus Söder.

Übermut tut selten gut, das weiß jedes Kind. Aber auf dem Rückzug ist die unschöne Eigenschaft deshalb noch lange nicht: Der Mensch gefällt sich nun mal gerne selbst. Die Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky haben bereits vor Jahrzehnten vom "Overconfidence- Effekt" gesprochen. Demnach gehen Menschen davon aus, dass sie mehr wissen und mehr können, als das tatsächlich der Fall ist.

Zwiegespaltene Wissenschaft

In manchen Situationen ist ein starkes Vertrauen ins eigene Ego hilfreich: Wer an sich glaubt, kann Investoren, Kunden oder Aktionäre leichter für eine Idee, ein Produkt oder eine Dienstleistung gewinnen. Ohne einen Hang zur Hybris, sagt zum Beispiel der Schweizer Psychotherapeut Theodor Itten, würde die Menschheit noch immer jagen und sammeln. Andererseits sagt Itten aber auch: "Größenwahn treibt Menschen zu irrationalen Entscheidungen."

Die Wissenschaft sieht es ähnlich zwiegespalten. Das Thema Hybris gehört seit Jahren zu den bevorzugten Forschungsgebieten der Organisationspsychologie – auch weil Politiker und Top-Manager immer wieder über Affären und Fehlentscheidungen stolpern. Offenbar bieten Führungsetagen einen perfekten Nährboden für ein überdimensioniertes Ich-Gefühl. Und das ist auch gut so – jedenfalls unter gewissen Umständen.

Zu diesem Schluss kommt Binay Adhikari in einer noch unveröffentlichten Studie. Darin ging der Assistenzprofessor für Finanzwesen an der Universität von Texas im Rio Grande Valley der Frage nach, ob und wenn ja: welche Vorstandsvorsitzende bessere Ergebnisse erzielen, sobald sich das Wettbewerbsumfeld in ihrer Branche massiv verschärft. Um eine Antwort auf seine Frage zu finden, suchte sich Adhikari 168 produzierende US-Unternehmen, die von sinkenden Einfuhrzöllen betroffen waren. Sie litten durch die zunehmende globale Konkurrenz verstärkt unter schwindenden Margen und sinkenden Gewinnen.

Größeres Ego, größere Taten

Adhikari teilte die Unternehmen in zwei Hälften: Die eine wurde von Chefs mit einem durchschnittlich ausgeprägten Ego geführt, die andere von CEOs mit einem Hang zur Prahlerei. Dafür nutzte der Forscher einen Indikator für Selbstüberschätzung, der sich in der Wissenschaft inzwischen etabliert hat – und der den Umgang von Top-Managern mit ihren Aktienoptionen abbildet.

Vereinfacht gesagt unterstellen die Forscher dabei jenen Managern, die Aktienoptionen, also eine Art Wette auf die positive Entwicklung ihrer Firma, nicht ausüben, Hybris – weil sie daran glaubten, mit ihren Optionen zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr Geld verdienen zu können.

Das Ergebnis: CEOs, die ihre Aktienoptionen besonders lange in ihrem Depot behielten, reagierten auf Wettbewerb wesentlich aggressiver als vorsichtigere Kollegen. Zunächst senkten sie die Umsatzrendite und die Gewinnspanne, anschließend erhöhten sie die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie das Marketingbudget.

Und diese Maßnahmen wirkten positiv, trotz aller Widrigkeiten. Ein Jahr nach der Zollsenkung lag der Marktanteil der Firmen um 19 Prozent höher, vier Jahre später waren es sogar 34 Prozent. Auch der Firmenwert wuchs – ein Indiz dafür, dass die kühnen Entscheidungen auch bei Investoren gut ankamen. 

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